Maria Wewers blickt mit 90 Jahren auf ein bewegtes Leben: Sechs Töchter musste sie früh allein großziehen
„Das Leben ist trotz Härten schön“

Gescher. „Das Leben kann noch schön sein, auch wenn es hart ist.“ Diese Liebeserklärung an die neun Jahrzehnte ihres Lebens kommt Maria Wewers überzeugend und heiter über die Lippen. Denn hart war das Schicksal dieser Frau, die am Freitag 90 Jahre alt geworden ist und die – wie in allen Jahren zuvor – ihren Geburtstag am Muttertag im Kreise einer großen Familie von sechs Töchtern mit Partnern, dreizehn Enkeln und zwei Urenkeln feiert.

Samstag, 10.05.2014, 11:22 Uhr

Nicht immer erlebte sie ihre Geburtstage so unbeschwert wie heute. Denn als Maria Wewers 48 Jahre jung war, starb ihr Mann Bernhard an einem Krebsleiden. Da hatte sie nur wenige Monate zuvor beide Eltern zu Grabe getragen und stand plötzlich allein mit ihren sechs Mädchen, damals im Alter zwischen 17 und sechs Jahren. Dass sie das Bauunternehmen ihres Mannes mit zwanzig Angestellten nicht würde übernehmen können, war schnell klar. Doch immerhin konnte sie sich mit Miet- und Pachteinnahmen, einer schmalen Witwen- und den Waisenrenten über Wasser halten.

„Es war eng, natürlich“, sagt sie rückblickend. „Kein Urlaub, ein Garten, der uns mit Gemüse versorgte, Kleidung, die wir von Kind zu Kind nachtrugen“, erinnert sich Tochter Gudula. Aber an einem habe es in der Familie nie gefehlt: An Zusammenhalt. „Sie hat alles für uns getan. Sie hat für uns gekämpft“, ergänzt Tochter Jutta. Gern erinnert die sich an ein „offenes Zuhause, in dem immer was los war.“ Die Töchter, sagt Maria Wewers, hätten auch ihre Freunde stets mitbringen dürfen. Und wenn die Mama mal was auszusetzen oder zu klären hatte, nahm sie kein Blatt vor den Mund. Das hätten auch ihre Schwiegersöhne früh erfahren, schmunzelt die 90-Jährige. Rezept und Leitspruch ihrer Erziehung verrät sie – zum Muttertag – gern: „Mir war es immer wichtig, dass ich mich mit meinen Kindern vertraut fühlte und dass sie wussten, dass sie mit ihren Nöten zu mir kommen konnten.“ Umgekehrt attestiert ihr Tochter Jutta: „Mutter war immer für uns da. Wir mussten uns einschränken, aber es gab Optionen: So fuhren wir ins Sommerlager, und sie reiste als Kochfrau mit.“

Auch als die sechs Töchter Lehrstellen, Studienplätze und damit verbunden Wohnungen in verschiedensten Städten Deutschlands suchten, konnten sie sich auf die Mama verlassen. Der kam damals zu Gute, dass ihr Mann nach der Geburt der dritten Tochter einen Schlussstrich unter seine Familienchauffeurdienste gezogen und seine Frau ermutigt hatte, den Führerschein zu machen. Also kutschierte Maria Wewers einige Jahre später und familiär auf sich allein gestellt, die Töchter von einer Wohnungsbesichtigung zur nächsten. „Sie hat alles allein gemacht“, findet Jutta Anerkennung für die Lebensleistung ihrer Mutter. Und die sagt ihren Töchtern oft: „Seid froh, dass ihr zu zweit seid.“ Denn dieses Alleinsein war für die lebenslustige Frau am bittersten, wenn Schützen- oder andere öffentliche Feste anstanden. „Mein Mann und ich, wir haben so gern getanzt“, erinnert sie sich. Doch damit war es plötzlich vorbei. Maria Wewers zog sich zu solchen Anlässen zurück, wollte keine hämischen Bemerkungen auf sich ziehen. „Dafür hatte ich mein Frauenkränzchen ,Die fröhliche Runde’.“ Noch heute fahren die inzwischen über Achtzigjährigen mit dem Taxi zu ihren Frühstückstreffen im Glashaus.

Nochmal heiraten, das kam für Maria Wewers nie in Frage. „Ich hatte einen guten Mann. Wir kannten uns durch und durch“, sagt sie schlicht. Dagegen war sie mit Leib und Seele Familienmensch und Vertrauensfrau sowie Einsatzleiterin der Familienpflege St. Marien. Das hat sie ebenso erfüllt wie ein Glaube, der sie durch alle Tiefen ihres Lebens trug: „Ich hatte die Kraft durchzuhalten durch das Gebet und danke noch heute jeden Abend für den geschenkten Tag“, sagt sie schlicht. So wird es dann auch am Muttertag sein, wenn die Nachbarn ihr, die so viele Röschen band und nie selbst einen Silber- oder Goldhochzeitkranz bekam, einen Geburtstagskranz widmen. Und wenn sie traditionsgemäß mit ihrer großen Familienschar am Grill im Garten steht, wissend, dass „das Leben schön ist: Trotz seiner Härten.“

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