Dr. Fritz Krueger veröffentlicht sein Buch „Blind Man Blues“
Musiker mit Handicap im Blick

Gescher. Mit der Veröffentlichung des Buches „Blind Man Blues“ erfüllt sich Dr. Fritz Krueger (75) aus Gescher einen lang gehegten Traum. Außerdem führt er damit direkt und indirekt seine Leidenschaften und seine Berufungen zusammen.

Dienstag, 14.07.2020, 06:32 Uhr
Dr. Fritz Krueger veröffentlicht sein Buch „Blind Man Blues“: Musiker mit Handicap im Blick
Fritz Krueger präsentiert in seinem Blues-Reich zu Hause sein neues Buch „Blind Man Blues“. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Im Verein zur Pflege der Tonkunst (heute Musikgemeinschaft) in Marl spielte er als junger Mann das Kornett, ein Blechblasinstrument aus der Familie der Hörner. Nach einem Unfall hat er sich auf das Hören von Musik mit Schwerpunkt auf Jazz und Blues verlagert – bis heute, trotz familiärer und beruflicher Ablenkungen und zahlreicher Hobbys.

„Ich habe einen Tick für Sprachen“, gesteht Krueger lachend und verweist auf das 17-bändige Wörterbuch der Brüder Grimm. Deshalb studierte er zunächst Sozio-Linguistik, eine Sonderform der Germanistik, stieß auf die Bedeutung der Sprache in sozialen Gruppen, wurde Sozialarbeiter und sattelte noch das Studium der Erziehungswissenschaften mit dem Erwerb des Doktorgrades drauf.

Von 1975 bis 1989 arbeitete er in Haus Hall in Gescher, danach in Maria Veen als Leiter der Behinderteneinrichtung. Ab 1995 war er Vorsitzender des Vorstands der Josefsgesellschaft in Köln bis zum Ruhestand 2010. Seitdem bringt er seine Erfahrungen als Ombudsmann im Sozialwerk St. Georg in Gelsenkirchen ein.

In seiner Freizeit fährt er viel Fahrrad, hört Musik und hat dieses Buch geschrieben, das mit seinen 132 Seiten recht umfangreich geraten ist. „Das ist mein erstes Buch über meine lebenslange Leidenschaft, die Musik“, so Krueger nach zehn Jahren Recherchearbeit. Krueger ließ das Buch in der Josefs-Druckerei des Josefsheims Bigge, einer Einrichtung für Behinderte, drucken.

Druckort und Inhalt sind ein Spiegelbild seines lebenslangen Engagements und seiner Leidenschaften. Mehr als 2000 CDs, mehr als 800 Langspielplatten und zahlreiche Bücher über Musik hat er zusammengetragen in seinem heimischen Blues-Reich. Dort stehen unter anderem eine Musikanlage aus den 1970er Jahren und ein Grammophon. Täglich hört er dort seine Musik. Dafür ist er auch viel gereist. 2005 war er unter anderem zum Bluesfestival in Chicago. „Heute ist das die Hauptstadt des Blues. Aber solange Trump an der Regierung ist, fahre ich nicht mehr in die USA“, so Krueger.

In seinem Buch hat er über rund 55 schwarze Bluesmusiker, die verschiedenen Stilarten und die Herkunft des Blues geschrieben. „Ich musste vorher herausfinden, welche Musiker behindert sind. Ich habe immer mit behinderten Menschen zu tun gehabt. Deswegen war es mir auch wichtig, dass das Buch über diese Menschen berichtet und dass es von behinderten Menschen gedruckt wird“, ergänzt Krueger. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch. „Wir haben für keines der Porträts die Bildrechte bekommen, deshalb sind es alles Demo-Bilder, die wir dafür gekauft haben“, muss Krueger die Erwartungen etwas einschränken.

0 Dr. Fritz Krueger, Blind Man Blues, ISBN 978-3-00-064820-5, Preis: 20 Euro. Zu beziehen über den Buchhandel oder über Email: ombudsmann@sozialwerk-st-georg.de.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7492667?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947616%2F
Nachrichten-Ticker