Im Kindergarten St. Nikolaus werden die klassischen Gruppen durch Funktionsbereiche ersetzt
Offen für Eigeninitiative

Holtwick. Geduldig werkelt Milla an der großen Garage. „Für meinen Trecker“, erklärt sie und schichtet Holzklotz um Holzklotz aufeinander. Dass sie ein Tor vergessen hat, stellt kein Problem dar: „Dann ist die Einfahrt eben von oben.“ Alles eine Frage der Kreativität – und die lebt Milla gerne in der Bauecke aus. Dort darf sie sich jederzeit aufhalten, denn das gehört zum offenen Konzept, das der Kindergarten St. Nikolaus Holtwick umsetzt: Es gibt keine klassischen Gruppen mehr, sondern vielseitige Funktionsbereiche.

Mittwoch, 03.09.2014, 18:06 Uhr

Auf dem Weg sei die Einrichtung schon länger gewesen. „Gruppenübergreifende Angebote wie eine Spielecke im Flur hatten wir schon“, sagt Leiterin Ruth Grevenbrock. Daraus sei die Idee entstanden, sich komplett „zu öffnen“: Es gibt den Bereich „Bauen und Konstruieren“ im Flur, daneben eine kleine Bewegungslandschaft, es gibt eine Werkstatt für Malen und Gestalten, natürlich die Turnhalle, aber auch das „grüne Zimmer“, in dem Rollenspiele oder Lesestunden angeboten werden. Jeder einzelne Bereich könne viel intensiver als Lerninsel wahrgenommen werden, erläutert Ruth Grevenbrock: „Hier bekommen die Kinder nicht mehr von allem ein bisschen angeboten, sondern können umfangreicher in die Themen einsteigen.“ Die Eigeninitiative werde maßgeblich gefördert. „Die Kinder entwickeln ihre eigenen Ideen“, hat sie beobachtet. „Uns Erzieherinnen und Erzieher benötigen sie meist nur als Unterstützer.“

Natürlich seien die wichtigen Aspekte, die eine klassische Gruppenarbeit ausmachen, nicht völlig ausgespart. Nach wie vor werde ein Morgenkreis eingerichtet, in dem vorgestellt werde, wann wo welche Angebote des Tages stattfinden. Und selbstverständlich werde auch jeder Geburtstag im Stuhlkreis gefeiert. „Ansonsten melden sich die Kinder morgens wenn sie kommen bei einem Teammitglied“, erklärt die Leiterin. „Dann suchen sie je nach Neigung ihre Funktionsbereiche auf.“

Wichtig ist dem Team, dass die Kinder mit dieser veränderten Arbeit nicht überfordert werden. „Den U 3-Bereich haben wir davon abgetrennt“, verweist Ruth Grevenbrock darauf, dass die jüngsten Kinder sehr wohl weiterhin in festen Strukturen betreut werden, ebenso wie die Waldgruppe. Auch die Kinder, die in den „großen Bereich“ wechseln, können sich behutsam gewöhnen. Für sie gibt es in einem früheren Nebenraum die sogenannte „Villa“ mit verschiedenen Materialien, um Schritt für Schritt im „offenen Konzept“ anzukommen.

Die Erfahrungen seien durchweg positiv. „Die Kinder sind sehr konzentriert bei der Sache und organisieren sich selbst untereinander“, berichtet die Leiterin. Die Sprache sei dabei unheimlich wichtig. „Wir vom Team sind Begleiter und Beobachter, die da Impulse geben, wo es nötig ist.“ Ansonsten sei der Kindergarten-Alltag davon geprägt, dass die Kinder intensiv voneinander lernen.

In die Beobachterrolle dürfen auch die Eltern jederzeit schlüpfen. Und den Tag der offenen Tür für die Neulinge, in dem sich die Einrichtung im schönsten Licht präsentiere, oder den Infoabend soll es künftig nicht mehr geben. „Wir möchte lieber, dass die Eltern mit uns nach den Herbstferien einen Termin vereinbaren“, betont Ruth Grevenbrock. „Dann können sie für etwa eine Stunde kommen und ihre Eindrücke im laufenden Betrieb sammeln.“

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