Gescheranerin Melina Kühl gründet Facebook-Gruppe „Lebensmittel-Rettung“
Gegen den Wegwerf-Wahnsinn

Gescher. Mit „Wegwerf-Wahnsinn“ beschreibt Melina Kühl ein Verhalten, das typisch ist für viele Verbraucher. Es geht um Lebensmittel, die irgendwann in der Tonne landen, obwohl sie noch genießbar wären. „Uns ist das Bewusstsein für Lebensmittel und deren Wert abhanden gekommen“, kritisiert die Gescheranerin. Sie möchte etwas tun und hat deshalb vor gut einem Monat die Facebook-Gruppe Lebensmittel-Rettung Kreis Borken gegründet. Hier geht es darum, dass Mitglieder überschüssige Lebensmittel, für die sie keine Verwendung mehr haben, an andere weitergeben. Oder vielleicht auch Lebensmittel an Bedürftige spenden. „Gegen Verschwendung und Füreinander“, lautet die Devise. Schon über 400 Leute haben sich angemeldet und die ersten Lebensmittel „gerettet“. „Sogar Hundefutter war schon dabei“, schmunzelt Melina Kühl und hofft, dass die Gruppe wächst und auf Dauer zu einer Bewusstseinsänderung beiträgt.

Mittwoch, 23.09.2020, 06:26 Uhr
Gescheranerin Melina Kühl gründet Facebook-Gruppe „Lebensmittel-Rettung“: Gegen den Wegwerf-Wahnsinn
Die Gescheranerin Melina Kühl (32) hat die Facebook-Gruppe „Lebensmittel-Rettung Kreis Borken“ gegründet und möchte dazu beitragen, dass künftig weniger Lebensmittel in der Tonne landen. Foto: Jürgen Schroer

Schon lange ärgert sich die 32-Jährige über das, was sie beim Umgang mit Lebensmitteln beobachtet. Weil immer alles da ist, landet Obst mit einer kleinen Druckstelle in der Biotonne oder werden Produkte mit gerade abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum entsorgt. Auch in Handel, Gastronomie und Landwirtschaft ist die Vernichtung von Lebensmitteln Teil der Produktionskette. Nach aktuellen Statistiken werden allein in Deutschland jährlich etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel insgesamt verschwendet. In den Privathaushalten landen geschätzt 55 Kilogramm pro Kopf und Jahr im Müll. „Das muss einfach nicht sein“, findet Melina Kühl. Als sie vor einigen Wochen im Fernsehen eine Reportage über eine Frau in Rumänien sah, die einen Lebensmitteltausch organisierte, entschied sie sich zur Gründung der Facebook-Gruppe.

Aus Gescher, aber auch aus Stadtlohn, Ahaus, Velen, Vreden und Legden kommen die angemeldeten Mitglieder. Wer Lebensmittel übrig hat, postet das inklusive Standort – Interessenten können sich dann melden und erhalten die Kontaktdaten. Auch haltbare Lebensmittel dürfen gespendet werden, mit denen Bedürftige bei einem Engpass unterstützt werden sollen. Damit möchte Melina Kühl den hiesigen Tafeln keine Konkurrenz machen, sondern nur dort einspringen, wo bestehende Angebote nicht ankommen. Sie hofft, dass weitere Helfer ihr Anliegen unterstützen und hat deshalb Flyer in umliegenden Orten verteilt. Auch eine Vernetzung mit der Corona-Hilfe Gescher wird angestrebt, ein erstes Gespräch hat bereits stattgefunden.

Natürlich ist die Facebook-Gruppe auch dazu da, Tipps im Umgang mit Lebensmitteln weiterzugeben. Melina Kühl, gelernte Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin, hat eine 6-jährige Tochter und möchte ihr früh vermitteln, dass Lebensmittel einen Wert haben. „Man kann Obst, Gemüse oder Kräuter selber anbauen“, empfiehlt sie. Wer keinen Garten habe, könne das auch in Töpfen auf der Fensterbank oder auf der Terrasse tun. Und man solle nur so viel kaufen, wie man wirklich brauche. Dabei helfe ein Wochenplan. Das Wissen, dass Produkte längst nicht schlecht seien, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten sei, müsse in die Köpfe der Verbraucher. Auch in den Kindergärten und Schulen, so die Gescheranerin, könnte noch mehr für einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln getan werden.

Melina Kühl hofft, dass ihre Gruppe auch Familien und Rentner anspricht, stetig wächst und möglichst viele beim Lebensmitteltauschen mitmachen, damit der „Wegwerf-Wahnsinn“ ein wenig eingedämmt wird.

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