Gescher
Atemberaubende Akrobatik

Gescher. „Uuuuh, Wahnsinn!“ Immer wieder geht ein Raunen durch das staunende Publikum im Konzert- und Theatersaal am Borkener Damm. Manch einer scheint kaum zu glauben, was er da gerade sieht. Jahrelanges Training, Disziplin und eine große Portion Leidenschaft machen es möglich, dass die Akrobaten und Artisten des Chinesischen Nationalcircus die Menge zum Dauerstaunen bringen. Trotz größter Anstrengung sieht es nahezu federleicht und selbstverständlich aus, was die jungen Männer und Frauen auf die Bühne zaubern.

Sonntag, 03.03.2019, 17:20 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 07:04 Uhr
Gescher: Atemberaubende Akrobatik
Foto: az

„Bereits mit sechs Jahren startet die zehnjährige Ausbildung“, berichtet Regisseur und Kulturmanager Raoul Schoregge im Vorfeld bei einer kleinen Führung hinter den Kulissen. Sichtlich stolz auf die Leistungen seiner akrobatischen Circus-Truppe erklärt er weiter, dass der Stellenwert der Akrobaten im eigenen Land in Europa mit der Berühmtheit eines Fußballstars vergleichbar sei.

Mit dem eigenen Körper und wenigen Requisiten des Alltags zeigten die Künstler nur wenige Augenblicke später, warum sie zu solcher Berühmtheit gelangen. „Geht doch gar nicht“ oder „einfach schön“, so lauteten die Kommentare der Zuschauer, bevor der nächste Begeisterungssturm im Applaus endete. Auf der Bühne im Theatersaal hatte der in Gescher aufgewachsene Schoregge schon selbst gestanden und seine Profi-Clown-Karriere begonnen. Am Freitag nun tanzten seine Schützlinge leichtfüßig über das Parkett, um unter anderem mit Vasen wie auch anderen Gefäßen und Gegenständen zu jonglieren, Pyramiden zu bauen, den Körper wie Gummi zu verformen oder mit kleiner Zauberei und viel Humor das Publikum für sich zu gewinnen.

„The Great Wall“ erzählt dabei die Geschichte der Chinesischen Mauer. Nicht nur Böses kann das imposante Gebilde fernhalten, sondern auch viel Wichtiges und Schönes im Land behalten. Doch im Theatersaal gaben die Künstler gern eine Kostprobe ihrer Kultur in aufwendigen Kostümen, mit ehrlichem Lächeln und hohen Ansprüchen an die eigene Leistung. Dazu erklang klassische Musik für die „europäischen Ohren“ – so hatte es Schoregge im Vorfeld angekündigt. Eine wunderbare Möglichkeit das „Schöne aus unterschiedlichen Kulturen zu verbinden.“ So wunderte es nicht, dass mancher Besucher staunend auf die Uhr schaute als die Pause eingeläutet wurde, wären doch nahezu alle Gäste lieber direkt sitzen geblieben, um nicht aus der bunten Welt der großen Mauer gerissen zu werden. Den Zuschauern war dabei schnell klar geworden, dass die chinesische Zirkusakrobatik kaum etwas mit der europäischen Auffassung von Circus zu tun hat, und eine ganz bestimmte Lebenseinstellung nötig ist, um diese Art der Künste zu betreiben. „Auf dem Weg hierher habe ich 80er-Jahre-Musik im Radio gehört. Quasi meine Zeit in Gescher“, hatte Raoul Schoregge vor Aufführungsbeginn von der Vergangenheit geschwärmt. Sein diesjähriger Besuch wird den Gescheraner-Akrobatikliebhabern lange in Erinnerung bleiben. Die Standing Ovations zum Ende der Show sollten das nach einem bunten Finale nochmals unterstreichen.

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