Neues Angebot: Trauertreff findet einmal im Monat statt / Initiatoren laden in Räume der Caritas
„Wag es – geh da mal hin“

Gescher. „Was soll ich denn da?“, hat sie zunächst gefragt. Doch ihre Tochter ließ nicht locker: „Wag es. Geh da mal hin.“ Und schließlich hat die Mutter auf diesen Rat gehört. Vor einigen Wochen erst hatte sie, die heute Siebzigjährige, ihren Ehemann verloren. Plötzlich diese Leere. Die Trauer um den Verlust des Partners, der über so viele Jahrzehnte das Leben mit ihr geteilt hatte. Die Witwe wagte den Schritt ins Trauercafé – zunächst in Velen und jetzt erstmals in den neuen Trauertreff in Gescher.

Dienstag, 11.03.2014, 19:20 Uhr

Wohl ganz bewusst hatten die Mitbegründerinnen dieses konfessionsübergreifenden Angebotes unter dem Dach der Aktion „Nachbarn helfen Nachbarn“ den Aschermittwoch ausgesucht für das allererste Treffen in den Räumen der Caritas (gegenüber dem Rathaus). Noch war die Resonanz verhalten. Maria Göring-Kemper von katholischer und Heike Ebbert-Brüggemann von evangelischer Seite wundert das nicht: „Wir haben einen langen Atem. Es dauert sicher eine Weile, bis mehr Trauernde sich trauen zu kommen.“ Dabei, das wissen die Frauen aus ihrem Vorbereitungskurs als Trauerbegleiterinnen, ist die seelische Not von Hinterbliebenen oft groß. Und die Strategien, mit denen Menschen mit ihrer Trauer umgehen, sind oft so verschieden wie die jeweiligen Persönlichkeiten: „Die einen schweigen, andere wollen reden“, weiß auch Agnes Wolter aus ihrer Erfahrung als Trauerbegleiterin. Doch immer brauchen Menschen in dieser schwierigen Lebensphase Zuspruch. Aber damit tun sich Nachbarn, Freunde, Bekannte manchmal schwer. Nicht, dass sie nicht helfen wollten. Doch die Scheu, auf den Trauernden zuzugehen, ist groß. „Da kann ein einfaches: Wie geht es dir? Kann ich dir irgendwie helfen? Soll ich mal eine Suppe für euch kochen? schon den Bann brechen“, sagt Ebbert-Brüggemann. Wichtig sei die erste Begegnung, damit das Schweigen nicht auf beiden Seiten lastet.

Auch Trauerbegleiter können Trauernde auffangen helfen. „Oft sollen die Betroffenen nach kurzer Zeit wieder funktionieren. Für die Trauer ist kein Platz mehr“, sagt Agnes Wolter. Gerade das wollen Trauertreff oder Trauerbegleitung leisten: „Der Trauer Raum geben. Den Trauernden vermitteln, dass sie auch nach Wochen und wiederholt über ihren Verlust reden dürfen“, so Göring-Kemper. Und das im geschützten Rahmen des Trauertreffs, den man im übrigen nicht regelmäßig besuchen müsse.

„Jeder, der sich angesprochen fühlt, kann vorbeikommen und schauen, ob dieses Angebot für ihn in Frage kommt.“ Dabei, betonen die Frauen, sei Schweigepflicht über den gegenseitigen Austausch garantiert.

In einer Gruppe von elf Gleichgesinnten, darunter sieben Gescheraner, haben sich die drei Frauen vor einigen Monaten als Trauerbegleiter ausbilden lassen. Neben dem Trauertreff, bei dem jeweils zwei Gruppenmitglieder anwesend sind, ist die Trauerbegleitung die zweite Säule der Unterstützung. „Wer einen Ansprechpartner in seiner Trauer sucht, kann gern Kontakt zu uns aufnehmen“, sagen die Frauen. Melden kann man sich bei Maria Göring-Kemper, Tel. 7433, oder Heike Ebbert-Brüggemann, Ruf 4781.

0 Der Trauertreff findet an jedem ersten Mittwoch im Monat statt. Der nächste Termin ist der 2. April in den Räumlichkeiten der Caritas, Hofstraße 11.

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