Evangelische Jugendhilfe sucht Gastfamilien
Jungen Menschen Heimat geben

Gescher. Doris ist Gastmutter. Die 55-Jährige hat vier eigene Kinder, die erwachsen sind und heute auf eigenen Füßen stehen. Dennoch hat sie gerne Leben im Haus und möchte Kindern und Jugendlichen helfen, die eine schwierige Situation erleben. „Es ist spannend, junge Menschen kennenzulernen und sie begleiten zu dürfen“, sagt die Gescheranerin. Sie macht mit beim Programm „Jumega“, das von der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland angeboten wird. Die Abkürzung steht für „Junge Menschen in Gastfamilien“. Dabei handelt es sich um eine besondere Betreuungsform, die Heranwachsenden einen Neustart und Beziehung bieten soll. Anders als in einer Pflegefamilie ist der Aufenthalt zeitlich begrenzt. „Meist geht es um einen Zeitraum von sechs Monaten bis zwei Jahren“, erläutert Clemens Brockhoff, Jumega-Berater bei der Evangelischen Jugendhilfe in Gescher. Die Fachleute unterstützen und betreuen die Jumega-Gastfamilien intensiv.

Dienstag, 25.02.2020, 06:30 Uhr
Evangelische Jugendhilfe sucht Gastfamilien: Jungen Menschen Heimat geben
Gastmutter Doris hat seit 2013 mehrfach Jugendliche im Rahmen des Programms „Jumega“ bei sich aufgenommen. Das Bild zeigt die Gescheranerin im Gespräch mit Clemens Brockhoff, Diplom-Sozialpädagoge und Jumega-Berater bei der Evangelischen Jugendhilfe. Foto: Jürgen Schroer

Gewalt, Überforderung oder Krankheit im Elternhaus – es gibt viele Gründe, warum Kinder und Jugendliche nicht mehr in ihren Herkunftsfamilien leben können. Jumega ist eine Betreuungsform, die schon vielen jungen Menschen geholfen hat, ihren Weg zu finden. Die Anfragen kommen über die Jugendämter an die Evangelische Jugendhilfe. „Wir beraten dann im Team, wer zu wem passt“, erläutert Brockhoff. Gastmutter Doris ist seit 2013 dabei, war von einer Freundin, die als Pflegemutter tätig ist, auf die Idee gebracht worden. Gern erinnert sie sich an Daniel (Name geändert), der als damals 15-Jähriger zu ihr kam und sich positiv entwickelt hat. „Man muss sich auf die Jugendlichen einlassen, aber gleichzeitig Grenzen setzen“, sagt Doris. Sie legt wert darauf, dass die Jugendlichen Schule oder Ausbildung abschließen und auch im Haushalt mithelfen. Die jungen Leute sollen ein familiäres Umfeld kennenlernen, Beziehungen aufbauen, sich stabilisieren. Gastmutter Doris mag diese tägliche Herausforderung, bekommt aber auch viel zurück. „Es macht Spaß, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen“, sagt sie.

Klar ist, dass die Aufenthalte zeitlich befristet sind. „Die Abschiede fallen schon schwer“, sagt Doris. Auf Daniel, der etwa ein Jahr bei ihr war, folgten Angelika, Anna und Karin (Namen ebenfalls geändert), die mit 16 Jahren schon Mutter geworden ist. Nicht immer läuft alles glatt, manchmal gibt es Probleme. Dann steht das Jumega-Team mit Rat und Tat zur Seite. „Es gibt eine Rufbereitschaft für Gastfamilien. Im Notfall stehen wir zwei Uhr nachts vor der Tür“, versichert Clemens Brockhoff.

Meist aber haben die Fachleute ein gutes Händchen dafür, welche Gastfamilie für welchen Jugendlichen die richtige ist. Die „Anbahnungsphase“, so Brockhoff, bestehe oft aus zwei Kennenlerntreffen und kurzem „Probewohnen“. Wenn beide Seiten – Gastgeber und Gast – ein gutes Gefühl haben, beginnt das „Abenteuer Familie“. Für Doris war es jetzt wieder so weit: Paul ist vor wenigen Tagen zu ihr gezogen. „Wir lernen uns gerade kennen“, sagt Doris und freut sich darauf, den 15-Jährigen in den nächsten Monaten zu begleiten.

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