Ralf Fügemann ist als ehrenamtlicher Nikolaus im Einsatz
„Leuten Lächeln ins Gesicht zaubern“

Gescher. Ralf Fügemann ist Sportschütze: „Da muss man auf den Punkt da sein“, weiß der Gescheraner. Die gleiche Fähigkeit braucht er für sein zweites Hobby: Seit Jahren ist der gelernte Schwimmmeister ehrenamtlich als Nikolaus unterwegs, wird dabei vom Diözesanverband Münster des BdSJ (Bund der St. Sebastianus Schützenjugend) mit Schoko-Nikoläusen unterstützt. „Kinder stellen oft Fragen, da muss man spontan Antworten parat haben“, weiß der 53-Jährige. Für seine Einsätze in der kommenden Woche hat er seine Ausrüstung schon bereit liegen: roter Mantel, Mitra, weiße Perücke, Rauschebart und Stab mit Glocke. Im Kindergarten in Nottuln und bei der Caritas und im Marien-Quartier in Gescher wird Ralf Fügemann den Nikolaus geben – und freut sich drauf. Ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener: „Der Nikolaus zaubert allen ein Grinsen ins Gesicht“, so seine Erfahrung.

Sonntag, 01.12.2019, 11:38 Uhr
Ralf Fügemann ist als ehrenamtlicher Nikolaus im Einsatz: „Leuten Lächeln ins Gesicht zaubern“
Der weiße Rauschebart darf nicht fehlen, wenn Ralf Fügemann sich nächste Woche wieder in Sankt Nikolaus verwandelt. Fotos: Jürgen Schroer Foto: az

Angefangen hat alles vor zehn Jahren. Fügemann arbeitet als Schwimmmeister im Wellenfreibad Nottuln. Nebenan gibt es einen Kindergarten – und als dort der vorgesehene Nikolaus ausfiel, sprang der Gescheraner ein. „Das mach ich einfach mal“, sagte er sich und fand Gefallen an der Aufgabe. Jedes Jahr besucht er die Kinder seitdem und freut sich über spontane Fragen. „Ein Kind wollte von mir wissen, warum der Nikolaus Turnschuke anhat“, schmunzelt Fügemann. Da habe er erklärt, dass der Nikolaus vom vielen Laufen von Haus zu Haus Blasen an den Füßen habe und deshalb bequeme Schuhe tragen müsse. Das Kind sei mit dieser Antwort zufrieden gewesen.

Mit Menschen hat Ralf Fügemann auch in seinem Zweitjob zu tun. Er ist Fahrer für die Tagespflege der Caritas in Gescher, holt die Patienten von zu Hause ab und bringt sie wieder weg. Auch hier ist der 53-Jährige als Nikolaus im Einsatz: in der Wohngruppe von St. Marien, bei den Angestellten der Mobilen Pflege und in der Tagespflege an der Hofstraße. Bei den älteren Menschen seien oft aufmunternde Worte gefragt, weiß Fügemann. Gelernte Texte abspulen, das funktioniere nicht.

Über sein Engagement für den BdSJ ist der Gescheraner Nikolaus vor einigen Jahren für das Dülmener Hospiz angefragt worden. „Das war ein sehr emotionales Erlebnis“, so Fügemann. Da gab es eine sterbende Frau, die seine Hand gar nicht mehr losgelassen habe und ihn bat, für sie „oben im Himmel“ ein gutes Wort einzulegen. Eine andere Bewohnerin, dement und eigentlich zu keinen selbstständigen Handlungen mehr fähig, habe am Tisch sitzend plötzlich das Papier vom Schoko-Nikolaus entfernt und genascht. „Das kam so überraschend, da sind der Hauswirtschafterin die Tränen gekommen“, so Fügemann. Vermutlich habe die Ansprache durch den Nikolaus Kindheitserinnerungen geweckt und so die Handlung ausgelöst.

Fast immer, ob bei Jung oder Alt, erhält der Nikolaus positive Resonanz. Und wenn Kinder mal frech werden? „Das kommt auch vor“, lächelt Fügemann. Oft würden ein strenger Blick und eine tiefe Stimmlage helfen. Und als letztes Mittel lässt St. Nikolaus die Glocke am Stab bimmeln: „Dann ist Ruhe“.

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