Idylle pur im Kuhlenvenn: Wo sich Graugans und Haubentaucher Guten Tag sagen
Rückzugsraum für Tier und Mensch

Gescher. Es gibt sie noch, die idyllischen Plätze in der Region, wo die Natur Natur sein darf. Im Zeitalter von Monokultur und industrialisierter Landwirtschaft mit all ihren Folgen werden sie immer wichtiger, die Rückzugsräume, in denen sich Tier und Mensch in einer ökologisch intakten Umgebung begegnen können. Das Naturschutzgebiet Kuhlenvenn unweit des Kalksandsteinwerks in Stevede ist so ein Ort, an dem die Schöpfung Ruhe findet und der Naturfreund paradiesische Verhältnisse.

Mittwoch, 23.04.2014, 17:42 Uhr

Schon im Jahre 1988 wurde der erste, 1994 dann der südliche Teil unter Naturschutz gestellt und das aus gutem Grund. Denn das in der Quellregion des Heubachs gelegene Kuhlenvenn ist ein Rest des Weißen Venns, Mitte des 20. Jahrhunderts das größte Moorgebiet in Westfalen. Das artenreiche Kuhlenvenn besteht aus extensiv genutztem Grünland und Feuchtwiesen mit Wasserflächen, eine zentrale Rolle spielt hier der grün umsäumte, ca. neun Hektar große See, der zwischen 1984 und 1988 durch Sandabbau entstand. Das Kuhlenvenn hat sich zu einem international bedeutenden Rückzugsgebiet für Wasser-, Wat- und Wiesenvögel aller Art entwickelt, die diesen Rückzugsraum zur Brut und Nahrungssuche, als Rastplatz oder zum Überwintern nutzen. Wer hier den Alltag hinter sich lassen und ein einmaliges Naturerlebnis genießen will, für den gibt es zwei solide Unterstände, von denen aus man die Vogelwelt beobachten kann, ohne dass die Tiere gestört werden. Ein Fernglas und/oder die Kamera mit Teleobjektiv sind gutes Rüstzeug, um das Erlebnis zu vertiefen oder im Bild festzuhalten.

Die Liste der hier anzutreffenden Tiere repräsentiert eine ebenso vielfältige wie außergewöhnliche Vogelfauna. Zu den schützenswertesten Arten gehören etliche selten gewordenen Wasser-, Wat- und Wiesenvögel wie der Große Brachvogel, der Kiebitz, die Uferschnepfe, die Löffelente und der Zwergtaucher.

Diese stehen ebenso auf der Roten Liste wie Rotmilan, Sperber und Turmfalke sowie Steinkauz, Wiesenpieper und Rauchschwalbe, die ebenfalls im Kuhlenvenn heimisch sind. Daneben sind viele weitere Vögel regelmäßig oder gelegentlich im Venn anzutreffen, etwa Bläss-, Saat- und Graugans, Kampfläufer, Bekassine, Sterntaucher, Grün- und Rotschenkel, Grau- und Silberreiher, Austernfischer, Bachstelze, Blässhuhn, Dorngrasmücke, Haubentaucher, Reiherente, Rohrammer, Stockente, Sumpfrohrsänger und Wiesenschafstelze.

Breitflügel- und Wasserfledermaus stechen unter den Säugetieren hervor. Auch Amphibien kann man mit etwas Glück beobachten, so Grasfrosch, Kreuzkröte, Moorfrosch und Teichmolch. Die Pflanzenwelt des Kuhlenvenns ist typisch für moorige Biotope, hier sind u. a. Binsengewächse, Seggen, Gräser, Hahnenfußgewächse, Kräuter und Wasserpflanzen heimisch.

Dass angesichts dieser Ansammlung von schützenswerten Raritäten für den Besucher äußerste Zurückhaltung und besondere ökologische Sensibilität notwendig sind, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung.

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