Pfarrer Hendrik Wenning über das Streben nach dem höchsten Gut
„Glücklichsein ist auch Willensentscheidung“

Gescher. Merkwürdig. Pfarrer Wenning hat eine Milchtüte mitgebracht. Was hat die mit Glück zu tun? Der Pastor klärt das schnell auf und bemüht dafür Meister Eckhart, den berühmten Theologen und Philosophen des Spätmittelalters: Wenn man Gott nur als Geber begreife, sei das eine Erwartungshaltung wie an eine milchgebende Kuh. Wenn der Mensch Gott jedoch als sein höchstes Gut erkenne, sei er glücklich, Gottes Willen zu tun. Dasselbe, fährt Pastor Hendrik Wenning fort, gelte „für das Glück mit allem anderen“: „Habe ich egoistische Erwartungen an die Ehe, oder freue ich mich am anderen, weil ich ihn lieb habe auch in schwierigen Phasen?“, formuliert er ein Beispiel. Für uneigennütziges Glück wählt er das Bild von der Mutter, „die froh ist, wenn sie ihrem Kind Gutes tut“.

Samstag, 22.02.2020, 07:26 Uhr
Pfarrer Hendrik Wenning über das Streben nach dem höchsten Gut: „Glücklichsein ist auch Willensentscheidung“
Pfarrer Hendrik Wenning, hier mit seinem Hund Anton, bezieht sich auf den spätmittelalterlichen Philosophen Meister Eckhart. wenn er sagt: „Wenn man Gott nur als Geber begreift, ist das eine Erwartungshaltung wie an eine milchgebende Kuh. Wenn der Mensch Gott jedoch als sein höchstes Gut erkennt, ist er glücklich, Gottes Willen zu tun“. Foto: Helene Wentker Foto: az

Für den Theologen Wenning schenkt „das Streben nach dem höchsten Gut, Gott, Glückseligkeit“. Nach seinem Glaubensverständnis ist und weist Gott die Richtung: „Und jedes kleine Glück, das mich in diese Richtung führt, gilt es zu suchen und zu erstreben“. Egoismus, der dagegen steht, beschreibt Wenning als „künstlich aufgesetzt und hohl; es führt mich weg von mir selbst“. Der Pfarrer ist sicher, „dass wir Menschen ein Gefühl für diese Unterscheidung haben“. In allem, was dem einzelnen begegne, stelle sich ihm die Frage: „Erfüllt es mich?“ Und er schlussfolgert: „Wenn es das nicht tut, führt es nicht zum höchsten Gut“.

Hoch theologisch? Oder alltagstauglich? In dieser Frage bietet Wenning einen Indikator an: „Wenn wir glücklich sind, ist das ein guter Richtungsgeber“. Es verhelfe dem Menschen zu der Freiheit, weder im anderen den Milchgeber sehen zu wollen, noch selbst diese Rolle ausfüllen zu müssen, denn: „Keiner von uns wird glücklich, wenn er nur Milchkuh ist“. Da, sagt der Pastor, sollte man auf sich selbst hören, sich verweigern, einen Punkt setzen – auch in Beziehungen, die dem einzelnen nicht mehr guttun, die schal geworden sind, oder in denen man sich vereinnahmt fühlt.

Dabei wird etwas spürbar von der „großen Freiheit und dem Glück, das“, so Wenning weiter, „die Heilige Schrift da gibt, wo wir von egoistischen Glücksvorstellungen wegkommen“.

Glücklichsein zu können hat auch für Pfarrer Wenning mit der Konstitution zu tun, die ein Mensch mitbringt. Doch dann folgt ein großes Aber: „Jeder hat die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Ich kann mich um meine Probleme drehen und grübeln und erzählen und wieder im Kreis drehen. Diese Haltung hält mich fern von höchstem Gut. Ich kann mein Problem aber auch einmal benennen und erzählen, hab es dann von der Seele und wende mich wieder Positivem zu, statt mich in negativen Gefühlen zu suhlen“. Hier treffe der Mensch eine Willensentscheidung, die ihm neue Perspektive gebe, wachrüttle und öffne für die Fragen: „Was ist das Schöne im Leben? Wo spürst du Glück?“ Die Antworten darauf gilt es laut Wenning „langsam auszubauen“.

Er selbst kennt neben Gebet und Kontemplation durchaus auch das „kleine Glück“. „Wenn ich heimkomme und mein Hund Anton freut sich, ist das ebenso Glück wie die Telefonate mit meiner Familie oder wie neulich ein Treffen mit Priestern, mit denen ich mich freundschaftlich verbunden fühle“.

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