Nahtwerk in Hochmoor hat Betrieb komplett auf Schutzmasken-Produktion umgestellt
Nähmaschinen rattern gegen Corona

Hochmoor. Im Nahtwerk in Hochmoor rattern die Industrienähmaschinen. Grüne und blaue Zuschnitte aus einem beschichteten Laminatstoff wandern von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz. Säumen, Falten einnähen, Bänder anbringen – jeder Handgriff sitzt. Am Ende dieses Arbeitsprozesses ist das Produkt fertig, das in der aktuelle Corona-Krise weltweit gefragt ist: eine zertifizierte chirurgische Maske, die für den medizinischen Gebrauch bestimmt ist. Gut 500 Stück davon produziert der in Hochmoor ansässige Betrieb täglich, Tendenz steigend. „Wir haben unsere Produktion komplett auf die Fertigung von Masken umgestellt“, erläutert Betriebsleiter Rolf Lemberg. Auch die Herstellung von Mund-Nasen-Masken für den allgemeinen Gebrauch läuft an.

Mittwoch, 08.04.2020, 23:08 Uhr
Nahtwerk in Hochmoor hat Betrieb komplett auf Schutzmasken-Produktion umgestellt: Nähmaschinen rattern gegen Corona
Im Nahtwerk in Hochmoor läuft die Schutzmasken-Produktion auf Hochtouren. Mitarbeiterin Marlies Schultewolter trägt einen einfachen Mund-Nase-Schutz und näht eine zertifizierte Maske (blauer Stoff), die für den Einsatz im medizinischen Bereich bestimmt ist. Foto: Jürgen Schroer

Normalerweise stellt das Nahtwerk eine bunte Palette von Textilien her. Etwa 25 Mitarbeiter haben in den ehemaligen Heimtex-Räumen an der Ruthmannstraße 5 Damenoberbekleidung, Utensilien für den Klettersport oder wiederverwendbare Frühstücksbeutel gefertigt. Seit Mitte März ist alles anders. „Uns sind, wie in anderen Bereichen auch, Aufträge weggebrochen, weil unsere Stammkunden Absatzprobleme hatten“, erläutert Lemberg. Zeitgleich sei die Anfrage gekommen, ob die Näherei als Lohnkonfektionär Schutzkleidung produzieren könne, speziell die allseits benötigten Atemschutzmasken. Von heute auf morgen stellte der Betrieb seine Produktion um, schaffte sechs weitere Nähmaschinen an und fertigt seitdem die zertifizierte Ware mit Virenbarriere, die das Personal in Kliniken und Arztpraxen schützt. „Das ist unser neuer Schwerpunkt“, sagt Lemberg und freut sich, als Unternehmen einen Beitrag im Kampf gegen Corona leisten zu können.

Zunehmend gefragt sind aber auch Mund-Nasen-Masken, die jedermann tragen kann – auf der Straße, im Supermarkt, bei der Arbeit oder im Bus. „Mit diesen Masken schützt man sein Gegenüber“, erläutert Lemberg. Auch das Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt mittlerweile das Tragen dieser Masken. Sie verhindern, dass Personen ihr Umfeld mit ausgeatmeten Tröpfchen infizieren, bieten aber keinen nachweislichen Schutz gegen Infektionen. „Cleanbreathe“ nennt das Nahtwerk dieses Produkt mit Ohrenschlaufen, das aus feinporigem Kunstvlies hergestellt wird. Nach Ostern werden diese Masken im Landmarkt Bibo erhältlich sein.

„Wir würden gerne noch deutlich mehr Masken produzieren, weil wir sehen, dass diese dringend benötigt werden. Der Platz im Betrieb ist da und auch die Maschinen stehen bereit, aber wir suchen händeringend weiteres Personal“, beschreibt Lemberg die aktuelle Situation. Speziell für die Produktion dieser nicht zertifizierten Schutzmasken werden neben Fachkräften auch Hobbynäherinnen gesucht, die aber möglichst schon über Erfahrung im Umgang mit Industrienähmaschinen verfügen sollten. Ein Produktion in Heimarbeit, so die Betriebsleitung, sei in diesem Fall nicht möglich.

Lemberg geht davon aus, dass das Nahtwerk noch lange Zeit Masken produzieren wird. Zum einen, weil die Corona-Krise noch längst nicht bewältigt sei, zum anderen, weil ein Land wie Deutschland diese Produkte künftig in großer Menge auf Lager haben müsse.

| www.cleanbreathe.de

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