Umfrage zur Corona-Situation bei Passanten und Geschäftsleuten in der Innenstadt
Gemütlichkeit zu Hause ist angesagt

Gescher. Es ist ein trüber Herbstvormittag in der Innenstadt von Gescher. Der permanente Nieselregen und der graue Himmel verstärken noch zusätzlich die eigenartige Strahlkraft dieses Tages, zusätzlich zu den Beschränkungen des zweiten Corona Lockdown light. Vereinzelt huschen Personen durch die Innenstadt. Apotheken und Geschäfte mit weihnachtlichen Dekoartikeln profitieren unfreiwillig von dieser Situation.

Freitag, 20.11.2020, 11:40 Uhr
Umfrage zur Corona-Situation bei Passanten und Geschäftsleuten in der Innenstadt: Gemütlichkeit zu Hause ist angesagt
In der Gescheraner Innenstadt ist in diesen trüben Novembertagen, geprägt vom „Lockdown light“, nicht allzu viel los. Die meisten Passanten äußern Verständnis für die aktuellen Beschränkungen und machen es sich zu Hause gemütlich. Fotos: Elvira Meisel-Kemper Foto: az

„Die AHA-Regeln werden von unseren Kunden eingehalten, auch wenn die Schlange wie heute wieder etwas länger ist. Teilweise sind die Leute allerdings ängstlicher“, schildert Beate Reuß (Filialleiterin der Marien-Apotheke) ihren Eindruck. Zu geschätzten 30 Prozent würde sie mehr Fieberthermometer, Schmerzmittel, Medikamente gegen Erkältungen und für die Immunabwehr verkaufen als vor dem zweiten Lockdown, listet Reuß auf. „Unsere Kinder kommen nicht zu Weihnachten. Ich finde die Beschränkungen vollkommen in Ordnung“, schaltet sich ein älterer Kunde in das Gespräch ein, der allerdings ungenannt bleiben möchte.

Sonja Hoppe (43), eine der wenigen Passantinnen in der Innenstadt, stimmt den Maßnahmen ebenfalls zu: „Man sollte das vielleicht wie beim ersten Mal machen, indem man Schulen, Kitas und Geschäfte wieder schließt, damit die Zahlen schneller runtergehen.“ Allerdings sieht sie auch die sozialen Nachteile: „Meine Söhne können ihren Sport nicht mehr machen. Sie können sich nicht mehr auspowern. Sie dürfen keine Freunde mehr treffen. Man fühlt sich irgendwie einsam.“

Auch der zweifachen Mutter Lisa Kloster (32) fehlt der soziale Austausch vor allem im Beruf. Sie ist in der Gastronomie tätig: „Ich vermisse besonders den Austausch mit den Kollegen.“ Kloster findet es allerdings gut, das bei diesem Lockdown Schulen und Kindergärten offen bleiben. „Beim ersten Lockdown war es anstrengender. Für meine Tochter ändert sich fast nichts“, so Kloster. Und noch etwas wünscht sie sich: dass alle gesund bleiben und sie wenigstens Weihnachten im Kreis der Familie feiern könne.

Arbeitslos ist Marvin Borowski (22) trotz des Lockdowns nicht. „Doof ist, dass man sich nicht mit Freunden treffen kann. Gut ist, dass man mehr aufeinander achtet und Rücksicht nimmt. Ich hoffe, dass das nach Corona auch so bleibt“, schiebt Borowski hinterher, der nach eigenem Bekunden keine Probleme hat mit dem Einhalten der AHA-Regeln.

Ängstliche Kunden erlebt Michael Dölle (Inhaber von Hänser-Diehl am Kirchplatz) weniger, dafür beobachtet er den Trend zum verstärkten Erwerb von Deko-Artikeln. „Viele machen sich ihr Zuhause damit gemütlicher. Wir beobachten bei uns auch, dass die Leute mehr vor Ort kaufen, denn es gibt ja keine Weihnachtsmärkte in diesem Jahr“, so Dölle.

Dafür habe der Internet-Versand zugenommen. Das sieht er an der Vielzahl von Paketen, die in seiner Poststelle ankommen. Auf einen anderen Andrang wartet er bisher noch: „Zu Ostern haben die Leute schon mehr Post verschickt. Wir vermuten, dass die Kunden zu Weihnachten noch mehr schreiben.“

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