Wanderausstellung „Aus Erinnerung wächst Verantwortung“ wurde in Gescher konzipiert
Gemeinde „mit Riesenstärke“

Gescher. Entstanden ist sie in Gescher. Und nach Gescher wird sie im Herbst zurückkehren: Am 24. Oktober soll die Ausstellung „Aus Erinnerung erwächst Verantwortung“ in der evangelischen Gnadenkirche eröffnet und bis zum 20. November gezeigt werden, bevor sie ihre Rundreise durch das Münsterland fortsetzt.

Dienstag, 22.04.2014, 17:10 Uhr

Die Ausstellung thematisiert „das Ankommen evangelischer Christen im Westmünsterland“ 1945 nach Kriegsende und Vertreibung. Und das ist, wie Daniel Cord als Öffentlichkeitsreferent des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt, Coesfeld Borken sagt, auch heute noch ein oft leidvolles und hochemotionales Thema.

Zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene fanden nach 1945 im katholisch geprägten Münsterland eine neue Heimat. Und mit den wenigen Habseligkeiten brachten viele Heimatlose ihren evangelischen Glauben in die Region. In Folge entstanden in zahlreichen münsterländischen Kommunen erstmals evangelische Kirchengemeinden.

Gescher mit seiner „Notkirche“ kommt dabei bis heute eine besondere Bedeutung zu. Denn es liege zentral im Evangelischen Kirchenkreis, sei damit in der Vorbereitungsphase für alle Beteiligten der Ausstellung ein idealer Treffpunkt gewesen, sagt Cord.

Während eines Besuches in der Glockenstadt beleuchtet der Öffentlichkeitsreferent auch die Hintergründe dieser Schau. Denn die Evangelische Kirche Deutschland blickt 2017 auf 500 Jahre Reformation.

Seit 2007 bereits stimmen so genannte Themenjahre auf dieses Reformationsjubiläum ein. Die Überschrift 2013 lautete „Reformation und Toleranz.“ Im Evangelischen Kirchenkreis Steinfurt Coesfeld Borken haben Haupt- und Ehrenamtliche dieses Thema mit einer Wanderausstellung durch die Gemeinden des flächengrößten Kirchenkreises auf dem Gebiet der Evangelischen Kirchen von Westfalen aufgegriffen.

Gerade aus solchen Erfahrungen der Heimatlosigkeit könne man Brücken bauen in die Gegenwart, sagt Superintendent Anicker. Und ermuntert dabei, auf Flüchtlinge aus Syrien oder dem Irak oder Afghanistan zuzugehen. „Denn unsere Erinnerung lässt uns heute unsere Verantwortung erkennen“, kommentiert der Theologe eine Zielsetzung der in Gescher konzipierten Ausstellung.

Dass sie gerade in der evangelischen Kirchengemeinde der Glockenstadt entstanden ist, freut auch Pfarrer Rüdiger Jung. Denn diese Gemeinde ist für ihn eine besondere. „Niemals kommt hier die Angst vor Rivalität auf, davor, dass andere Gutes, Besseres machen. Vielmehr zeichnet die Gemeinschaft in Gescher der Wunsch aus, dass alles Gute eingebracht werden soll. Wohl darum auch arbeite ich hier so gerne“, lobt Jung lächelnd.

Früh nach dem Zweiten Weltkrieg sei die evangelische Gemeinde zu einem Ort geworden, „wo Menschen ein zu Hause fanden. Dass es wie eine Familie empfunden wird, ist die Riesenstärke dieser Gemeinde“, glaubt der Pfarrer.

Solche Ansätze hält er für ein Zukunftsmodell, denn: „Wir leben in Zeiten, da sich die klassischen Familienbeziehungen wandeln. Wenn beispielsweise die Kinder einer Familie den Geburtsort längst verlassen haben, sind es oft Kirchenmitglieder, die die alten Eltern im Altenheim besuchen. Wenn also Kirche so ein Ort von und für Familien in ihren verschiedenen Phasen sein kann, bin ich herzlich dankbar dafür.“

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