Wirtin Zita Bennemann (76) geht in den Ruhestand / Gaststätte in vierter Generation geführt
Fast 60 Jahre an der Theke

Osterwick. „Ich könnte ein dickes Buch darüber schreiben, was sich alles an der Theke in der Kneipe abgespielt hat“, lacht Zita Bennemann, die Wirtin der Altdeutschen Pilsstube in der Hauptstraße in Osterwick. Aber was ihr die Gäste in all den Jahren im einzelnen anvertraut haben, während sie Pils gezapft hat, verrät sie natürlich nicht. „Das muss geheim bleiben.“

Mittwoch, 17.09.2014, 06:24 Uhr

Zita Bennemann verabschiedet sich am 26. September von ihren lieb gewonnenen Gästen. Nach fast 60 Jahren sei es Zeit, endlich in den Ruhenstand zu gehen, findet die 76-Jährige. Die rüstige Rentnerin in spe hat die Gaststätte als Familienbetrieb in der vierten Generation geführt. Am 2. Oktober übernehmen die vier Geschwister Sengenhorst aus Osterwick das traditionsreiche Lokal. „Gewissermaßen bleibt die Pilsstube in der Familie“, schmunzelt Zita Bennemann. Denn die Großmutter des Geschwister-Quartetts ist eine Cousine von Zita Bennemanns Mutter.

Die scheidende Gastwirtin hat die Kneipe, die damals noch „Veltkamps Paoters Fättken“ hieß und damit an die ehemalige angegliederte Brennerei erinnerte, von ihrem Vater Leo Veltkamp übernommen. Dieser war ein Enkel des Gründers Josef Veltkamp, der das Haus in der Hauptstraße im Jahre 1839 erbaut hat. Alle Namen der Paare, die die Gastwirtschaft geführt haben, sind in die Sandstein-Einfassung des Kamins eingemeißelt.

Zita Bennemann hat bereits als 18-Jährige hinter der Theke gestanden und die Gäste bewirtet. Auch nach ihrer Hochzeit mit dem Südlohner Viehhändler Johannes Bennemann war Zita weiterhin für die Gaststätte verantwortlich. „Das war manchmal gar nicht einfach“, verrät die Seniorin. Schließlich hat sie die Gaststätte damals immer erst spät in der Nacht geschlossen, und ihr Mann musste morgens in aller Frühe aufstehen.

Gern nutzten die Jäger das Lokal als Treffpunkt. An den Zimmerwänden hängen Trophäen, die Johannes Bennemann, selbst einmal passionierter Jäger, geschossen hat. Anfang der achtziger Jahre hat Familie Bennemann die Gaststätte komplett renoviert.

Vieles habe sich im Laufe der vergangenen sechs Jahrzehnte in der Gastronomie verändert, blickt Zita Bennemann zurück. „Den klassischen Dämmerschoppen nach der Arbeit gibt es nicht mehr. Heute machen die jungen Leute die Nacht zum Tag.“ Damals habe das Glas Bier 35 Pfennige gekostet; für drei Glas habe der Gast eine Mark bezahlt. Anfangs wurde bei Veltkamp Bier von der Dortmunder Actienbrauerei (DAB) ausgeschenkt; später floss nur noch König Pilsener aus dem Zapfhahn. „Pils pur mochte ich nie“, verrät die Wirtin. Aber Radler oder Tango – Pils mit Regina, auch Emslandbrause genannt – trinkt sie gerne.

In den vergangenen vier Jahren hatte die Wirtin ihre Kneipe nur noch am Wochenende geöffnet. Aus Altersgründen hat sie nun das Haus samt Gaststätte verkauft. Kurzerhand hat sie ein Schild mit der Aufschrift „Talent gesucht“ an die Straße gestellt. Binnen drei Wochen war mit den Geschwistern Sengenhorst die Nachfolge gesichert. „Die wissen die urgemütliche Atmosphäre in einer etablierten Kneipe für Jung und Alt zu schätzen“, freut sich die Seniorin.

Zeit für Wehmut kommt nicht auf. Denn jetzt konzentriert sich Zita Bennemann mit ihrem Mann auf den Neubau eines Wohnhauses am Natz-Thier-Weg in Osterwick – Tür an Tür mit Sohn Stefan, Schwiegertochter Beate und den beiden Enkeltöchtern Hannah (11) und Thea (9).

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