Nina George stellt knapp 80 Besuchern „Das Lavendelzimmer“ vor / Bildhafte Sprache kommt an
Mit Buchtipps gegen Seelennöte

Gescher. Der internationale Frauentag war Anlass genug für Christiane Betting, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gescher, zusammen mit dem Team der Museen Gescher und der Buchhandlung „Ihr Buchladen“ die Hamburger Autorin Nina George in die Aula der Von-Galen-Schule einzuladen.

Mittwoch, 12.03.2014, 19:20 Uhr

„Vor drei Jahren waren sie hier mit ihrem Buch ,Die Mondspielerin’“, begrüßte Betting die Autorin. Sie war nicht die Einzige, die sich auf ein Wiedersehen mit George freute, denn unter den knapp 80 Besuchern waren viele von damals dabei.

George, die 1973 in Bielefeld geboren wurde, hatte ihr neuestes Buch „Das Lavendelzimmer“ mitgebracht. Durch witzige und spritzige Bemerkungen über ihre bisherige 21-jährige Karriere als Journalistin und Buchautorin gewann sie das Publikum sofort für sich. Die ersten Seiten des Buches las sie in verteilten Rollen der Hauptfiguren mit den Besucherinnen Andrea und Elke. Buchhändler Monsieur Jean Perdu wurde von George gelesen. Madame Bernard, Besitzerin des Hauses Nr. 27 in der Rue Montagnard in Paris, wurde von Andrea gelesen, Madame Rosalette, die Concierge des Hauses, von Elke. Die beiden Romanfrauen zerrissen sich die Münder über die neue Mieterin, die völlig mittellos und ohne Möbel von ihrem Mann verstoßen worden war

Das erste Kapitel bezeichnete George als Beginn ihres Zeitreisemärchens, denn Perdu öffnete nach 21 Jahren das Lavendelzimmer, um einen Tisch für die neue Mieterin zu holen. Es war das Zimmer, in dem er mit seiner Geliebten Manon die letzte Nacht verbracht hatte. Sie war am Morgen verschwunden. Tage später kam ein Brief von ihr. Die neue Mieterin fand den ungeöffneten Brief in der Schublade des Tisches und nötigte Perdu, ihn zu öffnen. Manon sei totkrank und habe nicht mehr lange zu leben. Seit 21 Jahren hatte Perdu seine Gefühle eingefroren. Als Buchhändler kümmerte er sich mit speziellen Buchtipps um die Seelennöte seiner Mitmenschen. Er selbst hatte sich gegenüber Frauen und Mitmenschen gefühlsmäßig verschlossen. Erst jetzt ließ er Gefühle wieder zu und entdeckte, dass er als 50-Jähriger durchaus noch wie ein Mann fühlen konnte.

Georges Sprache im Buch ist sehr bildhaft. Ihre szenische, lebhafte Art zu lesen unterstützte die Kopfbilder. Bewegt erklärte sie, dass sie das Buch ihrem Vater gewidmet habe, der wenige Tage nach der ersten Lesung in Gescher verstorben sei. In der fröhlichen Figur des Vaters von Monsieur Perdu hat sie ihrem eigenen Vater ein Denkmal gesetzt. „Das Buch ist in 25 Ländern bereits erschienen. Mein Vater und ich werden in 25 Ländern sein“, sagte George, die mit Büchern groß geworden ist. – „Bücher statt Menschen, das bin ich. Ich denke permanent. Ich bin ständig mit Geschichten beschäftigt“, so George zur eigenen Person. Der Beifall und viele neue Leser waren der Lohn.

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