Nahtwerk in Hochmoor produziert wiederverwendbaren Müllbeutel
Neues Produkt contra Plastikberge

Hochmoor. Anja von dem Berge hat eine Vision: „Wenn sich nur ein Prozent der deutschen Haushalte für unseren Retrash Bag entscheiden, werden jedes Jahr etwa eine Million Müllbeutel vermieden. Das wäre ein echter Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz“. Der wiederverwendbare Müllbeutel aus Kunststoff ist ein Eigenprodukt der Näherei Nahtwerk, die seit Herbst 2017 in den früheren Heimtex-Räumen in Hochmoor ansässig ist. Hier wird der Retrash Bag, der die herkömmlichen dünnen Plastikmüllbeutel im Haushalt ersetzen soll, hergestellt und geschweißt. Während die Plastikbeutel im Müll landen, wird der Bag nach der Leerung einfach feucht abgewischt und wiederverwendet. Bei Bedarf kann er auch in die Waschmaschine gesteckt werden.

Donnerstag, 23.01.2020, 11:48 Uhr
Nahtwerk in Hochmoor produziert wiederverwendbaren Müllbeutel: Neues Produkt contra Plastikberge
In den ehemaligen Heimtex-Räumen in Hochmoor ist das Nahtwerk angesiedelt. Geschäftsführerin Anja von dem Berge und Betriebsleiter Rolf Lemberg hoffen, dass der hier entwickelte Retrash Bag – auch im Sinne des Umweltschutzes – ein Erfolgsprodukt wird. Fotos: Jürgen Schroer Foto: az

Nachhaltigkeit ist ein Megatrend, der auch in der Textilindustrie angekommen ist. Das hat Anja von dem Berge festgestellt: Die Coesfelderin hat ihre Firma 2015 in Coesfeld gegründet, um die eigene Sportkollektion „Ladyworks“ zu nähen. Unmittelbar danach seien viele Anfragen für Lohnnäharbeiten gekommen. Personal und Maschinen wurden aufgestockt, im Herbst 2017 folgte der Umzug nach Hochmoor. Seitdem rattern die Nähmaschinen auf einer inklusive Nebenräume 750 Quadratmeter großen Fläche. „Wir haben mittlerweile 22 Mitarbeiter“, freut sich Betriebsleiter Rolf Lemberg über die positive Entwicklung. Vier davon befinden sich in einem sozialen Projekt und sind über die Jobcenter Gescher und Velen vermittelt worden. „Das hat sich sehr gut angelassen“, freuen sich Lemberg und von dem Berge über die personelle Verstärkung.

Mit ihrem Maschinenpark kann die Industrienäherei sämtliche Verarbeitungsweisen anbieten. Die Produktpalette umfasst Mode, besonders von jungen Designern, aber auch Frühstücksbeutel aus Stoff, Herrenfliegen und Einstecktücher oder sogenannte Chalkbags für Sportler, die aus alten Kletterseilen produziert werden. Auch eine Zuschneiderei gehört zum Nahtwerk. „Bei uns kommen Stoffrollen und Schnittmuster an und fertige Teile gehen raus“, erläutert Anja von dem Berge.

Nicht genäht, sondern geschweißt wird der Retrash Bag. Die Idee dazu kam der Inhaberin, als die Diskussion um das Verbot von Plastikprodukten hochkochte. Die dünnen Müllbeutel, die fast jeder Haushalt für die Müllbehälter in der Küche einsetzt, sind davon nicht betroffen. „Das sind jedes Jahr Milliarden Beutel nur in Deutschland, eine riesige Umweltverschmutzung“, findet von dem Berge.

Das Ergebnis einer längeren Testphase sei der Retrash Bag, der in allen handelsüblichen Liter-Größen angeboten werde. Wasserdicht und schmutzabweisend, bringe der Bag mit seiner Antischimmelbeschichtung optimale Voraussetzungen für den Einsatz in der Küche mit. Gedacht ist der in Hochmoor produzierte Bag für alle, die aus Umweltschutzgründen auf Einwegmüllbeutel verzichten möchten. Natürlich könne der Müll auch direkt in die Hausbehälter gefüllt werden. „Aber der Bag spart zum einen Zeit, weil das Auswaschen der Mülleimer wesentlich länger dauert, und zum anderen Wasser“. Außerdem absorbiere der Bag Gerüche.

Anja von dem Berge und Rolf Lemberg hoffen, dass der Retrash Bag ein Erfolgsprodukt wird und den Plastikmüllberg spürbar reduziert. Erhältlich ist der Bag im Nahtwerk Hochmoor, im Online-Shop, bei Bibo Natur und im neuen Laden „kostBAR – unverpackt“.

| www.retrashbag.de

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