Polarfüchse aus Gescher haben an Rallye um die Ostsee teilgenommen
Kein Navi – mehr Abenteuer

Gescher. Abenteuer pur haben die Polarfüchse auf ihrer Abenteuer-Rallye „Baltic Sea Circle Winter 2020“ erlebt. Die Polarfüchse – das sind Ewald Sprey, Stephan Cramer und Robert Sommer. Die drei sind ein eingespieltes Team, denn schon früher waren sie gemeinsam mit dem Auto unterwegs.

Samstag, 14.03.2020, 06:02 Uhr aktualisiert: 14.03.2020, 09:14 Uhr
Polarfüchse aus Gescher haben an Rallye um die Ostsee teilgenommen: Kein Navi – mehr Abenteuer
Foto: Manuela Reher

Doch diesmal hatte sich das Trio einer besonderen Herausforderung gestellt. Bei der nördlichsten Rallye des Erdballs – und das noch im Winter – zu starten, bedurfte einer Vorbereitungszeit von einem Jahr. Sie sollten unter anderem durch Schweden, Norwegen, Finnland, Russland und baltische Staaten fahren.

„Wir haben im Vorfeld alles akribisch geplant“, erläutert Robert Sommer. Abenteuerlust sei das, was die Teilnehmer dieser Rallye antreibe, aber das dürfe niemals auf Kosten der Sicherheit gehen.

Die Polarfüchse starteten mit 59 weiteren Teams am Fischmarkt in Hamburg. Als Gefährt hatten sie sich einen 18 Jahre alten VW T 4 Syncro ausgesucht, der bereits 140 000 Kilometer auf dem Buckel hatte. Mit der Startnummer 05 gingen die Gescheraner ins Rennen. Nicht nur Deutsche, sondern auch Niederländer, Österreicher, Schweizer und Briten nahmen teil. „Ein Team ging sogar in einem Porsche an den Start“, erinnert sich Stephan Cramer.

Autorallye der Polarfüchse

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Neben Konservendosen und weiteren Lebensmitteln hatten die Polarfüchse natürlich auch Ersatzteile für das Auto und einen Satz Autoreifen mit Spikes im Gepäck. Weil diese bald abgefahren waren, mussten sie die Ersatzreifen auf der Tour nach „Feierabend“ in Eigenarbeit mit 500 neuen Spikes bestücken. Denn von den 8211 Kilometern, die sie auf zum Teil maroden Straßen unterwegs waren, schlitterten sie 3600 Kilometer auf blankem Eis.

„Beim Fahren haben wir uns abgewechselt“, sagt Ewald Sprey. Das sogenannte Roadbook, das der Veranstalter Superlative Adventure Club ihnen beim Start überreichte, gab ihnen Hinweise darüber, welche Stationen sie aufsuchen sollten. „Schließlich waren wir ohne GPS und Navi unterwegs, dafür mit 28 Landkarten“, verrät Stephan Cramer. In einer Whatsapp-Gruppe waren sie mit den übrigen Teilnehmern verbunden, sodass sie im Ernstfall in manchmal menschenleeren Gegenden schnell Hilfe anfordern und anderen auch helfen konnten.

Jeden Tag mussten die Rallye-Teams Aufgaben erfüllen. Einmal suchten sie in Schweden ein Waldstück auf, wo sie den verrosteten Tourenbus der berühmten Popgruppe Abba auf einem Autofriedhof finden und sich davor fotografieren sollten. Auf gottverlassenen Straßen, denn sie durften laut Reglement keine Autobahn benutzen, haben sie drei sogenannte Erlkönige von Mercedes – einen getarnten Prototyp – entdeckt. Ein anderes Mal sollten sie einen Schneemann bauen, der auf dem Fahrersitz des Rallye-Autos platziert werden sollte.

Stephan Cramer hat jeden Rallye-Tag in einem Tagebuch detailliert dokumentiert. Dazu gehörte auch die Angabe der jeweiligen Lufttemperatur. Manchmal waren die Polarfüchse bei minus 25 Grad unterwegs. Am Nordkap versammelten sich viele Rallye-Teilnehmer und konnten sich über ihre besondere Reise austauschen. An bis zu sieben Meter hohen Schneeverwehungen fuhren die Polarfüchse entlang. Besonders beeindruckend seien auch die endlos erscheinenden Straßen in Russland gewesen. „Wir waren von Murmansk nach St. Petersburg auf einer schnurgeraden Straße unterwegs, bei der erst nach 956 Kilometern mit einem Kreisverkehr die Möglichkeit auftauchte, die Richtung zu wechseln“, erinnert sich Stephan Cramer.

Übernachtet hat das Trio sowohl in einer einfachen Jugendherberge mit Schlafsack als auch in einem Fünf-Sterne-Hotel in St. Petersburg. Aber auch in einem Tipi fanden sie ihr Nachtlager. Beeindruckt waren sie von einem zauberhaften Eishotel, dessen Gebäude und Einrichtung komplett aus Eis bestanden.

Besonders in Erinnerung bleiben wird Stephan Cramer auch der Berg der Kreuze, ein katholisch und touristisch geprägter Wallfahrtsort in Litauen. Mehr als 100 000 Kreuze hat die Bevölkerung dort aufgestellt, und der Papst war auch schon da.

„Wir haben viel über die Länder gelernt, durch die wir gefahren sind“, sagt Stephan Cramer. Und auch Naturerlebnisse wie die Polarlichter haben die Polarfüchse zum Staunen gebracht.

Sie selbst lassen andere an ihrer Freude teilhaben, weil sie – laut Roadbook – gerne Sponsoren gesucht haben, die Geld für einen guten Zweck gespendet haben. Der Bunte Kreis Münsterland freut sich nun über 1150 Euro; der Verein Herzenswünsche bekommt 1180 Euro. Die Polarfüchse haben bereits Pläne für eine weitere Rallye. Ewald Sprey kommentiert: „Bei der Baltic Sea Circle Winter 2020 haben wir 90 Prozent richtig gemacht, zehn Prozent lassen sich für die nächste Rallye verbessern.“

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