Schnuppertag in Gastronomiebetrieben soll Jugendliche anlocken / Hotel Tenbrock-Kösters ist dabei
„Kochen macht sexy“

Gescher. In wenigen Tagen wird Tobias Steinkamp vor der Prüfungskommission stehen. Dann kann der 19-Jährige zeigen, was er in seiner dreijährigen Ausbildung zum Koch gelernt hat. Um die Anstrengungen zu belohnen, die sein Azubi bis dahin für Ausarbeitung und Gestaltung seines Prüfungsmenüs auf sich genommen hat, hat Chef Michael Kösters Tobias Steinkamp versprochen: „Wir setzen dein Menü auf unsere Speisekarte. . .“ Wenn das kein Ansporn ist.

Samstag, 03.05.2014, 14:19 Uhr

Tobias Steinkamp und auch sein Mitlehrling Christopher Wiesch, der im zweiten Ausbildungsjahr im Gastronomiebetrieb Tenbrock-Kösters lernt, sind fast Exoten ihrer Zunft. Denn viele junge, angehende Köche werfen das Handtuch, noch bevor sie eine Prüfung abgelegt haben.

Allein 50 Prozent brächen die Lehre bereits im ersten Jahr ab, wissen die beiden aus ihrer Berufsschule in Ahaus zu berichten. Ein Grund liegt auf der Hand: „Unattraktive Arbeitszeiten. Die jungen Leute fürchten, dass sie den Anschluss an Familienleben und Freundeskreis verlieren“, sagt der 18-jährige Christopher Wiesch.

Diese Sorge um den Mangel an Nachwuchs geht auch im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) um. Daher zündete man seinerzeit erstmals in Berlin mit Erfolg einen Versuchsballon, der am 5. Juni erstmals auch in Nordrhein-Westfalen steigen soll: Die Lange N8 (sprich Nacht) der Aus- und Weiterbildung in der Hotellerie und Gastronomie. Man könnte es auch Schnuppertag für junge Menschen, die an einer Ausbildung als Koch oder Hotelfachmann/-frau interessiert sind, nennen.

Das Hotel Tenbrock-Kösters in Gescher beteiligt sich an dieser Aktion. Zwischen 15 und 21 Uhr öffnet Michael Kösters Küche und Betrieb für junge Neugierige, die sich auch an kleine Kochversuche wagen sollen. „Mal sehen, vielleicht bereiten sie ein Crepe zu“, sinniert der Küchenmeister über mögliche Aufgaben.

Denn der Beruf des Kochs, betont Kösters, habe schließlich nicht nur die Schattenseite unattraktiver Arbeitszeiten. „Kochen macht und ist sexy“, weiß der Gastronom aus eigener Erfahrung. Die Angebetete mit einer Einladung zum selbstgekochten Essen ködern? Das kommt immer gut. Der 35-jährige Michael Kösters hat es an der eigenen Frau ausgetestet. Mit Erfolg. Sagt er und lacht fröhlich.

Auch für Azubi Christopher Wiesch ist das Kochen „der absolut richtige Beruf. Mir macht es Spaß, aus Einfachem das Beste herauszuholen“, sagt der junge Mann über die Verwandlung von Lebensmitteln in kulinarische Gaumenfreuden. Wenn „aus viel Arbeit etwas Schönes entsteht“ mache ihn das glücklich, fährt Wiesch fort. Und sein Chef ergänzt: „Die Jungen posten ihr attraktiv angerichteten Teller auch gerne bei Facebook...“

Einen dritten Vorteil kennt Kösters aus eigenem Erleben: „Wer eine deutsche Ausbildung als Koch vorweisen kann, wird im Ausland mit Kusshand genommen.“ Außerdem bedeute Kochen Selbstverwirklichung und Kreativität. Und bei jedem Wetter draußen stehen müsse ein Koch auch nicht. Solche Vorteile glichen Nachteile wie Dienste an Wochenenden und bis in die späten Abendstunden aus, meint der Küchenmeister. Von den schönen Seiten des Berufes will er junge Leute am 5. Juni an seinem Arbeitsplatz überzeugen.

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