Gescher
"Erfurterin" begrüßt Museumsbesucher

Gescher. Nachdem das international renommierte Deutsche Glockenmuseum auf Burg Greifenstein e.V. seine Tätigkeit nach Gescher verlegt hat, wird in der Glockenstadt ein neues Forschungszentrum zum Thema Glocke aufgebaut. Zurzeit werden im Heinrich-Hörnemann-Haus die neuen Büro- und Bibliotheksräume eingerichtet, teilt Museumsleiter Dr. Sonntag mit. Wissenschaftler, Glo...

Dienstag, 10.05.2011, 00:00 Uhr

Gescher. Nachdem das international renommierte Deutsche Glockenmuseum auf Burg Greifenstein e.V. seine Tätigkeit nach Gescher verlegt hat, wird in der Glockenstadt ein neues Forschungszentrum zum Thema Glocke aufgebaut. Zurzeit werden im Heinrich-Hörnemann-Haus die neuen Büro- und Bibliotheksräume eingerichtet, teilt Museumsleiter Dr. Sonntag mit. Wissenschaftler, Glockensachverständige und Glockenforscher können hier demnächst die rund 3500 Bände umfassende Bibliothek zur Glockengeschichte und das bedeutende Archiv für ihre Arbeiten benutzen. Während zukünftig die Forschungsarbeit im Zentrum der Tätigkeiten des Deutschen Glockenmuseums steht, werden die ihm gehörigen Ausstellungsstücke nicht mehr in einem eigenen Museum, sondern nunmehr in den neuen Räumen des Westfälischen Glockenmuseums der Öffentlichkeit präsentiert. Ende letzter Woche trat die erste schwergewichtige Glocke ihre Reise vom Greifenstein nach Gescher an. Die Glocke ist nicht nur eine Bereicherung für die Sammlung, sondern zugleich auch ein bedeutendes Zeugnis deutscher Glockengeschichte aus der Zeit der Teilung. Ihren ursprünglichen Platz hatte die 1962 von der Glockengießerei Schilling in Apolda/Thüringen gegossene so genannte Marien-Glocke in der St. Severi-Kirche in Erfurt. Mit dem Schlagton e1 -4/16 Halbton, einem Durchmesser von 1,27 Metern und einem Gewicht von 1,550 Tonnen gilt die Glocke als ein beeindruckendes Beispiel für das Fortleben des Apoldaer Glockengusses trotz der damals in der DDR herrschenden schwierigen Bedingungen. Im Turm der St. Severi-Kirche ersetzte sie die gesprungene mittelalterliche Glocke, die unter den damaligen Umständen in der DDR nicht geschweißt und damit nicht wieder läutbar gemacht werden konnte. Erst 1984 wurde - im "Windschatten" der europaweit Aufsehen erregenden Schweißung der gesprungenen weltberühmten "Gloriosa" im Domturm zu Erfurt - auch die mittelalterliche Glocke der unmittelbar benachbarten Severikirche auf diskretes Drängen des Glockenmuseums im Glocken-Schweißwerk Lachenmeyer (Nördlingen) geschweißt. Nach ihrer Rückkehr in die Glockenstube der St. Severi-Kirche erwarb das Deutsche Glockenmuseum 1986 die nun überzählige Schilling-Glocke für seine Sammlung. Ein Vierteljahrhundert stand sie als "Markenzeichen" des Deutschen Glockenmuseums weithin sichtbar auf der Burgmauer der Burgruine Greifenstein. Diesen Platz hat sie jetzt mit ihrem neuen Standort vor dem Eingang des Glockenmuseums Gescher getauscht. Als Zeichen für die Zusammenarbeit des Deutschen Glockenmuseums und des Westfälischen Glockenmuseums begrüßt die "Erfurterin" die Besucher.

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