Gescher
Campanologen lassen es läuten

Dienstag, 04.10.2011, 00:00 Uhr

Gescher. Erstmals war Gescher Schauplatz des 19. Kolloquium zur Glockenkunde. Für vier Tage versammelten sich hier 60 Experten aus ganz Europa, um über die verschiedenen Aspekte der Glockenkunde zu berichten und sich auszutauschen. Nach einem Stadtrundgang zum Auftakt war das Stadtgeläut der beiden großen Türme von St. Pankratius und der ehemaligen Kirche St. Mariä Himmelfahrt zu hören und stimmte auf die Tagungsthemen in den Räumen des Kutschenmuseums ein. Bürgermeister Hubert Effkemann begrüßte die "Campanologen" und zollte dem umfangreichen Programm mit 25 Vorträgen und einer ganztägigen Exkursion seinen Respekt. Claus Peter, Glockensachverständiger des Landeskonservators von Westfalen, führte danach in die für viele Teilnehmer noch unbekannte Glockenlandschaft Westfalen ein, während Rainer Schütte die Zusammenhänge der Glockengießer Petit und ihrer Werke erläuterte. Über den aktuellen Stand der Dinge in Sachen Kölner Petersglocke, deren Klöppel Anfang des Jahres gebrochen war, informierte der Glockensachverständige der Erzdiözese Köln, Norbert Jachtmann. Nach einem reinen Vortragstag wurde die Exkursion in die nähere Umgebung am Sonntag von vielen Teilnehmern als willkommene Abwechslung ersehnt. Dort ergab sich neben dem Genuss der Landschaft mit ihren wunderschönen Kirchen die Möglichkeit, anhand der Glocken und Geläute vor Ort die in der Theorie gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis zu vertiefen. Höhepunkt war unstreitig das Glockenbeiern in der Billerbecker St. Johannis-Kirche, wo die gesamte Läutemannschaft die Exkursionsteilnehmer erwartete und das Beherrschen der verschiedenen manuellen Läutetechniken eindrucksvoll unter Beweis stellte. - Aber auch mit mancher technischen Unzulänglichkeit bekamen es die Glockenexperten zu tun. In einer Kirche hingen die Antriebsketten so locker an den Maschinen, dass sogar unten auf der Straße ungesunde Geräusche während des Läutens zu hören waren. Die große Ludgerusglocke des Billerbecker Domes hingegen wollte gar nicht erst läuten, so dass einige beherzte Exkursionsteilnehmer kurzerhand auf den Turm steigen und nachhelfen mussten. Alle diese Erlebnisse waren am Abend freilich Gesprächsthema Nummer eins, wobei auch manche Mitarbeiter der Gescheraner Gastronomie Zeugen von Fachgesprächen über Ritzel, abgesprungene Ketten und Klanganalysen bis zum dreigestrichenen h wurden. Mit einem Vortrag über das restaurierte und wieder hergestellte mittelalterliche Geläut der Rostocker Marienkirche begann der Vortragsreigen am Montag. Friedrich Möller aus Stralsund erläuterte den Zuhörern die Zusammenhänge von Glocken und der Hanse, während Klaus Hammer aus seiner Forschung zur Glockengießerei Zeitlos in Schweinfurt referierte. Zum Abschluss der Veranstaltung führte Ellen Hüesker die Teilnehmer durch die Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/96971?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947616%2F696860%2F696863%2F
Nachrichten-Ticker