Gescher
Jugendliche springen über den Globus

Gescher. Pia Arnzen fährt mit dem Finger über den Globus. Wups: Schon gelandet. Da ist Australien. Was auf der Karte so locker zu bewerkstelligen ist, wird die junge Frau in der Wirklichkeit des 9. Juli 40 Reisestunden bei ganz wenig Schlaf...

Sonntag, 27.04.2008, 18:40 Uhr

Gescher. Pia Arnzen fährt mit dem Finger über den Globus. Wups: Schon gelandet. Da ist Australien. Was auf der Karte so locker zu bewerkstelligen ist, wird die junge Frau in der Wirklichkeit des 9. Juli 40 Reisestunden bei ganz wenig Schlaf, eine anstrengende Bustour nach London und von dort mit dem Flieger via Melbourne kosten. Und 3 100 Euro. Die Summe lässt zurückzucken. Das sahen auch viele junge Gescheraner so. Deshalb hätten etliche nach der ersten Euphorie einen Rückzieher gemacht. Zu teuer. Am Ende bleiben acht Überzeugte und zwei Väter, die die Gruppe begleiten: Mit dieser kleinen Delegation wird Gescher im Juli auf dem Weltjugendtag in Sydney vertreten sein. Obwohl - so klein auch wieder nicht. Aus Velen beispielsweise kommen nur drei Jugendliche mit. Und Borken sei ebenfalls mit ganz wenigen Teilnehmern auf diesem internationalen Event vertreten, hat Kaplan Markus Thomalla gehört.

Dass die großen internationalen Jugendtreffen der katholischen Kirche in Gescher auf so fruchtbaren Boden fallen, hat gute Tradition. Auf dem Weltjugendtag in Toronto war die Glockenstadt mit rund zwanzig jungen Leuten vertreten. In Köln - wo gar die in Gescher gegossene Papstglocke geweiht wurde - waren etwa 40 Gescheraner dabei.

Nun also Australien. Am 9. 7. geht es los. Pia Arnzen und Silvia Kötting blitzt die Vorfreude in den Augen, wenn sie erzählen. Von London aus geht es im Flugzeug nach Melbourne, wo das internationale Abenteuer mit „Tagen der Begegnung“ beginnt. Ob sie in Sammelunterkünften oder privat untergebracht werden, das wissen sie nicht. Warum das Spektakel dennoch so teuer kommt? „Weil die Fluggesellschaften ihre Preise drastisch erhöht haben sollen, als sich ein Massenandrang abzeichnete“, haben die beiden Jugendlichen gehört.

Weiter geht es nach der ersten Woche mit Kurs auf Sydney. Denn dort wird Papst Benedikt erwartet. Die Beiden sind voller Begeisterung, wenn sie an diese Zusammenkunft von Jugendlichen aus aller Welt denken. Was sie so fasziniert? „Der Zusammenhalt aller ohne Vorurteile. Dass alle mit ähnlichen Vorstellungen unterwegs sind und dass der Glaube gestärkt wird“, antwortet Pia Arnzen. Sehr zum Wohlgefallen von Kaplan Thomalla: „Das ist ein schöner Satz, zutiefst theologisch“, lobt der. Auf Weltjugendtagen würde ein Glaube spürbar, der „so im Alltag nicht erlebbar ist“, sagen beide Mädchen. Bei der Messe mit Zigtausenden unter freiem Himmel würden „Gefühle der Nähe spürbar, die man nicht beschreiben kann, wenn man nicht dabei war“, meint Silvia Kötting und erinnert sich an Köln: „Das war der Hammer.“ Zwar teilen die Jugendlichen nicht unbedingt alle Standpunkte der Amtskirche: „Der Zölibat ist wirklich über.“ Doch verträten Kirche und Papst andererseits „Werte, an die wir glauben. Sonst würden wir nicht hinfahren.“

Mit einer Sightseeingtour in der dritten Woche endet die große Reise, bevor es am 29. 7. heim geht. Das Bistum Münster, das die Organisationsfäden spinnt, stimmt seine Jugendlichen schon auf das Großereignis ein. Mit wöchentlichen Impulsmails und einer Ausrüstung, die die Münsterländer erkennbar macht: Kakifarbener Hut mit schwarz-rot-goldener Krempe. Außerdem wollen die Gescheraner T-Shirts mitnehmen, die ihren Heimatort erkennbar machen. Irgendetwas wie damals in Köln, wo es hieß: „Gescher - wir sind da.“

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