Aktion "Toter Winkel" an der Nikolaus-Grundschule
Mit Kopf, Herz und Hand lernen

Holtwick. „Kannst du uns hier sehen?“, fragt Polizist Jürgen Sicking. Gemeinsam mit den Schülern der vierten Klassen steht er neben einem großen Lastkraftwagen, der auf dem Schulhof geparkt ist. Anne sitzt im Führerhaus, schaut in alle Spiegel und ruft laut „Nein!“ Die Kinder, die eine große Gruppe bilden, wundern sich – als der Polizist ihnen aber erklärt, dass sie im Toten Winkel stehen, wird ihnen klar, wie gefährlich diese Situation im Straßenverkehr werden kann.

Mittwoch, 20.11.2019, 17:33 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 17:40 Uhr
Aktion "Toter Winkel" an der Nikolaus-Grundschule: Mit Kopf, Herz und Hand lernen
Kann Anne im Führerhaus ihre Mitschüler sowie Thomas Niehues (vorne rechts) und Polizist Jürgen Sicking durch die Spiegel sehen? „Nein“, ruft sie. Alle Viertklässler haben nacheinander auf dem Fahrersitz Platz genommen und die Gefahren des Toten Winkels erlebt. Foto: Leon Seyock

Jürgen Sicking, der in der Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei Coesfeld tätig ist, war gestern in der Holtwicker Nikolaus-Grundschule zu Besuch. In einem theoretischen Teil hat er den Schülern erläutert, was der Tote Winkel eigentlich ist und warum er so gefährlich ist. Als er ein Bild an die Leinwand wirft, das einen abbiegenden Lastkraftwagen und davor einen Radfahrer zeigt, rufen die Viertklässler laut „Oh!“ „Warum, was ist denn?“, stellt Sicking sie auf die Probe. „Der Fahrer des Lkw kann den Radfahrer nicht sehen“, sagt eine Schülerin. „Genau richtig. Und wenn ihr den Fahrer nicht sehen könnt, dann sieht der Fahrer euch auch nicht“, betont der Polizist.
Um das gelernte Wissen auch praktisch zu erfahren, hat Thomas Niehues vom gleichnamigen Landhandel einen seiner Lastkraftwagen zur Verfügung gestellt, um den Toten Winkel in Realität erlebbar zu machen. Gemeinsam mit den Kindern hat Sicking den gefährlichen Bereich rund um das große Fahrzeug abgesteckt. Anne darf ins Führerhaus klettern und stellt fest – sie sieht niemanden im Toten Winkel, als sich alle Mitschüler in den Bereich stellen.
„Die Unfälle mit großen, rechtsabbiegenden Fahrzeugen enden in der Regel immer tödlich“, warnt Sicking. Umso wichtiger sei es, die Kinder schon im Grundschulalter auf die Gefahren hinzuweisen. „Die Kinder lernen so, sich sichtbar zu machen und Abstand von Lastkraftwagen zu halten“, erklärt er. „Schön ist, dass die Kinder das Thema nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erleben“, ergänzt Lehrerin Hildegard Becker. „Hier wird mit Kopf, Herz und Hand gelernt.“

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