Sabine Stockhorst hat einen Heißmangel-Betrieb im eigenen Keller eröffnet
Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt

Gescher. Sabine Stockhorst hat nicht lange gezögert, als Lisa Rotaru ihre professionelle Heißmangel zum Verkauf angeboten hat. Viele Jahre hat das etwa 300 Kilogramm schwere Gerät im Hause Flucks in der Straße „Zur Rauschenburg“ gestanden, wo die Eltern von Lisa Rotaru und später sie selbst einen Heißmangelbetrieb führten.

Dienstag, 02.02.2021, 06:30 Uhr
Sabine Stockhorst hat einen Heißmangel-Betrieb im eigenen Keller eröffnet: Sprung ins kalte Wasser hat sich gelohnt
Sabine Stockhorst hat den Sprung in die Selbstständigkeit nicht bereut. Sie hat einen Heißmangel-Betrieb im Keller ihres Hauses eröffnet. Foto: az

Sabine Stockhorst hat die Heißmangel erworben und ein Kleingewerbe in ihrem Haus in der Goethestraße 12 angemeldet. „Anfangs ist meine Familie skeptisch gewesen“, erinnert sich die zweifache Mutter. Doch sie ließ nicht locker und setzte ihren Traum von der Selbstständigkeit um. Sabine Stockhorst hat damals eine Ausbildung als Zahnarzthelferin absolviert und auch in ihrem Beruf gearbeitet. Nun könne sie als Mutter von zwei kleinen Töchtern (zwei und fünf Jahre alt) ihre Zeit für das Heißmangeln prima selbst einteilen.

Das schwere Gerät wurde mit großem Aufwand in den Keller von Familie Stockhorst gewuchtet. Sogar das Treppengeländer im Hause musste für den ungewöhnlichen Transport abmontiert werden. „Aber es hat sich gelohnt“, resümiert Sabine Stockhorst. Sie ist ihre eigene Chefin. Das Mangeln habe sie sich selbst beigebracht. „Übung macht den Meister“ , sagt sie und freut sich, dass ihre Kunden von ihrer Arbeit begeistert sind. Vor allem Tischdecken und Bettwäsche bearbeitet Sabine Stockhorst. „Tischdecken müssen zwei Mal durch die Mangel gedreht werden“, sagt sie. Je nach Material kann sie verschiedene Temperaturen bis zu 180 Grad wählen. Doch bevor die Stoffe durch die zwei parallel verlaufenden Walzen gedreht werden, feuchtet sie diese tags zuvor an, rollt sie zusammen und wickelt sie über Nacht in eine Folie, damit sie die richtige Feuchtigkeit für die Bügelmaschine haben. Auf einem großen Tisch faltet Sabine Stockhorst die Wäsche auf.

Die Kosten für den Kunden werden je nach Größe der Wäsche ermittelt. „Tischdecken mit Spitzen muss ich noch nachbügeln“, erläutert die Geschäftsfrau. „Man wächst mit den Aufgaben“, ist sie sich sicher. Inzwischen bügelt sie auch Oberhemden und Blusen.

Zum Teil konnte Sabine Stockhorst den Kundenstamm von Lisa Rotaru übernehmen. Inzwischen habe sie auch Kunden aus Stadtlohn, Holtwick und Coesfeld. „Es gibt schon lange nicht mehr so viele Heißmangel-Betriebe wie früher“, weiß Sabine Stockhorst. Das Heißmangeln von Wäsche sei Luxus, den sich aber noch viele Menschen gönnen würden. Denn die Kunden würden auch aus hygienischen Gründen darauf setzen, dass ihre Wäsche mit der Heißmangel bearbeitet werde. Außerdem passe die geglättete Tisch- oder Bettwäsche dann besser in den Schrank und verschmutze nicht mehr so schnell, wie ihr manche Kunden immer wieder versichern würden. Das würde auch das Stärken der Wäsche bewirken, die Sabine Stockhorst auch durchführt.

Gerade während der Corona-Pandemie sei es wichtig, dass die Übergabe der Wäsche kontaktlos erfolge. So deponieren die Kunden ihre Wäsche in einer Box, aus der Sabine Stockhorst diese entnimmt. Auf einem angehefteten Zettel stehen der Name und die Adresse des Kunden.

Sabine Stockhorst hat es bisher nicht bereut, sich mit einem Heißmangel-Betrieb selbstständig gemacht zu haben. „Das macht mir sehr viel Spaß“, sagt sie. Auch die Familie profitiere davon. Denn nun gebe es auch zu Hause gemangelte Bett- und Tischwäsche. Die beiden kleinen Töchter seien auch begeistert von „Mamas neuer Arbeit“. Oft „unterstützen“ sie ihre Mutter im Keller, indem sie an zwei Kinderbügelbrettern „arbeiten“.

Das neue Geschäft hat auch ein eigenes Logo, das ein Freund von Sabine Stockhorst aus Kapstadt entworfen hat. Es ist eine originelle Bleistiftzeichnung, auf der die Chefin selbst mit einer Schleife im Haar zu erkennen ist, wie sie in früheren Zeiten, in den fünfziger Jahren, üblich gewesen ist, um die Haarpracht während der Arbeit zu bändigen.

Sabine Stockhorst geht davon aus, dass ihr Heißmangelbetrieb einer der letzten solcher Betriebe ist. In ihrer Kindheit habe es sehr viel mehr Läden mit Bügelmaschine gegeben. So bedeute es ihr sehr viel, ihren Kunden dieses Angebot weiterhin machen zu können.

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