Drei Flüchtlinge besuchen Klasse 6d der Gesamtschule / Kinder planen Geschenkpäckchen-Aktion
„Thank you Germany und Gescher“

Gescher. „Thank you: All Germany. All Gescher.“ Und bestimmt auch: All Schulklasse. Als Abdul Monim Jabak am Donnerstagmorgen die 6d der Gesamtschule Gescher verlässt, bedankt er sich bei seinen jungen Gastgebern mit einem strahlenden Lächeln. Und die Schüler haben verstanden. Über Sprachgrenzen hinweg haben sie in dieser Schulstunde miterleben und hören können, was es bedeutet, in einem sicheren Land zu leben: „Habt ihr hier und heute noch Angst?“, hat eine Sechstklässlerin gefragt. „No“, antwortet Jabak. „It´s Germany.“ Und in Deutschland fühle er sich gut und sicher. „Für mich ist Deutschland das beste Land der Welt“, sagt der Syrer. Auch über die Kunst, Kontakte zu knüpfen, konnten die Gesamtschüler etwas lernen: „Habt ihr hier neue Freunde gefunden?“, wollte ein Kind wissen. „Ja. Jetzt. In diesem Augenblick“, antwortet da Abdulnaser Alazzawi.

Freitag, 27.11.2015, 11:07 Uhr

Drei Flüchtlinge besuchen Klasse 6d der Gesamtschule / Kinder planen Geschenkpäckchen-Aktion : „Thank you Germany und Gescher“
Eine Begegnung, die informativ und bereichernd für beide Seiten war: Gemeinsam mit drei Flüchtlingen (M. sitzend) besuchte Norbert Furth (ganz l. sitzend) von der Flüchtlingshilfe die Klasse 6d der Gesamtschule Gescher. Foto: Helene Wentker

Klassenlehrerin Karin Emming hatte – vermittelt durch Eltern in der Klasse – Kontakt zu Norbert Furth von der Flüchtlingshilfe Gescher aufgenommen und ihn zusammen mit Flüchtlingen zu einem Besuch in der 6d eingeladen. Gut vorbereitet hatten Lehrer und Schüler die große Weltkarte aufgehängt, einen Stuhlkreis gebildet, in dem die beiden Syrer und der Iraker Platz nahmen. Auf der Karte zeigten sie den Kindern ihre Heimat. Norbert Furth stellte die Flüchtlingshilfe und ihre unterschiedlichen Angebote von Sprachkursen, geleitet von Ehrenamtlichen, über Buntes Haus bis zur Fahrradwerkstatt vor.

Dann hatten die Kinder das Wort: Neben einem dicken roten Herzen stand eine Frage in Deutsch und Englisch auf ihrem Blatt. So wie Meike hatten alle Schüler Fragen vorbereitet, die sie den Besuchern nun stellten. „Wie findet ihr es in der Halle?“ wollte Lars über die Wohnverhältnisse in der Don-Bosco-Turnhalle wissen. „Gut“, sagt Mazene Alissa, aber Abdul Monim Jabak widerspricht: „Für Schlafen ok. Zum Leben nicht“, antwortet er offen. Konflikte mit den Mitbewohnern auf engstem Raum gebe es eigentlich nicht, sagt er auf Nachfragen der Kinder. Aber der Lärm, den so viele Menschen auf engem Raum verursachen, und der Mangel an Privatsphäre seien bedrückend. „Dann gehst du raus, aber da ist es kalt“, berichtet er schlicht über den Alltag in einer Notunterkunft.

Über den Krieg in Syrien wollen die Schüler mehr erfahren. „Jeden Tag sterben Menschen. Jeden Tag fallen Bomben. Ich kann gar nicht davon sprechen“, antwortet Jabak, und seine Stimme versagt. „Was in den Nachrichten gezeigt wird, ist kein Fernsehen, sondern Realität. Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen – und das ist auch besser so“, fügt Lehrerin Karin Emming erklärend hinzu.

Auch über ihre Flucht berichten die drei auf Nachfragen. Nein, leicht sei es nicht gewesen, die Grenzen zu überqueren. Besonders in Ungarn sei es schlimm gewesen. „Oh my God“,“ entfährt es da Jabak. Und für Frauen und Kinder in den Tracks sei es einfach furchtbar und gefährlich.

Dann ist die Schulstunde schon verflogen. Die Schüler werden nachmittags Geschenkpäckchen packen. Am 17. Dezember wollen sie die an der Tafel überreichen. Jetzt umringen sie die drei Besucher zum Abschied, stellen noch mehr Fragen. Alazzawi streicht Lukas liebevoll über den Blondschopf. „Ich habe vier Kinder daheim in Bagdad“, lächelt er wehmütig. „Der Jüngste ist blond. Wir hatten auch russische Vorfahren...“

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