Städtische Realschule Gescher feiert 90-Jähriges mit gemeinsamer Rhein-Schifffahrt und 350 Luftballons
Alle in einem Boot

Gescher/Köln. Das hat es in 90 Jahren an der Realschule noch nicht gegeben! Als just im Moment der Feierlichkeiten zum runden Geburtstag am Freitagmittag ein ADAC-Hubschrauber landet, denken nicht wenige an eine geplante Aktion. Da es sich jedoch um einen Notfall in der Goethestraße handelt, haben die Schüler vollstes Verständnis. Sie warten geduldig, bis eine halbe Stunde später der letzte Festakt zum 90-jährigen Bestehen steigt – und mit ihm 350 grüne Luftballons mit Geburtstags- und Zukunftswünschen in den Himmel.

Samstag, 18.04.2015, 16:32 Uhr

Am Donnerstag ist die gesamte Schule bereits früh morgens mit sechs Bussen nach Köln aufgebrochen. Dort wartete auf die 344 Mitfahrer am Rheinufer die MS Loreley, mit der es flussaufwärts bis kurz vor Bonn ging. „Der Tag war perfekt“, schwärmt Schulleiter Heinz Wolberg. „Es war eine tolle, entspannte Stimmung zwischen Lehrern und Schülern“, berichtet Anna Paskert vom SV-Team. Dabei hatte die gesamte Schulmannschaft das Schiff exklusiv für sich – alle in einem Boot. Es gab sogar ein Wiedersehen mit vielen ehemaligen Lehrern. „Die Fahrt sollte einfach das Gemeinschaftsgefühl noch mal stärken“, sagt Wolberg.

Für Spannung sorgte eine Verlosung von drei mal drei Kinogutscheinen. Jeder Schüler bekam eingangs eine kleine Weingummitüte mit einer Losnummer darauf. „Leider hat wohl ein Schüler zu früh das Tütchen aufgefuttert“, erzählt Wolberg schmunzelnd. So konnte Glücksfee und Konrektorin Silvia Schilde mit Lakritzschnecken auf den Augen nur zwei Gewinner ziehen.

Nach vier Stunden standen in Köln dann klasseninterne Events auf dem Programm. „Einige sind Eis essen gewesen, andere haben ein Museum besichtigt“, erzählt SV-Schülerin Vanessa Wenke. „Wir haben noch ein paar Youtube-Stars getroffen. Das war auch ein Highlight“, sagt Vanessa. „Es war auch mal interessant, die Lehrer in ihrer ,Freizeit’ kennenzulernen“, meint Schülersprecher Lars Thesing. Manche Schüler seien zudem in den Kölner Dom gegangen, um sich die Vorbereitungen auf die Gedenkfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes anzuschauen. „Viele haben auch auf ihren Karten an den Luftballons an den Absturz gedacht“, weiß Lars.

Zahlreiche persönliche Wünsche für die Schule, Mitschüler oder sich selbst haben die Realschüler auf die Karten geschrieben, die mit den Luftballons in den Himmel steigen. Oft ist darauf von „einem guten Abschluss“ oder „Kontakt mit meinen jetzigen Freunden“ die Rede. „Die Schule entscheidet über Lebenswege, auch was Beziehungen angeht“, weiß Wolberg.

Auf die Frage, was sein persönlicher Wunsch ist, antwortet Lars Thesing: „Dass die Schule nicht vergessen wird.“ Er ist sich aber sicher, dass sie allein wegen des Riga-Projekts in Erinnerung bleiben wird. Auch eine rund 60 Seiten starke Broschüre ist derzeit in Arbeit, die die Inhalte der von den Schülern erstellten AZ-Beilage noch weiterführen wird. „Es soll keine reine Chronik sein, sondern aufzeigen, wie sich die Schule heutzutage darstellt“, verrät Schulleiter Heinz Wolberg. Da scheint ein Vergessen der Städtischen Realschule Gescher auch nach ihrem Auslaufen im Jahr 2018 praktisch undenkbar.

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