„Maria Magdalena“: Beeindruckendes Theaterspiel zeigt neue Facetten der biblischen Frauengestalt
Viel mehr als eine Sünderin

Gescher. Vollkommen in den Bann der biblischen Frauengestalt der Maria Magdalena zog das dreiköpfige „Ensemble Theatrum“ von Schloss Hohenerxleben das große Publikum in der Pankratius-Kirche, als sie das Stück „Maria Magdalena. Ein Gleichnis in 14 Bildern“ aufführten. Eine gefühlte Ewigkeit blieb es nach der 90-minütigen Aufführung still, bevor das beeindruckte Publikum applaudierte und von den Bänken aufsprang.

Dienstag, 01.04.2014, 18:34 Uhr

Wie wäre das Christentum verlaufen, wenn die Schriften der Frauen im Gefolge von Jesus Christus von Anfang an Beachtung und Wertschätzung erfahren hätten? Dann hätten wir heute wahrscheinlich eine Päpstin und Bischöfinnen, könnte eine der Antworten lauten. Friederike von Krosigk stellte sich diese Frage, als sie vor über zwölf Jahren das Theaterstück für das Ensemble schrieb. Textgrundlagen waren die Bibel, apokryphe Schriften (Schriften, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden) und der Roman „Mirjam“ von Luise Rinser. Antworten gab von Krosigk nicht, sondern „geistige und geistliche Anregungen“, so formulierte es Ute Kröger-Schlemmer (Katholisches Bildungswerk) als Veranstalterin zu Beginn.

Es war kein hektisches Schauspiel, sondern das Stück lebte von szenischen Bildern, sprachlichen Nuancen und vom Gesang der drei Schauspielerinnen. Von Krosigk schlüpfte in die Rolle der Maria Magdalena, Christiane Friebe und Ina Friebe bildeten den Sprechchor. Sie waren Erzählerin der Geschichte und der Gefühle der Maria Magdalena. Sie schlüpften aber auch in andere Rollen, die zur Geschichte der Maria Magdalena dazu gehörten. In dem schlichten Bühnenbild von Nikoline F. Kruse war das Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist, gegenwärtig, denn Maria Magdalena war eine der drei Frauen unter dem Kreuz.

Aber was war sie noch? Was machte die Nachwelt aus ihr? Genau diese Fragen stellte auch von Krosigk als Maria Magdalena und erhielt nur begrenzte Antworten von den anderen Frauen. Schon zu Anfang machte sich der Zorn breit bei Maria Magdalena oder Mirjam, wie sie eigentlich in der Bibel heißt, über Simon Petrus und später über Paulus. Von beiden wurde sie als Verkünderin und Zeugin des Lebens Jesu, den sie den Rabbi nannte, verleumdet und sogar verunglimpft. Dazu gehörten die Legenden von der Sünderin, der Hure, der Ehebrecherin und der Büßerin, die in einer Höhle mit einem Totenschädel lebe.

„Was wisst ihr von mir? Ich war weder das eine noch das andere“, klagte von Krosigk als Mirjam. Hure hätte ins mythologische Bild gepasst. Jesus habe sich nie als Messias bezeichnet, sondern als Menschensohn. Mit der Hochzeit von Kanaa verdeutlichten die Akteurinnen, was er wirklich war: ein Menschenfreund, für den alle Schwestern und Brüder waren. „Er war zu groß für uns. Wir werden ihn nie verstehen“, resignierte sie als Mirjam. „Frieden wolltest du bringen. Krieg hast du gebracht“, klagte die Hauptdarstellerin zum Schluss den Rabbi dennoch an. Keine leichte Kost, aber dennoch absolut sehenswert!

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