Kein Karnevalsumzug wegen Corona – Prinzessin Marion I. (Pierk) bleibt ein weiteres Jahr im Amt
„Sich einfach des Lebens freuen“

Gescher. Keine Umzüge, kein Kneipenkarneval, keine Party: Corona bremst auch die Karnevalisten in Gescher aus, die an diesem Wochenende ihren Sessionshöhepunkt feiern würden. Marion I. (Pierk), Geschers erste Prinzessin, bleibt ein weiteres Jahr im Amt. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Jürgen Schroer äußert sie sich zur aktuellen Situation – und macht Mut für die Zukunft.

Samstag, 30.01.2021, 07:58 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 17:49 Uhr
Kein Karnevalsumzug wegen Corona – Prinzessin Marion I. (Pierk) bleibt ein weiteres Jahr im Amt: „Sich einfach des Lebens freuen“
Als erste Frau stand Marion I. (Pierk) im vergangenen Jahr in der Karnevalsglocke. An diesem Sonntag würde eigentlich ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin das Zepter übernehmen. Doch die Corona-Pandemie lässt keinen Umzug zu, Prinzessin Marion bleibt ein weiteres Jahr im Amt. Foto: Kortbus

Helau! Eigentlich wäre Gescher jetzt im Feiermodus, Sonntag würde der große Umzug rollen. Wie besch… ist die aktuelle Situation aus Karnevalisten-Sicht?

Marion I.: Das ist schon ganz schön traurig! Mein Karnevalsmotto ist das Lied von den Höhnern „Komm wir halten die Welt an, um ewig zu bleiben“. So wörtlich hatte ich das eigentlich nicht gemeint. Dass ein Virus die Welt und den Karneval so ausbremsen kann, das konnte sich wohl niemand vorstellen.

Findet denn rein gar nichts statt?

Marion I.: Im Kleinen finden sicherlich Aktionen statt, nur eben anders als gewohnt und fast ausschließlich virtuell. Mein Weihnachtsbaum ist traditionell als Karnevalsbaum umdekoriert, die Puppe vor der Tür ist passend zum Bacchus-Samstag karnevalistisch gekleidet – der Karneval kann starten.

Was raten Sie den Gescheranern? Sollen sie das Wochenende besser verschlafen oder einfach zu Hause mit Bier, Sekt oder Wässerchen auf den Nicht-Karneval anstoßen?

Marion I.: Man muss aus jeder Situation immer das Beste machen und versuchen, die gute Laune zu behalten. Wer den Karneval im Herzen hat, der kann auch im allerkleinsten Kreis feiern und sich des Lebens freuen. Dieses Wochenende zu verschlafen ist also keine Option. Auch wenn es in diesem Jahr keinen Umzug gibt und wir nicht zusammen in der Stadt feiern können, so ist doch trotzdem Karneval. Ich werde sicherlich mein Prinzessinnengewand anziehen und diesen Tag gebührend und mit passender Musik begehen. Als kleine Alternative zum Karnevalsumzug hat mein Stammtisch, der „Plattdütske Kringel“, auf dem Umzugsweg kleine Helau-Tigerenten positioniert. Es würde mich freuen, wenn sich viele Familien und Närrinnen und Narren in den nächsten Tagen, gerne auch kostümiert, auf den Weg machen, um diese Enten zu finden. Sie sind mit einem Buchstaben versehen, zusammen bilden sie ein Lösungswort. Ich bin gespannt, wer die Lösung herausbekommt und sich am Ende über ein Präsent freuen darf.

„Endlich mal ´ne Frau“, lautet das Sessionsmotto. Wie stolz sind Sie, als Geschers allererste Prinzessin in die Ortsgeschichte einzugehen? Gab es nur positive Reaktionen oder hat auch mal jemand gelästert?

