Grüne wählen ihre Reserveliste – und lassen Susanne Trautwein-Köhler durchfallen
Keine Mehrheit für Landrats-Kandidatin

Kreis Borken/ Stadtlohn. 120 Grünen-Mitglieder waren zur Wahl der Direktkatdidaten und Reserverliste für die Kreistagswahl angereist. Sie setzten gewissermaßen mehrheitlich ihrer Landratskandidatin Susanne Trautwein-Köhler den Stuhl vor die Tür des Kreishauses: Sie wählten statt der Gronauerin am Samstagnachmittag in der Stadtlohner Stadthalle Vera Timotijevic auf Platz eins der Reserveliste der Grünen für die Kreistagswahl am 13. September.

Montag, 29.06.2020, 06:00 Uhr
Grüne wählen ihre Reserveliste – und lassen Susanne Trautwein-Köhler durchfallen: Keine Mehrheit für Landrats-Kandidatin
Ratlos wirkte der Vorstand der Kreis-Grünen um die beiden Sprecherinnen Monika Ludwig (links) und Gundula Homann (rechts). Kurz zuvor war die Kandidatin der Parteispitze, Landratskandidatin Susanne Trautwein-Köhler, bei der Wahl zur Reserveliste durchgefallen. Fotos: Barnekamp Foto: az

Timotijevic, die zuletzt als scharfe Kritikerin von Kreissprecherin Monika Ludwig aufgetreten war, hatte erst auf der Mitgliederversammlung ihre Kandidatur öffentlich gemacht. Die Bocholter Stadtverordnete bekam 62 Stimmen, Trautwein-Köhler 54. Daraufhin zog Monika Ludwig, die auch Bürgermeisterkandidatin in Bocholt ist, ihre eigenen Kandidatur für Listenplatz drei zurück. Und auch Trautwein-Köhler verzichtete darauf, für einen Platz weiter hinten auf der Reserveliste zu kandidieren.

Bei der Wahl um Platz zwei der Reserveliste, über die erwartungsgemäß die meisten der Grünen-Kandidaten in den Kreistag einziehen, setzte sich im Anschluss Kreistagsmitglied Dietmar Eisele (Ahaus, 71 Stimmen) gegen Stefan Kuhlmann (Gronau, 46 Stimmen) durch. Auf Platz drei wurde nach dem Rückzug von Monika Ludwig Sandra Lentfort aus Vreden gewählt. Platz vier geht an den derzeitigen Fraktions-Vize Jens Steiner (Heek), der sich mit 72 zu 43 Stimmen gegen Kuhlmann durchsetzte. Steiner hatte bei der Wahl zum Grünen-Landratskandidaten im Januar in Gronau noch gegen Trautwein-Köhler den Kürzeren gezogen. Damit setzten sich im Kampf um die vorderen Plätze der Reserveliste vor allem jene Kandidaten durch, die der jetzigen Kreistagsfraktion nahestehen. Kreistagsfraktion und Vorstand der Kreispartei wird seit Jahren ein nicht sonderlich gutes Verhältnis nachgesagt.

Bei ihrer Vorstellungsrede hatte Grünen-Landratskandidatin Susanne Trautwein-Köhler – als hätte sie das Desaster geahnt – noch an die Grünen-Mitglieder appelliert: „Lasst uns weise und mit Bedacht wählen.“ Man solle sich nicht „von alten Fehden leiten lassen“. Auf Nachfrage der Mitglieder musste Trautwein-Köhler aber einräumen, „noch keine Erfahrung in parlamentarischer Arbeit“ zu haben. Die aber hat Vera Timotijevic als Grünen-Stadtratsmitglied schon, wenngleich sie im neuen Bocholter Rat wohl nicht mehr vertreten sein wird. Nachdem Timotijevic Ludwig Machtstreben vorgeworfen und deren Kompetenz infrage gestellt hatte, trat sie nicht mehr als Kandidatin für den Stadtrat an.

Susanne Trautwein-Köhler sagte im Gespräch mit unserer Zeitung, sie sei „schon sehr enttäuscht“, zumal man eine Gegenkandidatin um Platz eins der Reserveliste im Vorfeld verschwiegen habe. „Das ist sehr schade.“ Sie bewertete das Ganze sogar als „extrem parteischädigend.“ Vera Timotijevic hingegen fand, zu einer Wahl „gehört auch eine Auswahl.“

Auf den weiteren vorderen Plätzen der Reserveliste wählten die Grünen, teilweise aus zwei Bewerbern: Platz 5: Claudia Jung (Borken), Platz 6: Heinrich Rülfing (Rhede), Platz 7: Daniela Kersting (Legden), Platz 8: Daniel Leuders (Vreden), Platz 9: Maja Becker (Borken) und Platz 10: Bernhard Lammersmann (Reken). Aktuell sind die Grünen mit fünf Sitzen im Kreistag vertreten.

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