Caritas, die Gruppe „Hiergeblieben“ und Privatpersonen wie Christa Haßler kümmern sich um Flüchtlinge
Abitur statt Abschiebung

Rosendahl. Sami (Name von der Redaktion geändert) war ein guter Schüler. „Er war nett, klug und sehr beliebt“, sagt Christa Haßler. Die Familie nahm an Schulfesten teil, der Vater kam regelmäßig zu Elternabenden. Ein gelungenes Beispiel von Integration. Doch dann sollte die Familie zurück nach Afghanistan abgeschoben werden.

Donnerstag, 01.05.2014, 17:24 Uhr

Rund zehn Jahre ist das her. Seitdem engagiert sich die inzwischen pensionierte Grundschullehrerin für Asylbewerber in Rosendahl. Die Abschiebung konnte verhindert werden. Sami, seine Eltern und seine Geschwister durften in Deutschland bleiben. Inzwischen steht der Junge kurz vor dem Abitur.

Im Rahmen seiner Türkei-Reise hat Bundespräsident Joachim Gauck angemahnt, dass Deutschland mehr zur Unterstützung von Flüchtlingen unternehmen könne. „Angesichts der enormen Anstrengungen, die Länder wie die Türkei, Jordanien oder Libyen unternehmen, müssen wir uns fragen, ob wir all das tun, was möglich wäre.“

In Rosendahl tun Privatpersonen wie Christa Haßler, die Ortsverbände der Caritas oder zum Beispiel die Gruppe „Hiergeblieben“ aus Billerbeck einiges. Bei Amtsgängen werden die Asylbewerber genauso begleitet wie bei Arztbesuchen. Auch bei der Suche nach Anwälten, die die Familien rechtlich unterstützen, kann geholfen werden. „Und wenn es Probleme gibt oder eine Abschiebung droht, kümmern wir uns“, sagt Haßler.

So wie bei Sami. Oder den Serben, denen die Billerbecker von „Hiergeblieben“ helfen konnten. Christa Haßler erinnert sich: „Die Familie kam damals ins Kirchenasyl und lebte zwei oder drei Wochen im Kloster – als Muslime. Danach haben sie es geschafft, dass sie hier bleiben duften. Das fand ich schon toll.“

Doch wie hilft man Menschen, die abgeschoben werden sollen? „Wichtig ist es, ein Netzwerk mit vielen Leuten zu haben, die man kennt, die wiederum viele Leute kennen. Persönliches Vertrauen spielt dabei ein große Rolle“, sagt Haßler. Da ist ihre Vergangenheit als stellvertretende Bürgermeisterin mit guten Kontakten in die Politik sicherlich kein Hindernis. Bei Sami habe sie dann gegenüber Ämtern oder Landtagsabgeordneten aus der Sicht der Schule argumentiert, dass die Familie die Gesellschaft bereichere, und gut integriert sei.

Der Kritik von Bundespräsident Gauck stimmt die Darfelderin, die 2012 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde, zu. „Wir Deutschen sind so reich, wir haben so viele leer stehende Häuser. Da könnten wir schon mehr Menschen aufnehmen.“ Wenn jemand leidet und man helfen kann, sei es für sie eine Pflicht, das auch zu tun, findet Christa Haßler.

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