Gescher
Immer auf die Zehn zielen

Hochmoor. „Ein bisschen Glück gehört dazu“, stapelt Hans-Erich Fügemann tief. Der 72-Jährige hat sich bei der Landesmeisterschaft im Luftgewehrschießen für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Nun trainiert der Sportschütze aus Hochmoor für das bedeutungsvolle Turnier am 26. Oktober in Oktober.

Dienstag, 15.10.2019, 11:08 Uhr
Gescher: Immer auf die Zehn zielen
Eigens für seine Bedürfnisse hat Hans-Erich Fügemann sein Luftgewehr – ein Walther-Modell – umgebaut. Foto: az

Fügemann tritt in seinerAltersklasse in der Disziplin „Luftgewehr aufgelegt“ an. Erst seit drei Jahren schießt der Hochmooraner nicht mehr stehend freihändig. „Das Alter fordert seinen Tribut“, schmunzelt der Senior, wohl wissend, dass er bereits ab einem Alter von 36 Jahren das Privileg genossen hätte, aufgelegt zu schießen.

Fügemann ist das einzige noch aktive Gründungsmitglied der Sportschützen Hochmoor, die ihren Verein damals 1972 in der Bürgerstube gegründet haben. Dort haben die Mitglieder an ihrem Schießstand auch fleißig trainiert. Fügemann war damals 25 Jahre alt, hatte zuvor seinen Bundeswehrdienst bei den Fernmeldern in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Flamschen absolviert.

„Als Bundeswehrsoldat habe ich auch am Schießtraining teilgenommen“, erinnert er sich. Ihn habe fasziniert, wie viel Konzentration man für das Schießen aufwenden muss. So erklärt sich Hans-Erich Fügemann, wie er schließlich zum Sportschießen gefunden hat. Vieles habe er sich bei diesem Sport selbst beigebracht, vieles aber auch von Vereinskameraden abgeguckt. Die Manöverkritik nach jedem Wettkampf, der Austausch mit den anderen Teilnehmern, bringe ebenfalls neue Erkenntnisse. Jedes Jahr hat der Hochmooraner seitdem an den Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften teilgenommen. Erstmals ist er nun also bei der Deutschen Meisterschaft dabei, weil er bei der Landesmeisterschaft einen Platz unter den ersten zehn ergattert hat.

Sein Luftgewehr hat sich Hans-Erich Fügemann selbst zusammengestellt. Der Sportschütze zielt mit dem linken Auge, obwohl er Rechtshänder ist. „Das ist schon eine Herausforderung“, sagt er. Aber sein rechtes Auge sei altersbedingt geschädigt. So nutzt Fügemann eine Spezialbrille und schaut mit dem linken Auge durch das Diopter, eine Visiereinrichtung, mit der er die zehn Meter entfernte Zielscheibe anpeilt.

Luftgewehrschützen verwenden zusätzlich zum Gewehr eine umfangreiche Ausrüstung. Schießjacke und Schießhose aus festem Leinen oder Leder geben dem Körper Halt, dürfen ihn aber nicht unzulässig stützen.

Schießschuhe mit flacher Sohle bieten sicheren Stand, und ein Schießhandschuh entlastet die Stützhand.

„Wichtig ist beim Wettbewerb auch, eine ruhige Hand zu haben“, sagt der Sportschütze. Das sei manchmal gar nicht so einfach, verrät der 72-Jährige. Beim Schießsport sei äußerste Konzentration gefragt, und die könne zuweilen spontan verloren gehen. Denn im Wettkampf stehen die Konkurrenten rechts und links nur einen Meter von ihm entfernt. Das wird auch bei der Deutschen Meisterschaft im Landesleistungszentrum für Sportschützen in Dortmund so sein, wenn er innerhalb von 50 Minuten 30 Schuss auf die Zielscheibe abfeuern muss.

„Zuvor habe ich beliebige Probeschüsse“, sagt Fügemann. Wenn es dann ernst werde, müsse er den Kopf frei haben und dürfe sich durch nichts ablenken lassen. Das Abdrücken und Einschlagen der Kugel sei eine Einheit. „Früher haben wir auf Papierscheiben geschossen“, erinnert sich der Sportschütze.

Doch heute gebe es elektronische Anlagen, so dass alles sehr genau – im Zehntelbereich – ausgewertet werden könne. „Die Zehn in der Mitte ist nur so groß wie der Punkt eines Kugelschreibers“, erläutert Hans-Erich Fügemann.

Bei der Landesmeisterschaft, die ebenfalls in Dortmund stattgefunden hat, hat er es auf 312,4 von 327 möglichen Ringen gebracht. „Meine Tagesform war gut“, sagt er und hofft darauf, dass dies auch am 26. Oktober bei der Deutschen Meisterschaft der Fall sein wird.

In seiner Altersklasse – Senioren IV – kämpfen rund 200 Teilnehmer um Medaillen. Sicherlich werden ihm die Vereinskameraden, die Sportschützen Hochmoor, die Daumen drücken.

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