Gescher
15 Mal auf das Opfer eingestochen

Münster/ Gescher. Einen grausigen Fund hatten Feuerwehr, Polizei und Notarzt am 5. Januar dieses Jahres in einem Wohnhaus mit zwölf Mietwohnungen am Amselweg in Gescher gemacht. Dort war ein 48-jähriger Mann mit mehreren Stichverletzungen tot aufgefunden worden. Wenig später galt ein 52-jähriger Gescheraner aus dem sozialen Umfeld des Opfers als dringend tatverdächtig.

Dienstag, 12.11.2019, 14:28 Uhr
Gescher: 15 Mal auf das Opfer eingestochen
In diesem Haus am Amselweg in Gescher ist am 5. Januar 2019 ein 48-jähriger Mann tot aufgefunden worden. Dem Opfer waren 15 Messerstiche zugefügt worden. Foto: Archiv

Am Montag hat dieser Mann die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, die ihn beschuldigt, die Tat begangen zu haben, zum Auftakt des Prozesses im Landgericht Münster teilnahmslos zur Kenntnis genommen. 15 Mal soll der Beschuldigte in Mordabsicht auf Hals, Brust, Arme und Bauch des Opfers, das auf dem Fußboden seines Badezimmers aufgefunden worden ist, eingestochen haben.

Der Angeklagte leugnete die Tat, räumte aber ein, dass es im Vorfeld – im Oktober 2018 – zum Streit mit dem 48-Jährigen, seinem Arbeitskollegen, gekommen sei. Dieser habe seine Schwester beleidigt und als „Hure“ bezeichnet. Daraufhin habe der Beschuldigte sich selbst das Recht zugestanden, den 48-Jährigen mit Fausthieben zu traktieren. Das bestätigte ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Das Opfer hatte Strafanzeige wegen gefährlicher Köperverletzung erstattet. Dem Angeklagten war Ende des Jahres 2018 wegen dieses Vorfalls eine Ladung zu einer Verhandlung beim Amtsgericht Borken zugestellt worden. Die Verärgerung darüber sieht die Staatsanwaltschaft als mögliches Mordmotiv.

Ein weiterer Zeuge, ein Polizist, sagte aus, dass in der Wohnung des Opfers eine Kamera mit einem Film gefunden worden sei, der eindeutig dokumentiere, dass das Opfer und der Angeklagte eine sexuelle Beziehung miteinander hatten. Der Angeklagte habe sich allerdings überrascht gezeigt, als die Polizei ihm dieses Filmmaterial bei der Vernehmung vorgehalten habe. Der 52-Jährige habe darauf verwiesen, dass er bis 2011 mit einer Frau zusammengelebt habe, mit der er zwei Kinder habe. Als Grund für die Trennung nannte er sein Alkoholproblem. Das sei entstanden, weil er nach seinem Umzug von Kirgisistan nach Deutschland in 2004 viel Stress gehabt habe, sich mit der neuen Situation und Sprache zurechtzufinden.

Wie ein weiterer Polizist aussagte, habe die Befragung der Nachbarn im Mietshaus ergeben, dass immer wieder Streit aus der Wohnung des Opfers zu hören gewesen sei. Oft haben der Angeklagte und das Opfer in der Wohnung miteinander Alkohol getrunken. Eine Zeugin soll am Neujahrstag 2019 eine männliche „zornige“ Person im Treppenhaus gesehen haben, die eine Jacke mit Fellbesatz getragen habe, die auch beim Angeklagten entdeckt worden sei. Diese Person sei auf die Wohnung des Getöteten zugegangen.

Der Beschuldigte hat bereits vor einigen Jahren eine Haftstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung verbüßt. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.

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