Dr. Heiner Ehling warnt vor zu hohen Erwartungen
„Strategie für Schnelltests fehlt“

Gescher. Grundsätzlich hält Dr. Heiner Ehling, Facharzt für Allgemeinmedizin, Corona-Schnelltests für sinnvoll. „Damit könnte man weitere Öffnungsmaßnahmen wie zum Beispiel in Bildungseinrichtungen verantworten“, sagt der Mediziner.

Mittwoch, 24.02.2021, 06:29 Uhr
Dr. Heiner Ehling warnt vor zu hohen Erwartungen: „Strategie für Schnelltests fehlt“
Dr. med. Heiner Ehling, Facharzt für Allgemeinmedizin, bemängelt, dass bislang eine Strategie für die Corona-Schnelltests fehlt. Fotos: Archiv Foto: az

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat erst vor ein paar Tagen angekündigt, dass diese PCR-Schnelltests, mit denen sich eine Covid-19-Erkrankung nachweisen lässt, ab Anfang März der gesamten Bevölkerung angeboten werden könnten. „Das halte ich für vollkommen utopisch“, kommentiert Dr. Ehling.

Der Mediziner hat große Zweifel daran, dass das Testen auf Anhieb organisatorisch umgesetzt werden kann. In der Bevölkerung würden wieder einmal sehr hohe Erwartungen geweckt, die so nicht erfüllt werden könnten. „Wir brauchen eine Vorlaufzeit“, macht Dr. Heiner Ehling deutlich. „Das ist alles nicht zu Ende gedacht“, fügt er hinzu. Die Kommunen würden vor denselben Herausforderungen stehen.

Dem ganzen Vorgehen müsse eine Strategie zugrundeliegen. Diese sei aber aktuell nicht erkennbar, bedauert Dr. Ehling. Nach einem Jahr Corona-Pandemie sei es für die Politik endlich an der Zeit, aufeinander abgestimmte Maßnahmen zu ergreifen. „Das schafft Missstimmung und Misstrauen in der Bevölkerung“, bedauert Dr. Ehling.

Die Corona-Schnelltests zur Eigenanwendung müssten technisch einwandfrei sein. Zur Eindämmung der Pandemie könnten Schnelltests aber nur beitragen, wenn sie korrekt angewendet würden, warnt der Mediziner. Durch falsche Probenahme oder Ergebnisdarstellung können Infektionen möglicherweise nicht erkannt werden. Auch müsste jeder, der sich zu Hause selbst teste, Eigenverantwortung für sich selbst und auch Verantwortung für sein Umfeld übernehmen, falls das Testergebnis auf eine Covid-19-Infektion hindeute.

„Man muss ehrlich mit dem Testergebnis umgehen und verantwortungsbewusst handeln“, betont Dr. Ehling im Hinblick darauf, dass eine Infektion beim Gesundheitsamt oder Hausarzt gemeldet werden und sich der Infizierte in Quarantäne begeben müsse.

Für Dr. Heiner Ehling ist aber auch klar, dass mit den Schnelltests das Corona-Virus nicht abgeschafft werden könne. „Mit den Tests verschaffen wir uns nur einen Überblick“, sagt er. Wichtig dabei ist, dass ein PCR-Test immer nur eine Momentaufnahme liefert. Das Testergebnis spiegelt die Infektionslage lediglich zum Zeitpunkt der Entnahme wider.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte muss nun aber zunächst noch Sonderzulassungen für Laien-Tests genehmigen. Bisher sind fast 30 Anträge von verschiedenen Herstellern gestellt worden. Bei den meisten Tests-Kits für zu Hause handelt es sich laut den Herstellern um Spuck- oder Gurgeltests. Sie haben den Vorteil, dass der für manche Menschen unangenehme Nasen-Rachen-Abstrich wegfällt, da Erreger direkt aus dem Speichel nachgewiesen werden können.

0 Da Covid-19 eine meldepflichtige Erkrankung ist, durfte bislang nur geschultes Personal Corona-Antigentests beispielsweise in Arztpraxen, Pflegeheimen oder Apotheken durchführen. Künftig ist es nun auch Privatpersonen erlaubt, Tests zur Eigenanwendung in der Apotheke zu kaufen und selbst vorzunehmen. Möglich macht das eine Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung durch das Bundesgesundheitsministerium. Die gesetzliche Voraussetzung ist also geschaffen, doch nach wie vor können Verbraucher keine Tests kaufen, denn aktuell sind noch keine entsprechenden Produkte zugelassen.

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