Kriminalität: 2012 Anstieg in Gescher um rund 27 Prozent / „Rio“ ist Brennpunkt / Weniger Unfälle
Straftäter auf dem Vormarsch

Gescher. Im letzten Jahr hatte die Polizei deutlich öfter in Gescher zu tun als in den Jahren zuvor. 1450 Einsätze verzeichnet die Statistik – seit 2008 (1246) ein kontinuierlicher Anstieg. Besonders negativ ist die Entwicklung bei der Kriminalitätsbelastung: Während die Gesamtzahl der Straftaten im Kreis Borken 2012 um 4,3 Prozent gesunken ist, gab es in Gescher eine Zunahme um 27,2 Prozent auf 1080 Fälle. Auch Gewaltdelikte nehmen zu, wobei die Diskothek Rio Palace einen Einsatzschwerpunkt darstellt. Was hinter den Zahlen steckt, erläuterte Manfred Drews, Leiter der zuständigen Polizeiwache Ahaus, am Mittwoch im Hauptausschuss.

Donnerstag, 16.05.2013, 20:53 Uhr

Gut 19 Minuten dauert es im Durchschnitt, bis die Polizei nach der Alarmierung in Gescher ist. Vor der Neuorganisation, als die Wache Borken zuständig war, lag die Reaktionszeit bei 23 Minuten. „Das ist also besser geworden“, stellte Drews fest. Beim Unfallaufkommen insgesamt „steht die Mittelstadt Gescher nicht schlecht da“, sagte er. 344 mal hat es im Vorjahr gekracht – nach 376 Unfällen im Jahr 2011. Die Zahl der Radfahrerunfälle in Gescher ist dagegen seit 2010 von 15 auf 26 gestiegen. Was die Häufigkeit angeht, habe Gescher damit Stadtlohn überholt. „Da müssen wir was tun“, sagte Drews und kündigte für das zweite Halbjahr eine „Aktionswoche Fahrrad“ mit verstärkten Kontrollen an.

Bei der Kriminalitätsbelastung hat Gescher stark zugelegt und liegt mittlerweile hinter Gronau und Ahaus auf Platz drei im Bereich der Polizeiwache. Die Zahl der Straftaten ist im Jahresvergleich von 849 auf 1080 gestiegen. Leider spiegele sich dieser Negativtrend auch bei der Gewaltkriminalität (Mord, Totschlag, Raub, Vergewaltigung, gefährliche oder schwere Körperverletzung) wider: Hier weist die Statistik 33 Straftaten aus – zehn mehr als 2011. Immerhin 81,8 Prozent der Gewaltdelikte wurden aufgeklärt.

Der Stadtpark, erklärte Drews auf Nachfrage von Bürgermeister Effkemann, sei nicht mehr auffällig. Anders die Diskothek Rio Palace: Dort seien vier Fälle von gefährlicher Körperverletzung und 19 Fälle von einfacher Körperverletzung registriert worden. Auch Sachbeschädigungen habe es gegeben. Dies sei ein Brennpunkt, allerdings sei es nicht möglich, dort ständig einen Streifenwagen vor die Tür zu stellen, erläuterte Drews. Mehr Präsenz sei aufgrund der begrenzten personellen Ressourcen nicht möglich.

Rauschgiftdelikte (14 Fälle) spielen in Gescher eine untergeordnete Rolle. Zugenommen haben dagegen Wohnungseinbrüche, Fahrraddiebstähle, Straßenkriminalität und Sachbeschädigungen. Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung „hat Gescher kein Problem“, stellte Drews fest. Der Anstieg in der Statistik von elf auf 27 Fälle erkläre sich mit Ermittlungen wegen der Verbreitung pornografischer Schriften.

Der Einsatz von K.o.-Tropfen habe im Zuständigkeitsbereich der Wache Ahaus noch nicht nachgewiesen werden können, erklärte Drews auf Nachfrage von Fritz Leppkes (CDU). Drews bezog auch Stellung zu den Ermittlungen zur aktuellen Einbruchserie (wir berichteten) und ging auf einen Fragenkatalog der UWG ein. Von der Einführung einer „Bürgerwehr“ halte er nichts.

In den ersten vier Monaten 2013 ist die Gesamtkriminalität in Gescher im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2012 wieder rückläufig. Negative Ausnahme: Bei den Gewaltdelikten sei ein Anstieg von sieben auf zwölf Fälle zu verzeichnen.

Kommentar zu diesem Thema in der Freitagsausgabe unserer Zeitung

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