Marion I.: Unsagbar stolz! Es hat einige Zeit gedauert, bis ich wirklich begriffen habe, was das bedeutet. Das ist wirklich der Wahnsinn. Ich habe nur eine einzige kritische Rückmeldung bekommen von jemandem, der mit einer Karnevalsprinzessin nicht so einverstanden war. Der sagte aber dann, wenn schon eine Prinzessin, Marion, dann du. Ansonsten habe ich nur begeisterte Rückmeldungen bekommen, sowohl von Frauen als auch von Männern.

Wie wichtig sind Frauen für den Karneval in Gescher?

Marion I.: Für mich sind Frauen genauso wichtig für den Karneval als Männer auch. Ich verstehe gar nicht, warum dies in der heutigen Zeit noch so ein großes Thema und nicht schon längst selbstverständlich ist. Umso mehr freut es mich, dass die Gescheraner Karnevalisten den Schritt gewagt und erstmalig eine Prinzessin erkoren haben.

Erst kam Sturmtief Sabine, dann Virus Corona. Wie sehr hadern Sie damit, dass ausgerechnet Geschers erste Prinzessin mit solchen Widrigkeiten leben muss?

Marion I.: Damit hadere ich nicht. Es gibt viel Schlimmeres. Und ich hatte trotz Corona so viele schöne und unvergessliche Momente, die ich niemals missen möchte.

Na ja, immerhin bleiben Sie im Amt und kommen – wenn der Umzug 2022 planmäßig stattfindet – auf 741 Tage Regentschaft. Das reicht dann aber auch, oder?

Marion I.: Die Hälfte der 741 Tage zählt ja nicht, die hat es ja sozusagen gar nicht gegeben… – es sind fast alle karnevalistischen Aktionen ausgefallen. Da würde ich schon noch gerne einiges nachholen wollen. Wenn ein neuer Prinz oder eine neue Prinzessin aber bedeutet, dass wir Corona endlich im Griff haben und etwas zur Normalität zurückkehren können, dann ist das ein guter Grund abzutreten.

Wie ist die Stimmung bei den Stadtkarnevalisten? Ist der Zusammenhalt noch da, auch wenn viele Veranstaltungen und Treffen weggebrochen sind?

Marion I.: Wer die Gescheraner Stadtkarnevalisten kennt, der weiß, wir sind nicht unterzukriegen. Wir warten nur auf den Startschuss, dann geht’s wieder los.

Trotz Krise Frohsinn verbreiten, das haben sich die Karnevalisten vorgenommen und veröffentlichen täglich ein spaßiges Video auf YouTube. Ist das gut angekommen?

Marion I.: Das ist supergut angekommen, was man an den vielen Klicks, die die Videos bekommen haben, sehen kann. Die Videos haben während des Lockdowns Frohsinn und Freude in viele Familien gebracht. Mit ihnen haben wir mehr Menschen erreicht, als dies mit den Büttabenden möglich gewesen wäre. Da haben sich echte Talente aufgetan, die sich wärmsten für die Zukunft empfehlen. Ein ganz besonderen Dank gilt den vielen Akteuren und vor allem Ansgar Höing, der seit Wochen täglich viel Zeit und Herzblut investiert hat, um diese Beiträge zu bearbeiten und online zu stellen.

Wie groß ist die Hoffnung auf eine ganz normale Session 2021/2022? Und auf welche Termine freuen Sie sich dann?

Marion I.: Ich bin da verhalten optimistisch. Meine Hoffnung ruht klar auf der zweiten Jahreshälfte, um dann dort anzuknüpfen, wo im vergangenen Jahr alles geendet ist.

Kommt dann Prinzessin Nummer zwei? Oder sind jetzt erst wieder Männer dran?

Marion I.: Alles ist möglich, und das ist das Schöne. Damit bleibt die Nachfolge umso spannender.

Was geht 2022 ab, wenn hoffentlich wieder normal gefeiert werden kann?

Marion I.: 2022? Ich bin da optimistischer, ich hoffe, dass wir bereits in diesem Jahr bereits wieder zünftig und ohne Abstand miteinander feiern können. Das ist mein größter Wunsch, darauf ein dreifach kräftiges „Gescher Helau“, sagt die 1. Karnevalsfrau.

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