Stadtbücherei verzeichnet im Corona-Jahr nur Minus von zehn Prozent bei Entleihungen
eMedien und „Tonies“ sind gefragt

Gescher. Im Corona-Jahr 2020 verzeichnet die Stadtbücherei St. Pankratius zwar weniger Besucher als üblich, aber bei den Entleihungen fällt das Minus mit gut zehn Prozent deutlich geringer aus als erwartet. „Das ist ein gutes Ergebnis“, findet Büchereileiter Rüdiger Lerche. Immerhin 95 300 Entleihungen verzeichnet die Statistik, während es im „Normaljahr“ 2019 über 106 000 waren. eMedien, ohnehin im Trend, verzeichnen einen Boom und haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Seit gut einer Woche bietet die Bücherei wieder einen Abholservice an: Leser können sich im Online-Katalog bis zu zehn Titel aussuchen und per E-Mail einen Abholtermin vereinbaren. Am Ausgabefenster der Bibliothek werden die Bestellungen ausgehändigt. „Das wird sehr gut angenommen“, freut sich Mitarbeiterin Britta Wantia-Hovestadt.

Donnerstag, 21.01.2021, 06:34 Uhr
Stadtbücherei verzeichnet im Corona-Jahr nur Minus von zehn Prozent bei Entleihungen: eMedien und „Tonies“ sind gefragt
Gut angenommen wird der Abholservice in der Bücherei: Binnen weniger Tage sind schon rund 130 Abholtermine vereinbart worden. Das Bild zeigt Büchereileiter Rüdiger Lerche und Büchereimitarbeiterin Britta Wantia-Hovestadt vor dem Regal mit den vorbestellten Medien. Foto: Jürgen Schroer

Aus Bücherei-Sicht hatte das Jahr 2020 gut angefangen. Im Januar und Februar lagen die Entleihzahlen über denen des Vorjahres. Dann kam Corona – die Bücherei musste ab Mitte März schließen und bot von Mai bis Mitte Dezember eingeschränkte Öffnungszeiten an, bis der zweite Lockdown begann. Immerhin 26 300 Besucher kamen trotz aller Hygiene- und Schutzauflagen in die Einrichtung an der Eschstraße, deutlich weniger als im Vorjahr (circa 47 000). Besonders im Dezember war die Nachfrage hoch: „Allein am letzten Öffnungstag hatten wir fast 2500 Entleihungen“, staunt Lerche.

Zugelegt haben im vergangenen Jahr nur die beliebten Hörfiguren „Tonies“ für Kinder (+ 69 %) und die eMedien, die über das Portal bib-load.de heruntergeladen werden können (+ 21 %). Bei Belletristik gab es einen Rückgang um 11,5 Prozent, bei Jugendbüchern um 17,4 Prozent. Auch Sachbücher für Erwachsene waren weniger gefragt als üblich (- 19,6 %), was sich ebenfalls mit der Gesamtlage erklären lässt: „Reiseführer wollte kaum jemand“, so Lerche. Seit Jahren rückläufig sind die Entleihzahlen für CDs und DVDs, was sich mit den boomenden Streamingdiensten erklärt. Auch Konsolenspiele sind kaum noch gefragt und können jetzt gratis entliehen werden.

Viele Veranstaltungspläne hat Corona durchkreuzt. Immerhin konnte die Bibfit-Aktion für Kindergartenkinder abgeschlossen werden, und auch der Sommerleseclub hat stattgefunden, allerdings ohne Aktionen und Abschlussparty. „Für 2021 haben wir einiges geplant“, kündigt Lerche an. Dazu zählt beispielsweise die Nacht der Bibliotheken am 19. März, wenn fünf Gescheraner Prominente in der Bücherei lesen werden – sofern das dann wieder möglich ist. Eine digitale Variante oder ein Verschieben wird bereits erwogen. Vorlesewettwerb, Literaturgesprächskreis, Führungen für Kindergartenkinder und Schüler, der Sommerleseclub mit Abschlussparty, eine Lesung mit Hermann Wenning, all das steht auf dem Programm, wenn die Pandemielage das zulässt.

Ausgeweitet werden sollen die digitalen Angebote. Dazu zählt die Einführung einer App für das Online-Angebot der Bücherei auch für Apple-Geräte. Außerdem wollen sich die Büchereien im Bistum Münster 2021 einem Filmportal namens „filmfriend“ anschließen, das registrierten Büchereinutzern den Zugang zu ausgesuchten Filmen ermöglicht. Als Serviceverbesserung hat der Büchereibeirat beschlossen, dass die Verlängerung der Leseausweise auch per Lastschrift möglich ist. Dazu muss ein SEPA-Lastschriftmandat erteilt werden – das entsprechende Formular lässt sich über die Homepage der Bücherei downloaden.

„Wir sind froh, dass wir auch in dieser Situation für unsere Leser da sein können“, sagt Rüdiger Lerche. Und mit Blick nach vorne hat auch das Büchereiteam, den dringlichen Wunsch, dass so schnell wie möglich so viel Normalität wie möglich einkehren möge.

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