Rosendahl
Mit Lucy ganz hoch geflogen

Darfeld. „Ich bin so groß wie die Berge von Davos“, singt Lucy van Kuhl alias Corinna Fuhrmann und greift beherzt in die Tasten. Mit einem gehörigen Schuss Selbstironie hat die gebürtige Kölnerin mit dem Gardemaß von 1,82 Metern das Publikum in der Antoniusschule in Darfeld gleich auf ihrer Seite.

Mittwoch, 23.01.2019, 18:34 Uhr aktualisiert: 24.01.2019, 13:44 Uhr
Rosendahl: Mit Lucy ganz hoch geflogen
Foto: Manuela Reher

Und damit eines sofort klar ist, sagt die hochgewachsene gertenschlanke Künstlerin: Es handelt sich nicht um eine Lesung mit Musik, wie in der Rosendahler Kulturkarte 2019 angekündigt ist, sondern um das musikalische Kabarett „Fliegen mit dir“.

Die Zuschauer schließen Lucy mit ihrer unverwechselbaren Stimme, der sie zuweilen bei bissiger Satire recht tiefe Töne entlockt, sofort in ihr Herz. „Sie singt von Dingen aus dem Alltag, die uns alle betreffen“, freut sich Udo Sidowski im Publikum. Wenn es zum Beispiel darum geht, dass heute alle Lebensmittel nicht mehr „mit Farbstoff, mit Fett und mit Laktose sind“, sondern alles „frei von“ ist. Sidowski ist für die erste Veranstaltung im Rahmen der Rosendahler Kulturkarte in 2019 eigens aus Hochmoor angereist.

Lucy sitzt nicht erhöht auf einem Podest oder auf einer Bühne. Aber gerade das mag sie: den hautnahen Kontakt zum Publikum. Hin und wieder steht sie von ihrem Klavierhocker auf, damit auch die Zuschauer in den hinteren Reihen sie sehen können. Wobei das eigentlich nicht nötig ist. „Denn ich bin nicht nur groß, sondern auch ein Sitzriese“. Klaus-Peter Kreutzfeldt kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus. Er könne das gut nachfühlen, wenn man in einer Gruppe alle anderen überragt. „Bei den Pfadfindern war ich immer der Lange“, verrät Kreutzfeld mit einer Körpergröße von 1,89 Metern.

Damit hat Lucy ihr Publikum schon wieder gepackt. Als sie von den funkelnden Sternen am Himmel singt, die manche Paare in der Phase der frischen Verliebheit gemeinsam bestaunen und später gegen Michelin-Sterne eintauschen würden, sorgt die Kabarettistin und Liedermacherin erneut für viele Lacher. Der Refrain „Küsse ohne Kaviar, Liebe ohne Lachstartar, Träume ohne Trüffelöl, Amore ohne Amuse-Gueule“ treibt so manchem Zuschauer vor Vergnügen Tränen in die Augen.

Dass auch Koffer Gefühle haben, vermittelt Lucy mit dem Lied von Samson, dem Koffer, der in Rimova, den Trolley, verliebt ist. Der Koffer ist nicht der einzige Gegenstand, mit dem das Publikum demnächst netter umgehen soll, appelliert Lucy an ihr Publikum. Auch Lotte, das Lesezeichen, gehört dazu, das ein Klagelied im Altpapier-Container anstimmt.

Das Publikum erlebt ein unvergleichliches Mienenspiel der Künstlerin, die jeden Vers auf einzigartige Weise zelebriert, so dass selbst das inbrünstig vorgetragene Liebeslied für den blinkenden Fernsehturm in Berlin die insgesamt 150 Zuschauer in zwei Veranstaltungen dahinschmelzen lässt. Wenn Lucy dann von „zu viel Auswahl“ in der Wohlstandsgesellschaft singt und selbst die „88 Tasten auf ihrem Klimperkasten“ einbezieht, hat sie es wiederum geschafft, in die Herzen ihres Publikums zu reisen. Das möchte am Ende die Reise am liebsten gar nicht beenden und weiter mit Lucy fliegen und dadurch heitere Höhenflüge erleben.

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