Rosendahl
Eine Leidenschaft zum Abheben

Holtwick. Ulli Kerkhoff dirigiert seine Junkers Ju 87 unter lauten Motorengeräuschen auf das Rollfeld auf der Horst. Immer lauter und schneller beschleunigt das Flugzeug mit satten 2,20 Metern Spannweite, ehe es sich leichtfüßig vom Boden löst, in die Lüfte abhebt und mit atemberaubender Geschwindigkeit über den Piloten kreist, die sie mit gespannten Blicken verfolgen.

Dienstag, 06.08.2019, 18:00 Uhr
Rosendahl: Eine Leidenschaft zum Abheben
Die Piloten des Modellflugclubs haben ihre Maschinen stets im Griff (hinten von links): Heino Thies, Ralf Ober, Sascha Stosik, Ralf Brockhoff (vorne von links) Ingo Hellenkamp und Max Roters. Fotos: Tom-David Rademacher Foto: az

Als sich die Maschine von Kerkhoff dem Boden wieder nähert und schließlich erfolgreich gelandet ist, ist Max Roters mit seinem kleinen selbstgebauten Quadrocopter an der Reihe: „Abhängig von der Leistung schafft der schon an die 130 Kilometer in der Stunde“, erklärt er. Zehn Stunden habe es gedauert, die Drohne, die nun am Himmel über den Köpfen hin und her flitzt, zu bauen – und das komplett autodidaktisch. Das Blickfeld der kleinen Kamera, die er zusätzlich angebracht hat, kann er wie im Cockpit auf einem kleinen Bildschirm verfolgen. Die Orientierung zu behalten, während die Drohne schaukelt und sich dreht, ist dabei ganz schön schwierig. Schnell stellt sich beim Beobachter Schwindel ein – Max Roters ist da aber mittlerweile abgehärtet.

Einmal im Monat bietet der Modellflugclub Holtwick e. V. (MFC) am ersten Samstag ein Schnupperfliegen für alle Interessierten an. Rund 55 Mitglieder zählt der Verein aktuell: Sie alle eint die Begeisterung für die kleinen – und auch größeren – Flitzer in der Luft. Seien es Hubschrauber, Segelflieger oder auch historische Modelle. Seit 2007 ist der erste Anlaufpunkt für die Piloten der Flugplatz auf der Horst: „Wir bemühen uns seit geraumer Zeit darum, die Infrastruktur vor Ort, zum Beispiel durch eine Schutzhütte oder ein Toilettenhäuschen, zu verbessern. Das steht auch weiterhin auf unserer Agenda“, erzählt Ralf Ober von den Piloten des Modellflugclubs.

Bei vielen Mitgliedern habe sich die Begeisterung für die Flugzeuge von den Eltern auf die Kinder übertragen: „Dazu kommt, dass die Flieger immer preiswerter werden und heute nicht mehr selbst zusammengebaut werden müssen“, so Ober. Die Technik entwickele sich stets weiter: „Am Anfang kamen da noch laute Verbrennungsmotoren zum Einsatz, teils wurden Motoren aus CD-Laufwerken verwendet. Mittlerweile können wir den Lärm und Gestank von damals aber verhindern. Die Flieger haben wie Handys eine Entwicklung durchgemacht“, führt sein Kollege Ralf Brockhoff weiter aus.

Ein neues Flugzeug – ob nun selbst gebaut oder flugfertig gekauft – sei immer mit großer Aufregung verbunden: „Vor dem ersten Flug ist die Spannung natürlich riesig: Wie wird der Flieger sich verhalten? Womöglich ist eine lange Bauzeit nach der ersten Bruchlandung umsonst gewesen“, gibt Ober zu bedenken. Und tatsächlich: Nicht nur bei einem neuen Modell, auch beim ersten Flug klappt natürlich vieles noch nicht so ganz, wie es soll. Die Finger zittern an der Steuerung, die für den Geschmack des Erstbenutzers dann doch ein paar Regler zu viel besitzt. Adrenalin steigert die innere Unruhe. Aber keine Sorge: Wenn Sascha Stosik einen Hebel umlegt, ist er wieder mit dem Kommando an der Reihe und rettet den Flieger, der sich gerade im Sturzflug befindet, vor der kleinen Katastrophe. „Wenn die Motoren ausgeschaltet sind, leisten uns die Vögel da oben auch häufig Gesellschaft“, erinnert er sich an vergangene Flüge. Sich in die Steuerung einzufinden, wenn der Flieger immer wieder anders im Raum steht und entsprechend umzudenken, kann zur echten Herausforderung werden.

Wer Interesse am Schnupperfliegen hat, kann den Modellflugclub Holtwick per Mail über vorstand@mfc-holtwick.com kontaktieren.

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