Zahl der Einsätze mit dem Rettungswagen hat um ein Drittel abgenommen
Notruf nicht hinauszögern

Gescher. Aktuell seien die Menschen sehr zurückhaltend, wenn es darum gehe, den Notruf zu wählen. Diese Beobachtung hat Stephan Kruthoff, Leiter der Kreisleitstelle Borken, auch für Gescher gemacht. Während vor Beginn der Corona-Pandemie etwa 120 Einsätze im Monat mit dem Rettungswagen verzeichnet worden seien, zähle man aktuell nur noch 80 Einsätze im Monat. Das sind ein Drittel weniger als sonst. Die Zahl der Krankentransporte hingegen habe von zehn auf 20 zugenommen.

Freitag, 01.05.2020, 06:34 Uhr
Zahl der Einsätze mit dem Rettungswagen hat um ein Drittel abgenommen: Notruf nicht hinauszögern
Theo Heisterkamp (re.), Leiter der Rettungswache Gescher, und sein Kollege Tobias Voß (hier ein Archivfoto) müssen aktuell Schutzmasken tragen, wenn sie mit dem Rettungswagen im Einsatz sind. Foto: Archiv

„Das liegt absolut im Kreistrend“, sagt Kruthoff. Im gesamten Kreisgebiet gebe es aktuell täglich 150 Einsätze mit dem Rettungswagen. Zuvor sei der Rettungswagen 200 Mal am Tag ausgerückt. Somit ist die Zahl kreisweit um ein Viertel zurückgegangen.

Dafür, dass aktuell weniger als sonst der Notruf 112 gewählt würde, könne es verschiedene Erklärungen geben. Einerseits könnte das mit Ängsten der Bevölkerung vor einer Infektion mit dem Corona-Virus im Rettungswagen oder im Krankenhaus zusammenhängen. Andererseits gebe es wegen der Einschränkungen angesichts der Corona-Pandemie zum Beispiel weniger Arbeitsunfälle, weil viele Menschen im Homeoffice oder in Kurzarbeit seien. Das Aufkommen im Straßenverkehr sei dadurch auch geringer, was wiederum vermutlich weniger Verkehrsunfälle nach sich ziehe. Auch nächtliche Verkehrsunfälle zum Beispiel nach Diskobesuchen gebe es aktuell nicht. Außerdem sei das komplette Freizeitverhalten zum Erliegen gekommen.

Stephan Kruthoff macht deutlich, dass der Rettungsdienst in der Notfallversorgung und beim Krankentransport auch in Zeiten der Corona-Pandemie jederzeit sichergestellt sei. „Rufen Sie im Zweifel lieber einmal zu oft den Notruf, als einmal zu wenig“, betont der Leiter der Kreisleitstelle Borken. Die Leitstelle finde für jede Situation gemeinsam mit den Anrufern eine Lösung, bei Bedarf werde auch auf die niedergelassenen Ärzte verwiesen, denn längst nicht jeder Hilfesuchende benötige das Eingreifen des Rettungsdienstes.

Der Rettungsdienst habe sich auf die Pandemie eingestellt und die internen Abläufe angepasst. Bereits seit drei Wochen nutzen die Besatzungen der Rettungswagen einen Mund- und Nasenschutz. In einem Corona-Verdachtsfall, also wenn ein Patient die typischen Symptome aufweisen sollte, legen die Rettungskräfte weitere Schutzkleidung an, zu der neben einer Filter-Maske auch ein Augenschutz und ein Schutzanzug gehören.

„Wegen der Corona-Situation besteht absolut kein Grund, auf einen Notruf zu verzichten, wenn er nötig ist“, betont Kruthoff. Jetzt werde bei einem Notruf unter der Nummer 112 aber auch abgefragt, ob Symptome einer Corona-Virus-Infektion bestehen, wie etwa Fieber. So sollen Infizierte bereits frühzeitig erkannt werden. Dies sei notwendig, weil das Rettungsdienst-Personal bei Hinweisen auf eine Infektion spezielle Schutzmaßnahmen ergreift. Bei den Patienten wird zunächst versucht, aus einem Sicherheitsabstand zu klären, ob möglicherweise eine Infektion besteht. Hierzu werden den Patienten, sofern möglich, aus der Distanz einige Fragen gestellt. Bei der Anmeldung von Notfall-Patienten in den Krankenhäusern wird eine Checkliste verwendet, die mit den Krankenhäusern abgestimmt wurde. Ziel ist es, Patienten mit COVID-19 früh zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

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