Ulrike Bliefert liest am 21. Januar in Osterwick aus ihrem Thriller „Die Samariterin“
Zartes Wesen schmeichelt tötende Hand

Rosendahl. Das Cover ist pechschwarz gehalten. Nur eine graue Hand ragt von der Seite hinein. Auf einer Fingerspitze sitzt ein Schmetterling – in den schönsten Gelbtönen und mit ausgebreiteten Flügeln. Das Titelbild des Thrillers „Die Samariterin“ wirkt bei erster Betrachtung trostlos – und doch hat der Schmetterling drei starke Bedeutungen für Autorin Ulrike Bliefert. Welche das sind, wovon ihr Werk handelt und warum die 68-jährige Schauspielerin immer eine Leselampe im Koffer hat, erzählt sie im Vorfeld zu ihrer Lesung am Dienstag (21. 1.) im Interview mit unserer Redaktion.

Mittwoch, 15.01.2020, 11:58 Uhr aktualisiert: 15.01.2020, 12:06 Uhr
Ulrike Bliefert liest am 21. Januar in Osterwick aus ihrem Thriller „Die Samariterin“: Zartes Wesen schmeichelt tötende Hand
Nicht nur mit der Stimme von Ulrike Bliefert erleben die Zuhörer die Geschichte von „Die Samariterin“. Sie verspricht einen mit Schauspiel gestalteten Abend. Foto: Robert Berghoff

Frau Bliefert, am Dienstag lesen Sie aus Ihrem Thriller „Die Samariterin“, mit dem Sie in Osterwick zu Gast sind. Wovon handelt Ihr Werk?

Ulrike Bliefert: „Es geht um eine vereinsamte Frau, die von ihrer Mutter unterdrückt wird. Sie verliebt sich schließlich in einen Knastinsassen. Ihre Liebe beginnt mit dem Austausch von Briefen. Die Beziehung läuft allerdings nicht so, wie der Zuhörer zunächst denkt. Denn die Erwartungen – etwa ein Knast-Happy-End oder eine Tragödie – werden ganz bestimmt nicht erfüllt. Die Lesung ist wie ein Puzzle, das aus mehreren Teilen zusammengestellt ist. Erst am Ende klärt sich auf, wie alles zusammenhängt.“

Das heißt, es steht nicht die Handlung im Vordergrund, sondern vielmehr die einzelnen Personen selbst?

Bliefert: „Genau. Während meiner Lesung erfahren die Zuhörer vieles über verschiedene Personen, die an unterschiedlichen Orten agieren. Und genau darin besteht die Herausforderung der Lesung. Es wird keine gewöhnliche, denn die Gedankenstimme der Hauptperson, die im Buch kursiv gedruckt ist, spielt eine große Rolle. Die Schauspielerin in mir nimmt die Herausforderung, die Gedankenstimme als solche kenntlich zu machen, mit Begeisterung an.“

Wurden Sie durch eine bestimmte Situation zu ihrem Buch inspiriert?

Bliefert: „In einem Film habe ich einmal die Mutter des homosexuellen Kindermörders Jürgen Bartsch gespielt. Auch er saß im realen Leben im Gefängnis und hat zunächst Briefe mit seiner späteren Ehefrau ausgetauscht. Diese Frauen sind es, die mich besonders interessieren. Der Gedanke an sie hat mich nicht mehr losgelassen. Im Knast-Jargon nennt man sie Rotkäppchen. Von solch einer Frau – inspiriert durch den Fall Bartsch – handelt ‘Die Samariterin’.“

Sicherlich wird das Publikum dem Thriller umso gebannter folgen, da der Fall Bartsch kein unbekannter ist. Treten Sie auch mit dem Publikum in Kontakt?

Bliefert: „Sehr gerne gehe ich auf meine Gäste ein. Ich freue mich immer über Reaktionen. Wenn die Leute ihr Wintermäntelchen anziehen und sich auf den Weg machen, sollen sie die Autorin kennenlernen. Das haben sie verdient. Bei der ersten Lesung von ‘Die Samariterin’ hat ein Gast zwischendurch gefragt, wie alt die Hauptperson überhaupt ist. So etwas begeistert mich – denn es hat immer etwas Detektivisches.“

Was stellt Sie angesichts des Publikums vor besonderen Herausforderungen?

Bliefert: „Es ist ein Unterschied, ob viele oder wenige Leute anwesend sind. Bei vielen Zuschauern habe ich immer das Gefühl, ich muss mehr unterhalten. Mit wenigen Gästen kommt man schneller ins Gespräch, das sind zwei unterschiedliche Herausforderungen. Aber natürlich spielt auch die Lokalität eine Rolle.“

Welche bevorzugen Sie bei Ihren Lesungen?

Bliefert: „Es hängt nicht von der Ästhetik ab. Der Raum muss abgedunkelt sein und auf meinem Tisch muss eine Leselampe stehen. Das Schreckliste ist, wenn ich bei Tageslicht eine Krimi-Lesung halten muss. Dann fühle ich mich wie auf einem riesigen Marktplatz, auf dem ich verzweifelt winke. Damit das nicht vorkommt, habe ich immer eine Leselampe im Gepäck.“

Haben Sie dieses Gespür durch Ihre Erfahrungen als Schauspielerin entwickelt?

Bliefert: „Das trägt sicherlich dazu bei. Zumindest weiß man als Schauspieler, dass ein beleuchteter Zuschauerraum ein Overkill ist. Damit kommt nie die richtige Atmosphäre auf, die eine Lesung verdient.“

Kommen wir noch einmal auf die Handlung zu sprechen. Welche Verbindung schafft das dunkel gehaltene Cover mit dem hellen Schmetterling zum Inhalt?

Bliefert: „Das Cover liebe ich heiß und innig, es wurde von einem Freund entworfen. Der Schmetterling hat für mich drei starke Bedeutungen: Erstens zeigt es die Verbindung zwischen der Hand, die töten kann und dem zarten Wesen des Schmetterlings. Zweitens entfaltet er sich aus einer hässlichen Raupe und drittens stellt der Schmetterling das Symbolbild der Psyche dar. Wie das den Inhalt widerspiegelt, wird an dieser Stelle allerdings nicht verraten.“

- Lesung „Die Samariterin“ mit Ulrike Bliefert im Rosendahler Kulturprogramm, Dienstag (21. 1.), Forum der Sebastian-Grundschule. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt kostet 11 Euro.

Zur Person von Ulrike Bliefert

Ulrike Bliefert, geboren im September 1951 in Düsseldorf, wohnt heute in Mecklenburg-Vorpommern und ist als Schauspielerin und Autorin tätig. Nach ihrem Abitur studierte sie unter anderem Theaterwissenschaft in Köln und nahm parallel dazu Schauspielunterricht. Seitdem wirkte sie an zahlreichen Produktionen mit. Der Durchbruch gelang ihr Ende der 70er-Jahre mit der Rolle der Maximiliane in den Literaturverfilmungen von Christine Brückners Romanen „Jauche und Levkojen“ und „Nirgendwo ist Poenichen“. Sie wirkte bis heute in mehr als 40 Hauptrollen in Fernseh- und Kinofilmen und TV-Serien mit. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin ist sie seit 1988 als Drehbuchautorin tätig. Seit 2007 hat sie zudem verschiedene Krimis, Jugendbücher und Thriller veröffentlicht, unter anderem „Die Samariterin“.

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