Anna und Sebastian Schlüter wollen ein Jahr reisen / Mercedes-Kurzhauber umgebaut / Erst nach Norden
Im Feuerwehrauto durch Europa

Gescher. Der rote Mercedes-Kurzhauber hat viele Einsätze im Eiltempo hinter sich. Künftig wird das Fahrzeug, das einst bei der Feuerwehr Bad Oeynhausen stationiert war, gemächlicher über die Straßen rollen. Die frühere Gescheranerin Anna Schlüter (geb. Diedrichs) und ihr Mann Sebastian haben den 30 Jahre alten Oldtimer bei einer Zollauktion ersteigert und in monatelanger Handarbeit zu einem „rollenden Heim“ umgebaut. Damit geht es auf große Europatour: Ein Jahr lang will das junge Ehepaar den Kontinent befahren, Länder und Menschen kennenlernen, Freiheit genießen und neue Erfahrungen sammeln. Gescher ist die letzte Station, bevor es nächste Woche mit Schäferhundmischling Lotta Richtung Norden geht.

Mittwoch, 31.05.2017, 09:57 Uhr

Anna und Sebastian Schlüter wollen ein Jahr reisen / Mercedes-Kurzhauber umgebaut / Erst nach Norden : Im Feuerwehrauto durch Europa
Voller Vorfreude blicken die Schlüters – hier in ihrer komplett ausgestatteten Küche – der großen Europa-Reise entgegen. Foto: az

„Ich bin schon immer viel gereist“, sagt Anna Schlüter, die mehrere Jahre in New York gelebt hat. Mit ihrem Master-Abschluss in kreativem Management hat die 36-Jährige in Berlin gearbeitet und dort ihren heutigen Mann Sebastian (34), ein studierter Maschinenbauer, kennengelernt. Beide träumten den Traum von der großen Auszeit – und ergriffen die Chance, als Anfang 2016 der Mercedes-Kurzhauber zu ersteigern war. „Der bietet solide Technik, und man bekommt problemlos Ersatzeile“, weiß Sebastian Schlüter, der aus Nottuln stammt. Seit dem Spätsommer 2016 hat er das 8,50 Meter lange Feuerwehrauto vom alten Innenleben befreit und komplett neu aufgebaut. Ein Fulltime-Job für den Ingenieur. Stahlarbeiten, Dämmung, Verkabelung, Holzarbeiten – die komplette Ausstattung ist Marke Eigenbau. In der Tischlerei eines Großcousins in Neuruppin fand der versierte Handwerker ideale Bedingungen, um das rollende Zuhause zu gestalten. Mit Solaranlage, Gasheizung, Wassertank und voll ausgestatteter Küche sind die Europa-Reisenden ziemlich autark. „Wir haben sogar einen Kühlschrank mit Eisfach“, lacht Anna Schlüter, Tochter des verstorbenen Arztes Dr. Hans Diedrichs. Ihre Jobs haben beide gekündigt, ihre Wohnung in Berlin untervermietet. „Da war eine Menge zu regeln, die letzten Monate waren echt anstrengend“, so die ehemalige Gescheranerin.

Am Samstag steigt im Garten ihres Elternhauses an der Hauptstraße eine große Abschiedsparty, dann geht es richtig los. Über Kopenhagen soll das feuerrote Wohnmobil Richtung Norwegen rollen. „Da besuchen wir meine frühere Kindergärtnerin“, schmunzelt Sebastian Schlüter. Alles, was danach kommt, ist nur grob geplant. Durch Finnland und die baltischen Staaten will das Ehepaar irgendwann, wenn es kälter wird, Richtung Süden fahren. „Dann folgen wir der Sonne und der Wärme“, sagt Anna Schlüter. Sie wollen sich treiben lassen, viel Zeit in der Natur verbringen, offen sein für neue Dinge und hin und wieder jobben, etwa auf ökologischen Höfen. „Dort kann man helfen – im Tausch gegen Unterkunft, Verpflegung und Erfahrungen“, weiß die 36-Jährige. Ansonsten verfügt das Paar über ein angespartes Budget, „das uns ein Jahr trägt“.

Ob es genau zwölf Monate werden und was danach kommt? „Wir wissen es nicht. Das steht noch in den Sternen“, sagt das junge Ehepaar. Sicher sind sie sich nur, dass eine aufregende Zeit vor ihnen liegt. Einen kleinen Blog, auf dem man die Reise nachvollziehen kann, wird es in einigen Wochen unter www.bombero-travel.com geben.

0  Interessierte können sich das umgebaute Feuerwehrauto am Pfingstmontag (5. 6.) von 10 bis 12 Uhr auf dem Parkplatz an der Glockengießergasse anschauen

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