Gesundheitsminister Spahn spricht bei CDU-Neujahrsempfang vor 200 Gästen im Saal Tenbrock
Zuversicht statt schlechter Laune

Gescher. Während Landrat Dr. Kai Zwicker die „Boomtown“ Gescher lobte, betrat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unter Applaus den vollbesetzten Saal Tenbrock. Wohl auch dem prominenten Hauptredner war es geschuldet, dass am Sonntag 200 statt der angekündigten 180 Gäste zum Neujahrsempfang der Stadt-CDU kamen. Mit Blick auf das gerade angebrochene Jahrzehnt wünschte sich der Politiker „weniger schlechte Laune und mehr Zuversicht“ in der Gesellschaft. Auf gesellschaftliche Herausforderungen vor Ort ging auch die designierte CDU-Bürgermeisterkandidatin Karin Ostendorff ein, die sich erstmals der breiten Parteiöffentlichkeit vorstellte. Die gelungene Verbindung von Tradition und Moderne sei etwas, worauf man in Gescher und Hochmoor stolz sein könne.

Dienstag, 21.01.2020, 15:20 Uhr
Gesundheitsminister Spahn spricht bei CDU-Neujahrsempfang vor 200 Gästen im Saal Tenbrock: Zuversicht statt schlechter Laune
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (Mitte) und Landrat Dr. Kai Zwicker trugen sich in das Goldene Buch der Stadt Gescher ein. Links im Bild: Bürgermeister Thomas Kerkhoff mit Amtskette. Foto: az

Dominikus Bartusch und Egbert Kock moderierten die fast dreistündige Veranstaltung, die mit der Ehrung der Jubilare endete. „Uns geht es gut“, hob Landrat Zwicker auf Top-Werte ab, die der Kreis Borken vorweisen könne. Hier gebe es „Wohn- und Lebensverhältnisse, die ihresgleichen suchen“. Das gelte auch für Gescher, wo die CDU als stärkste politische Kraft viel erreicht habe. Den möglichen Weggang seiner Führungskraft Karin Ostendorff sehe er „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, aber er drücke ihr die Daumen.

Die designierte Kandidatin, Fachbereichsleiterin Soziales beim Kreis, ging in ihrer freien Rede auf den Begriff „Vuka“ ein, mit dem die heutige Arbeitswelt charakterisiert werde. Er stehe für „volatil, unsicher, komplex, ambivalent“. Wie man sich in dieser „Vuka“-Welt strategisch aufstellen müsse? Nicht, indem man den Kopf in den Sand stecke. „Wir brauchen Mut, Offenheit, Lernbereitschaft, Fleiß, Flexibilität und guten Gemeinsinn“, sagte Ostendorff. Dabei hätten die Menschen in Gescher und Hochmoor allen Grund, selbstbewusst zu sein: Hier gelinge wunderbar die Verbindung von Tradition und Moderne, von Gemeinsinn und Gemeinschaft. „Darauf können wir stolz sein“, sagte die 53-Jährige. Und es lohne sich, dafür gemeinsam zu arbeiten – auch in einer „Vuka“-Welt.

Warum die CDU Gescher überhaupt auf Kandidatensuche gehen musste, erklärte Bürgermeister Thomas Kerkhoff – in seinem Grußwort erläuterte er die Umstände, die ihn zur Kandidatur in Bocholt bewogen hätten. Gleichzeitig blickte er zurück: Das schwarz-grüne Bündnis in Gescher sei tragfähig und habe „geliefert“. Es sei gelungen, die Verschuldung abzubauen und die Kassenkredite komplett zu tilgen. Kerkhoff streifte Themen wie Gewerbeflächenpolitik, Schulbau, Windenergie und Baulandentwicklung und stellte den ansiedlungswilligen Supermarktbetreibern „harte Verhandlungen“ in Aussicht: Wer in Gescher etwas wolle, müsse auch bereit sein, in Hochmoor etwas zu geben.

Dann kam Spahn. Der Gesundheitsminister, in Ottenstein aufgewachsen, streifte bundespolitische und gesellschaftliche Themen und beklagte einen Vertrauensverlust in die Funktionsfähigkeit des Staates. „Wir müsse bessere Debatten führen, auch Kompromisse wertschätzen und einsehen, dass auch der andere einmal Recht haben könnte“, so der Minister. Ein Beispiel dafür sei das Thema Organspende, das durch die jüngsten Debatten ins Bewusstsein der Menschen gerückt sei. Spahn verteidigte die Einführung der elektronischen Patientenakte und wünschte sich, dass die Gesellschaft zusammenbleibe.

Kritische Töne schlugen die Vertreter der Gesundheitsberufe in der offenen Fragerunde an. Da ging es um das Image der Pflegeberufe, die Schließung von Geburtshilfen und die Digitalisierung der Arztpraxen – mit dem eingeschlagenen Weg gehe viel Vertrauen verloren. Spahn verteidigte die angestrebte Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen, trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein – und rauschte ab, um in Richtung Warschau zu starten.

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