Fachausschuss fasst noch keinen Beschluss über Sanierung des Theater- und Konzertsaals
Zwischen Wunsch und Finanzierbarkeit

Gescher. Geschockt von der Kostensteigerung für die geplante Sanierung des Theater- und Konzertsaals am Borkener Damm zeigten sich die Mitglieder des Ausschusses für Infrastruktur, Landwirtschaft und Umwelt (ILU).

Donnerstag, 05.03.2020, 23:56 Uhr
Fachausschuss fasst noch keinen Beschluss über Sanierung des Theater- und Konzertsaals: Zwischen Wunsch und Finanzierbarkeit
Noch nicht klar ist, in welchem Ausmaß der Theater- und Konzertsaal am Borkener Damm saniert wird. Das hängt maßgeblich von den Kosten ab. Eine Entscheidung soll in der Ratssitzung am 25. März gefällt werden. Foto: Archiv

Statt der im Juli 2018 geschätzten Kosten in Höhe von knapp drei Millionen Euro könnten laut Planungsbüro nun fünf Millionen Euro zu Buche schlagen. Wie Architekt Reinhold Daberto (Arge Meyer Architekten GmbH und theater projekte, daberto + kollegen) in der Sitzung erläuterte, sei der Auftrag gewesen, den Saal als zentralen Veranstaltungsort der Stadt Gescher aufzuwerten.

Der ILU-Ausschuss fasste keinen Beschluss und gab damit auch keiner der drei vorgeschlagenen Sanierungs-Varianten einen Vorzug. Bis zur Ratssitzung am 25. März soll es eine genaue Bedarfsliste geben und eine Erläuterung, welche Bedingungen für eine Förderung der Umbaumaßnahme erfüllt sein müssen. Dann soll über eine Variante entschieden werden.

Zum Teil zeigten sich die Ausschussmitglieder entrüstet darüber, dass sie mit dem von der Verwaltung vorgelegte Material keine geeignete Entscheidungsgrundlage bekommen hätten.

Rita Hölker (SPD) vermisste eine Abwägung, die für eine politische Entscheidung nötig sei. Man könne nicht erkennen, welche Maßnahmen dringend nötig seien und welche nicht. Sie wolle damit ausdrücklich nicht die „zukunftsweisende Planung“ in Frage stellen.

Klaus Schonnebeck (SPD) kommentierte: „Wir haben eine fachliche Abwägung zu treffen. Dafür brauchen wir Zahlen.“ Er forderte vom Bürgermeister, den Förderantrag transparent zu machen. Außerdem bemängelte Schonnebeck, dass aus seiner Sicht bei der Planung die Barrierefreiheit nicht genügend berücksichtigt worden sei. Bei 450 Sitzplätzen nur fünf Plätze für Rollstuhlfahrer vorzusehen, sei zu wenig. Außerdem würde im Zuschauerraum eine Stufe verbleiben. Architekt Reinhold Daberto verwies auf die Vorgaben in der Versammlungsstätten-Verordnung.

Stephan Pierk (Grüne) machte deutlich, dass zunächst interne Beratung in den Fraktionen nötig sei. Günter Schültingkemper (CDU) mahnte zu einer Kostendeckelung. Man solle über Einsparungspotenzial – zum Beispiel bei der Kühl-Anlage und der Bestuhlung – nachdenken.“ Bei aller Vorfreude müssen wir uns Gedanken darüber machen, was wir bezahlen können“, sagte der Christdemokrat.

Architekt Reinhold Daberto und Bürgermeister Thomas Kerkhoff führten ins Feld, dass die multifunktionale Nutzung des Saals berücksichtigt werden müsse. Auch deshalb sei zum Beispiel ein Transport-Podium sinnvoll, das aber mit 320 000 Euro zu Buche schlagen würde. Das sei kein Luxus, meinte Kerkhoff. Auch eine Gastro-Theke sei erforderlich, damit das Catering für Vereine erleichtert werde. Ziel sei es schließlich auch, die Auslastung des Theater- und Konzertsaals in Zukunft zu verbessern. Dazu soll nach der Planung des Architekturbüros auch eine Künstlergarderobe beitragen, die heutzutage oft ein ausschlaggebendes Kriterium für die Zusage von Ensembles sei, so Reinhold Daberto.

Der Bürgermeister erinnerte auch daran, dass der Wunsch in der Politik nach mehr Qualität geäußert worden sei. So sehe das Konzept einen Saalboden aus Holz vor, was Mehrkosten von 43 000 Euro verursachen würde. Für eine neue Bestuhlung müssten 177 000 Euro aufgewandt werden. 

Thomas Kerkhoff betonte nochmal, dass die Unterteilbarkeit des Saals ein ganz wichtiger Aspekt sei, um diesen auch vielfältig nutzen zu können. Wenn daran gerüttelt werde, könne das Konsequenzen haben. Kerkhoff warnte vor diesem Hintergrund vor der Gefahr des Verlusts der Förderfähigkeit.

Dr. Martin Klein (SPD) meinte: „Wir bekommen drei Millionen Euro. Wir sollten überlegen, was wir damit tun können. Wir müssen nicht mit dem Konzert Theater in Coesfeld mitschwimmen.“

Der ILU-Ausschuss hat der Stadtverwaltung und dem Planungsbüro bis zur Ratssitzung also noch weitere Hausaufgaben beschert. Am 25. März soll dann über eine Sanierungsvariante entschieden werden. Auf die Frage des ILU-Ausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Brüggestrath (Grüne), wann der Saal saniert sei, antwortete der Bürgermeister, dass der erste Abitur-Jahrgang im Konzert- und Theatersaal seinen Schulabschluss feiern soll.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7312839?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947616%2F
Nachrichten-Ticker