Ausstellung „Corona-Blues“ in der Kunsthalle Hense
„Ein Bonbon für Auge und Seele“

Gescher. „Genialer Titel, geniale Präsentation. In bitteren Zeiten ein süßes Bonbon für Auge und Seele!“ lautete ein Eintrag ins Gästebuch der Kunsthalle Hense in Gescher. Der Inhalt sprach Bände, denn nach vielen Wochen der Kulturlosigkeit durch die Corona-Pandemie bot Frank Hense, Sammler und Betreiber der Kunsthalle, Kunstfreunden endlich wieder kulturelle Nahrung. „Corona-Blues“ hatte er die Ausstellung betitelt, die er zu 60 Prozent aus seiner eigenen Sammlung und zu 40 Prozent durch Leihgaben von befreundeten Künstlern zusammen gestellt und kuratiert hatte.

Montag, 18.05.2020, 07:02 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 14:00 Uhr
Ausstellung „Corona-Blues“ in der Kunsthalle Hense: „Ein Bonbon für Auge und Seele“
„Corona-Blues“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Hense. Das Bild zeigt Frank Hense (Mitte) zwischen den Künstlerinnen Julia Drahmann (li.) und Maike Brautmeier (re.) vor der Gemeinschaftsarbeit „Glockentafel“ von Drahmann und Brautmeier. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Still und leise wurde die besondere Schau am Freitagabend ohne die sonst üblichen Eröffnungszeremonien zugänglich gemacht. Jeder Besucher trug einen Mund-Nasenschutz und jeder hielt den geforderten Abstand. Wer keinen Gesichtsschutz dabei hatte, konnte vor Ort einen solchen erwerben mit dem werbewirksamen Aufdruck „Kunsthalle Hense“. Die Kommunikation zwischen Hense und den Besuchern behinderte das nicht.

„Ich finde das gar nicht schlimm, hier mit Maske zu stehen“, äußerte sich Johann (9) als jüngster Besucher. „Die richtige Geselligkeit fehlt noch etwas durch die Distanz untereinander“, fasste Claudia Kloster ihr Gefühl zusammen. Sie war mit Johann und dessen Mutter Christine Horstick in die Ausstellung gekommen. „Ich finde diesen Mix der Werke gut. Es sind viele bedrohende Dinge dargestellt, aber auch Positives“, umschrieb Horstick die Ausstellung.

Über den Künstler Thomas Wrede kam der Sammler in Kontakt zu Julia Drahmann und Maike Brautmeier, die zur stillen Eröffnung gekommen waren. Drahmann ist Malerin, Brautmeier fotografiert. Ihre Gemeinschaftsarbeit „Glockentafel“ aus der Serie „Farbtafel“ platzierte Hense an zentraler Stelle.

Brautmeier hatte die Gesellschaft um einen längsrechteckigen Tisch drapiert und fotografiert. Drahmann versah die Gesichter mit Masken und stülpte allen anwesenden Lebewesen Glaskugeln über den Kopf mit malerischen Mitteln. „Grundlage der Arbeit ist keine Fotocollage. Wir spielen bewusst mit dem, was gemalt ist und den fotografischen Elementen“, betonte Brautmeier. Die Assoziation, dass Leonardo da Vincis „Abendmahl“ Pate gestanden haben könnte für die Gesamtkomposition, lehnten sie zum großen Teil ab. In der Mitte hinter dem Tisch steht etwas isoliert eine Person mit erhobenen Händen. Erstarrte Menschen und Tiere drapieren sich um den Tisch, sind isoliert voneinander unter Glocken eingesperrt. „Die Stimmung ist wie jetzt gerade auch“, fasste Hense sein Urteil zu diesem zentralen Werk zusammen, das speziell für diese Schau entstanden ist.

Auch die Werke von Thomas Wrede, Dieter Nuhr, Stephan Balkenhol, Birgit Brenner, Römer + Römer, Gerhard Demetz und weiteren 24 Künstlern spiegeln das Besondere der Corona-Ära wider.

7 Die Ausstellung ist bis zum 23. August zu sehen, Öffnungszeiten: Freitag 18 - 21 Uhr, Sonntag 14 - 18 Uhr und nach Vereinbarung

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