Mit Marion I. (Pierk) steht erstmals eine Frau beim Karnevalsumzug in der Glocke
„Das hat mich total überrascht“

Gescher. „Plötzlich Prinzessin“ heißt eine erfolgreiche Filmkomödie aus dem Jahr 2001. So ähnlich mag sich Marion Pierk gefühlt haben, als ihr das närrische Konklave vor gut vier Wochen das höchste Amt im Gescheraner Karneval antrug. Riesengroß war die Überraschung, als die 47-Jährige am Sonntag in die Glocke stieg. Am „Tag danach“ stellte sie sich den Fragen von Lokalredakteur Jürgen Schroer.

Dienstag, 11.02.2020, 12:32 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 12:37 Uhr
Mit Marion I. (Pierk) steht erstmals eine Frau beim Karnevalsumzug in der Glocke: „Das hat mich total überrascht“
„Gescher Helau“ hieß es auch gestern beim närrischen Frühschoppen in der Karnevalshalle. Im Bild (von links) Hermann und Mathilde Pierk, die Eltern der amtierenden Prinzessin, Lebensgefährte Paul Ubbenhorst, Marion I. (Pierk) und Karnevalisten-Chef Theo Heisterkamp. Foto: Jürgen Schroer

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft, eine echte Männerdomäne zu erobern. Wie sehr hat Sie die Anfrage der Karnevalisten überrascht?

Prinzessin Marion: Ich war total überrascht, mit so etwas hatte ich in keinster Weise gerechnet. Als der Anruf kam, habe ich im ersten Moment überhaupt nicht verstanden, was man von mir wollte. Spätabends beim Treffen mit dem närrischen Konklave habe ich dann endgültig zugesagt.

Wie war das Gefühl, in der Prinzenglocke zu stehen?

Prinzessin Marion: Das war der Hammer. Es ist einfach unglaublich, wenn man sieht, wie die Leute einem zujubeln und Spaß haben. Einige hatten sogar Freudentränen in den Augen, weil in Gescher erstmals eine Frau in der Glocke stand. Mein Eindruck ist, dass das bei ganz vielen super angekommen ist.

Wollten Sie schon immer Prinzessin in Gescher werden?

Prinzessin Marion: Nein, ich habe gar nicht geahnt, dass das in absehbarer Zeit möglich sein könnte. Deshalb war die Überraschung auch so groß, als ich ernsthaft gefragt wurde.

Wie wichtig ist Ihnen das Thema Gleichberechtigung?

Prinzessin Marion: Da besteht immer noch Nachholbedarf, aber es geht voran. Die Stadtkarnevalisten haben es vorgemacht, und vielleicht bekommt Gescher ja demnächst eine Bürgermeisterin. Nur die Kirche muss in diesem Bereich noch nachziehen.

Woher kommt Ihre närrische Ader? Hat das erst mit dem Tornado-Karneval 2001 angefangen, als Sie schon einmal Prinzessin waren?

Prinzessin Marion: In meiner Ursprungs-Nachbarschaft Harwick I haben wir immer schon Karneval gefeiert. Und bei Tornado war ich aktiv dabei, unter anderem als Nummerngirl von Manni Wies und als Marilyn Monroe in der Bütt. Höhepunkt war tatsächlich der Karneval 2001, als ich zusammen mit Mustapha Bolghiran das Prinzenpaar sein durfte. Und in unserer Nachbarschaft am Kastanienweg fängt die Karnevalsbegeisterung jetzt an.

Was hat es mit dem Karnevalsbaum in Ihrem Wohnzimmer auf sich?

Prinzessin Marion: Ganz einfach, wir lassen unseren Weihnachtsbaum stehen und schmücken rechtzeitig um. Da hängen jetzt Girlanden und bunte Luftballons dran. Das sieht witzig aus und trägt zur Karnevalsstimmung bei.

Was ist das Besondere am Karneval in Gescher?

Prinzessin Marion: Hier feiert jeder mit jedem, und die Stimmung in den Kneipen, Sälen und Zelten ist einfach toll. Wir hatten Freunde aus der Pfalz zu Besuch, die das zum ersten Mal miterlebt haben – auch die waren ganz begeistert.

Was wünschen Sie sich für Ihre Regentschaft?

Prinzessin Marion: Ich freue mich einfach auf ein tolles Jahr mit vielen tollen Leuten, die ich dabei kennenlernen darf.

Auf welche jecken Termine freuen Sie sich am meisten?

Prinzessin Marion: Das erste ist der Landfrauenkarneval nächste Woche, da ist Partytime angesagt. Danach freue ich mich auf jeden einzelnen Termin und jede Feier. Ich werde alles mitnehmen, was kommt.

Sie haben jetzt die „Macht“ im Rathaus. Was würden Sie gegenwärtig anders machen als die Stadt-Oberen?

Prinzessin Marion: Als erstes würde ich den Schultenrott sanieren, der ist in einem miserablen Zustand. Und der Bürgermeister bekäme ein E-Auto als Dienstwagen, als Beitrag zum Klimaschutz.

Mehrere Gescheraner Stadt-Prinzen sind in der Folge Schützenkönig geworden. Wie wär’s, wenn Sie als amtierende Stadt-Prinzessin in Harwick den Vogel abschießen dürften?

Prinzessin Marion: Schöne Idee, aber das wird nichts. Wir können in diesem Jahr nicht dabei sein, weil wir zu dem Zeitpunkt einen Motorradurlaub machen. Ich feiere für mein Leben gerne Schützenfest, besonders in Harwick, aber auf den Thron muss ich nicht.

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