Dichterin Petra Fietzek stellte ihr Manuskript „Es ist so seltsam ohne dich“ vor
Von Liebe und Abschied geprägt

Gescher. „Einen lieben, vertrauten Menschen durch den Tod zu verlieren, mit dem Verlust leben zu lernen, ist schwer“, begrüßte Maria Göring-Kemper, eine von sechs Trauerbegleiterinnen und Organisatorinnen des Trauertreffs, die zahlreichen Zuhörer zu einer ganz besonderen Lesung.

Sonntag, 06.09.2020, 20:16 Uhr
Dichterin Petra Fietzek stellte ihr Manuskript „Es ist so seltsam ohne dich“ vor: Von Liebe und Abschied geprägt
Schriftstellerin Petra Fietzek nahm bei ihrer Lesung in der Stadtbücherei die gespannt und berührt lauschenden Zuhörer mit auf eine Reise voller Gefühle, geprägt von Liebe, Abschied, Nähe und Distanz. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Die Coesfelder Schriftstellerin und Dichterin Petra Fietzek, die ihren Mann und Maler Rainer Fietzek durch Krebs 2009 verlor, stellte ihr Manuskript „Es ist so seltsam ohne dich“ in der Stadtbücherei St. Pankratius in Gescher vor.

„2014 habe ich dieses Manuskript geschrieben. Es ist aber keine Autobiografie“, schränkte Fietzek die Erwartungshaltung gleich zu Beginn ein. Fietzek nahm die gespannt und berührt lauschenden Zuhörer mit auf eine Reise voller Gefühle, geprägt von Liebe, Abschied, Nähe und Distanz.

Sie folgte dabei keinem chronologischen Muster, auch wenn sie mit der Erinnerung an das Erwachen ihrer Liebe begann. Beide sind ohne Heimat aufgewachsen: Rainer Fietzek als Flüchtling, Petra Fietzek durch die zahlreichen Umzüge ihrer Familie.

„Wir waren innerlich verwandt. Es war ein Aufgehobensein in uns“, formulierte Petra Fietzek das Band der Verbundenheit. Zusammen fanden sie ihre gemeinsame Heimat in seinem Haus.

Der Zeitsprung nahm die Hörer mit in die Zeit der Erkrankung von Rainer Fietzek nach fast 30 Jahren gemeinsamen Weges. Er stand am Fenster seines Krankenzimmers im vierten Stock, nachdem sie sich von ihm verabschiedet hatte. Am anderen Tag sollte sein Krebsgeschwür entfernt werden, wenn es nicht zu verwachsen sei. „Trost komm zu mir“, erbat sie sich in ihrem Hotelzimmer.

Ganze drei Wochen lag ihr Mann im Hospiz. Längst waren die Fäden der Verbundenheit und des gemeinsamen Lebens gekappt. Er wusste nicht mehr, wie ihr Leben aussah, sie hatte verlernt zu leben. Worte des wohlgemeinten Trostes und der Anteilnahme nach seinem Tod trieben sie noch mehr in die Trauer und in das Gefühl, vollkommen allein und einsam zu sein.

Noch während seiner letzten Lebenswochen schnitt sie ihre Haare ab, die er so liebte. Sie wollte damit ihrem Mann den Abschied erleichtern. „Das dritte Leben hat für mich begonnen, weil ich weiß, dass du woanders auf mich wartest und nicht in deinem Atelier“, formulierte sie ihre Gedanken im dritten Jahr nach seinem Tod.

„Und wann veröffentlichen Sie das Manuskript?“, fragte eine Zuhörerin. „Es ist ein Buch, das bei den Verlagen vom Thema her unten durchfällt. Ich mache mir keinen Publikationsdruck. Kurz nach seinem Tod habe ich einen Gedichtband geschrieben. Der wird nie veröffentlicht, denn das sind wirklich eins zu eins meine Gefühle. Ich lebe auch nicht mehr in dem alten Haus, sondern in einer kleinen Wohnung“, gestand Fietzek am Ende.

7  Termine für die nächsten Trauertreffs: 7. Oktober, 4.  November und 2.  Dezember, jeweils um 19 Uhr im Raum der Tagespflege der Caritas, Hofstraße 11 in Gescher.

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