Autorin Sandra Lüpkes begeistert mit Krimi-Kurzgeschichten und neu interpretierten Adventsliedern
Weihnachtszauber mit Zaziki

Rosendahl. Nein, das ist nicht gelaufen wie gedacht. Dabei hatte der Abend so schön weihnachtlich begonnen. Beim Griechen, mit Gurkenscheiben, die zu kleinen Tannenbäumen ausgestochen sind. „Mit ein bisschen Zaziki sieht das aus wie Schnee“, lässt Sandra Lüpkes ihre Protagonistin schwärmen. Dass dieses „Weibertreffen“ mit einer Silberbrosche endet, die dazu benutzt wird, eine Hand blutig auf die Tischplatte zu nageln, bitteschön, das kann passieren. Das Fest der Liebe ist eben nicht mehr, was es mal war.

Donnerstag, 27.11.2014, 08:54 Uhr

Lesung ist nicht gleich Lesung. Da gibt es die Abende, an denen Autoren aus ihren interessanten Büchern vortragen. Und dann sind da Veranstaltungen wie diese – mit einer Sandra Lüpkes, die ihre Kurzgeschichten so intensiv präsentiert, dass die Figuren vor dem geistigen Auge lebendig werden. Wenn sie die verzweifelte Mutter gibt, das schnippische Weibsbild beim Wichtelabend, selbst die heldenhafte Taube auf dem Weihnachtsmarkt, die Münsteranerin lebt ihre Figuren. Und das kommt an beim Publikum der beiden restlos ausverkauften Lesungen unter dem Motto „O du tödliche“ im Bahnhof Darfeld. „Ich bin völlig begeistert von ihrer Stimme“, schwärmt Brigitte Kreutzfeldt als treue Besucherin des Rosendahler Kulturprogramms. „Es kommt auf die Art des Vortrags an, und das macht sie ganz toll.“

Drei „Auftragsmorde“ stellt sie vor. So nennt die Autorin ihre weihnachtlichen Kurzkrimis, die sie als Auftragsarbeit für verschiedene Bücher geschrieben hat. Und das passt durchaus in die Zeit, betont sie: „Statistisch gesehen werden nach Weihnachten die meisten Scheidungen in die Wege geleitet.“ So nimmt sie die Zuhörer mit zu einem Banküberfall, den die klamme Mutter unternehmen will, um die Wünsche ihrer Kinder zu erfüllen. Weil sie alleinerziehend ist, muss sie die Sprösslinge dabei mitnehmen – und sie macht die Erfahrung, dass sie die Idee nicht exklusiv hatte und sich auch Bankräuber vordrängeln . . .

Anschließend schlüpft sie in die Rolle der Taube Durugu, die mit ihrem türkischstämmigen Taubenkumpel Mustafa, der lieber Döner als Grillwurst mag, auf dem Münsteraner Weihnachtsmarkt einen Drogendealer überführt und nebenbei noch mächtig Eindruck bei den Taubenmädels schindet, die auf dem zweiten „a“ bei Karstadt sitzen. Zur Höchstform läuft Sandra Lüpkes auf, als sie „fast autobiografisch“ den Wichtelabend (norddeutsch Julklapp) vier gestandener Damen im griechischen Restaurant schildert, der durch ein überraschendes Geschenk ganz anders als erwartet verläuft. Da muss im Publikum so manche Lachträne weggewischt werden.

Dabei ist die Pastorentochter, die 23 Jahre auf Juist gelebt hat und seit sieben Jahren im Münsterland ihre Heimat gefunden hat, nicht nur Autorin. Sie singt auch – und das macht sie so gut, dass sie mühelos die Zuhörer mit ihren eigenen Interpretationen bekannter Weihnachtslieder in den Bann zieht. Da geht es jazzig zu, rockig, selbst im Country-Style. Wenn sie „Maria durch den Dornwald ging“ auf ihre eigene Art präsentiert oder „Es kommt ein Schiff geladen“ schaurig-schön auf der singenden Säge begleitet, bleibt die Gewissheit, Altbekanntes ganz neu entdeckt zu haben. Fazit: Das war in der Tat der krönende Abschluss eines tollen Rosendahler Kulturjahres. Mit der Gewissheit, dass Weihnachten manchmal dramatisch ablaufen kann – muss aber nicht. „Setzen sie nicht zu hohe Erwartungen in die Adventszeit“, empfiehlt Sandra Lüpkes. „Es ist ja auch schon schön, wenn die Lichterkette funktioniert.“

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