Werkstätten Haus Hall nehmen Betrieb schrittweise wieder auf
Arbeiten und essen mit Abstand

Gescher. Alles ist anders. Das zeigt schon der Blick in die Kantine: Dort, wo sonst die Beschäftigten der Werkstätten Haus Hall in Tischreihen sitzen und ihr Mittagessen gemeinsam einnehmen, ist Abstand eingekehrt. Die Tische stehen auseinander, genau zwei Personen sitzen sich mit Trennscheibe gegenüber, das Essen kommt nicht in Schüsseln, aus denen sich jeder bedienen kann, sondern auf Tellern. Auch an den Arbeitsplätzen gelten umfangreiche Schutzmaßnahmen. Nur so ist es möglich, dass in den Werkstätten – trotz der Corona-Gefahren – wieder gearbeitet werden kann. „Das funktioniert aber nur schrittweise“, weiß Werkstattleiter Jürgen Dreyer. Anfang dieser Woche waren es gut 300 von insgesamt 1090 Beschäftigten an fünf Standorten, die wieder ihrer Arbeit nachgehen konnten. Mit Abstand und unter Einhaltung von Hygieneregeln, wie überall.

Samstag, 23.05.2020, 13:36 Uhr
Werkstätten Haus Hall nehmen Betrieb schrittweise wieder auf: Arbeiten und essen mit Abstand
Nicht nur an den Arbeitsplätzen, sondern auch in der Kantine greifen die Corona-Schutzmaßnahmen in den Werkstätten Haus Hall: Zwei Beschäftigte mit Abstand und Trennschirm beim Mittagessen. Foto: Haus Hall

Teilhabe an Arbeit, das ermöglichen die Werkstätten Haus Hall den Menschen mit Behinderung und setzen dabei auf individuelle Lösungen. Die Palette der Waren und Dienstleistungen ist groß und reicht vom Abpacken von Schrauben über die Zerlegung von Elektrokleingeräten bis zum Zusammensetzen komplexer Baugruppen. „Wir tun sehr viele Dinge, um die ganz unterschiedlichen Fähigkeiten unserer Beschäftigten abbilden zu können“, sagt Dreyer. Am größten Standort in Gescher sind 440 Menschen beschäftigt, etwa 55 Prozent davon sind extern untergebracht, leben also in ihren Familien oder wohnen betreut oder selbstständig.

Dann kam Corona. Mitte März, innerhalb von nur zwei Tagen, musste der Betrieb heruntergefahren werden. Die Beschäftigten wurden abteilungsweise informiert und nahmen es hin. „Es wusste ja niemand, wie lange sich das alles hinziehen würde“, sagt Ralf Essing vom Werkstattrat, der Interessensvertretung der Beschäftigten. Die Abteilungs- und Gruppenleiter hielten in den Folgewochen telefonischen Kontakt zu den Beschäftigten und bekamen so mit, wie es ihnen in der Lockdown-Phase erging.

In den Werkstätten standen die Maschinen aber nicht ganz still. Von Beginn an wurde eine Notbetreuung angeboten für alle, deren Betreuung im häuslichen Umfeld nicht möglich war. Das waren am Anfang 25, später über 60 Beschäftigte, die unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften ihrer Tätigkeit nachgehen konnten. Hinzu kamen etwa 30 Aushilfen und Studenten. Dreyer: „So konnten wir unsere Auftragsverpflichtungen erfüllen.“ Kein Kunde habe wegen der Schließung der Werkstätten seine Produktion einstellen müssen.

Im Zuge diverser Corona-Lockerungen hat das Land das generelle Betretungsverbot für Einrichtungen der Eingliederungshilfe zum 11. Mai aufgehoben. Basis für die angelaufene Teilöffnung ist ein detailliertes Schutzkonzept mit den üblichen Abstands- und Hygieneregeln, Hilfsmitteln wie Trennwände, veränderten Arbeitsabläufen und Änderungen bei der Beförderung – im Bulli sitzen jetzt nicht mehr acht Beschäftigte, sondern nur noch vier. Trotz aller Auflagen: „Unsere Leute sind froh, dass es weitergeht“, hat Ralf Essing beobachtet.

Anfang Juni, so Dreyer, sollen auch Beschäftigte aus den stationären Wohngruppen wieder arbeiten gehen können, für Ende Juni sei eine weitere Aufnahmewelle geplant. Etwa 700 von 1090 Beschäftigten werden dann wieder tätig sein können, schätzt Dreyer – damit seien die räumlichen Kapazitäten erschöpft. „Normalbetrieb“ sei erst in Sicht, wenn die coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln aufgehoben werden könnten.

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