Gescher
Julian Lammering startet durch

Gescher. Julian Lammering staunt noch immer selbst darüber, dass der Sport in seinem Leben einen so hohen Stellenwert bekommen hat. Der 15-Jährige nimmt drei Mal in der Woche am Basketball-Training beim UBC Münster und beim BBC Warendorf teil, geht einmal zur Physiotherapie und einmal zum Fitnesstraining.

Samstag, 05.10.2019, 16:54 Uhr
Gescher: Julian Lammering startet durch
Sehr dankbar ist Julian Lammering, dass Marion und Jürgen Rosing, Geschäftsführer des Unternehmens Elsing-Brüning Metallbau GmbH, ihm spontan einen neuen Rollstuhl für seinen Basketballsport gesponsert haben. Foto: Manuela Reher

„Hätte man mich vor zwei Jahren gefragt, ob ich mir vorstellen kann, überhaupt eine Sportart zu betreiben, hätte ich das glatt verneint“, sagt der Schüler, der die zehnte Klasse der Gesamtschule Gescher besucht.

Julian leidet an einer genetischen Erkrankung, die ihm Probleme in den Beinen macht. „Beim Basketball ist es wichtig, vor allem Kraft im Rumpf und in den Armen zu haben“, sagt der Jugendliche selbstbewusst.

Im Jahre 2016 hat er Feuer für den Basketball gefangen. Damals hat er mit seiner Familie eine Messe für Rehabilitationssport in Düsseldorf besucht. Schnell war seine Entscheidung gereift, sich in einem Verein anzumelden. Beim UBC Münster spielt Julian Lammering in einer Mannschaft mit Spielern mit und ohne Handicap.

Die körperlichen Einschränkungen werden nach einem Punkteschema klassifiziert, erläutert Julian. Die fünf Spieler jeder Mannschaft erhalten je nach Rumpf-Stabilität und -Beweglichkeit einen bis 4,5 Punkte. Maximal dürfen dabei 14,5 Punkte zusammenkommen. Julian bringt es aktuell auf 3,5 Punkte und gehört damit bereits zu den sogenannten High-Pointern.

Die Regeln sind wie beim „normalen“ Basketball. Der Korb hängt also genauso hoch. Julian hat die Position des Centers. „Das ist der, der die Körbe macht“, schmunzelt der 15-Jährige.

In diesem Jahr hat der Gescheraner an einem Sichtungstraining für die deutsche Nationalmannschaft in Köln teilgenommen. Nie hätte Julian Lammering gedacht, dass er die Jury beeindrucken könnte, unter denen auch der Trainer der U 22-Nationalmannschaft gewesen ist. „Als ich dort eingetroffen bin, wäre ich am liebsten sofort wieder nach Hause gefahren, weil ich geglaubt habe, keine Chancen zu haben“, verrät der Schüler. Doch auch wenn ihn der Mut kurzfristig verlassen hatte, blieb er, nahm am Training teil und wurde ausgewählt, im Team der U 22-Nationalmannschaft an einem großen Basketball-Turnier in Dubai teilzunehmen. „Ich war total überrascht und überwältigt. Das war die Kirsche auf der Torte“, erinnert sich Julian. „Dubai war eine tolle Erfahrung, mit dem Team zusammen ein Erlebnis, das ich bestimmt nicht vergessen werde.“

Beim Sichtungstraining war Julians Leihrollstuhl defekt. Er hatte „extreme Probleme“ damit. Diese Probleme gehören nun zum Glück der Vergangenheit an. Das Unternehmen Elsing-Brüning Metallbau GmbH in Gescher hat sich spontan bereiterklärt, Julian einen nagelneuen Sportrollstuhl zu sponsern. Geschäftsführerin Marion Rosing kommentiert: „Für uns war das selbstverständlich. Wenn wir solche Talente wie Julian vor Ort haben, muss man sie auch fördern.“

Weil der Rollstuhl aus Aluminium gefertigt ist, ist er viel leichter als andere Fabrikate. „Ich komme damit hervorragend zurecht, weil er genau auf mich angepasst ist“, sagt der 1,85 Meter große junge Mann.

Im fernen Dubai freute sich Julian, mit der Nationalmannschaft die Bronze-Medaille zu gewinnen. Für den Gescheraner war es die erste Flugreise, die er bewusst erlebt hat. Als Baby ist er schon mal mit seinen Eltern im Flieger unterwegs gewesen; aber daran hatte er natürlich keine Erinnerung.

Inzwischen ist Julian Lammering in den NRW-Landeskader aufgenommen worden und hat am Länderpokal in Bonn teilgenommen. Im Oktober – zur neuen Saison – wechselt der Gescheraner nach Warendorf und spielt dann in der zweiten Bundesliga.

Mehrere andere Vereine haben inzwischen schon bei ihm angefragt, ob er nicht dorthin wechseln möchte. Schließlich kommt der junge Basketballspieler in der ganzen Bundesrepublik herum, weil er regelmäßig an Leistungslehrgängen teilnimmt. Im November steht der Championscup mit der U 22-Nationalmannschaft in Japan auf dem Programm.

Auch wenn er zurzeit viel Zeit seinem großen Hobby opfere, möchte er die Schule natürlich nicht vernachlässigen. Julian peilt in drei Jahren das Abitur an der Gesamtschule an. Bis dahin sei noch ein bisschen Zeit, darüber nachzudenken, ob er dann vielleicht ins Profilager wechseln möchte.

Eins ist für ihn aber ganz sicher. Ohne die tatkräftige Unterstützung seiner Eltern, die wie sein zwölfjähriger Bruder voll hinter ihm stehen, hätte er es wohl nicht geschafft, alles so zu verwirklichen. Das macht ihn dankbar und glücklich. „Nichts ist unmöglich. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg“, sagt Julian Lammering aus voller Überzeugung.

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