Stadtlohner (26) vom Vorwurf der sexuellen Nötigung freigesprochen
„Wir haben nichts gemacht, nur gezockt und Fernsehen geschaut“

Gescher/ Ahaus. Es war der 22. oder der 23. Februar 2020, als in einer Wohngruppe junger Erwachsener in Gescher die Freundin eines Wohngruppenmitglieds von einem Stadtlohner sexuell belästigt und körperlich verletzt worden sein soll. Der Richter und die Schöffen am Amtsgericht in Ahaus sprachen den 26-jährigen Stadtlohner allerdings frei.

Donnerstag, 08.04.2021, 07:02 Uhr

Es war die Karnevalszeit, als sich die damals 18-jährige junge Frau im Zimmer ihres 22-jährigen Freundes in der Wohngruppe aufhielt, um mit drei weiteren jungen Erwachsenen die Zeit zu verbringen. In der Anzeige bei der Polizei Anfang April 2020 hatte die Geschädigte Angaben zu dem Vorfall gemacht, die mit ihrer Aussage vor Gericht nicht immer übereinstimmten.

In der Anzeige hieß es, der Angeklagte habe auf der Couch gesessen. Im Zeugenstand gab die junge Frau an, er habe auf dem Bett gesessen. Das bestätigte auch der Angeklagte. Er stritt allerdings bis zum Freispruch ab, die junge Frau gegen ihren Willen entkleidet und sexuell bedrängt zu haben. „Wir haben nichts gemacht, nur gezockt und Fernsehen geschaut“, gab der Stadtlohner vor Gericht zu Protokoll.

Vor Gericht gab die Geschädigte an, dass sich der Angeklagte neben sie auf das Bett gesetzt habe. Eigentlich wollten sie Playstation spielen, doch dann habe der Angeklagte angefangen, sie auszuziehen. Der Richter fragte intensiv nach den einzelnen Vorgängen des Ausziehens, um die Widersprüche mit der Anzeige bei der Polizei zu klären.

„Ich wollte das nicht. Er hat einfach weitergemacht“, sagte die Geschädigte aus. Er habe sie durchgekitzelt, war eine andere Aussage von ihr. Dabei habe er angefangen, sie auszuziehen. Erst die Hose, dann die Schuhe und die Unterhose und nachher auch die Bekleidung des Oberkörpers. Die anderen hätten gesagt, das ginge gar nicht.

Der Freund der Geschädigten hat als Bewohner des Zimmers Hilfe geholt. An den Betreuer konnte sie sich nicht mehr erinnern. Sie sei vollständig nackt gewesen. Der Angeklagte habe sie auch sehr intim berührt, gab sie vor Gericht an. Bei der Polizei habe sie das so nicht geschildert, weil es ihr peinlich gewesen sei.

Der Freund der Geschädigten konnte sich an gar nichts mehr erinnern. Zwei weitere Zeuginnen, 21 und 23 Jahre alt aus Coesfeld, hatten auch nur lückenhafte, widersprüchliche Erinnerungen oder waren bei dem Vorfall nicht dabei.

Die behandelnde Ärztin der Geschädigten hatte von ihr persönlich die Geschichte gehört, bei der die Geschädigte zwei blaue Flecken an den Oberarmen davongetragen hat. Die junge Frau hätte das erste Mal von so einem Vorfall der Ärztin berichtet.

Der Richter und die beiden Schöffen folgten dem Staatsanwalt. „Es gibt drei Versionen des Geschehens. Irgendetwas ist passiert. Es ist nicht feststellbar, was passiert ist und strafrechtlich relevant ist“, begründete der Richter den Freispruch des nicht vorbestraften Angeklagten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7905863?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F7095333%2F947616%2F
Nachrichten-Ticker