Generalversammlung des LOV Osterwick: Kritische Töne und Einsatz für besseres Image der Landwirtschaft
"Uns fehlt die Planungssicherheit"

Osterwick. Auf ein ruhiges Jahr hatte sich Berthold Abbenhaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Osterwick (LOV) zu Beginn 2019 eingestellt. Die Getreidebestände hätten sich gut entwickelt, der Mais wurde in ein schönes Saatbett abgelegt und auch die ersten beiden Grasschnitte seien ordentlich gewesen. Alle weiteren Schnitte seien aber qualitativ und quantitativ nicht zufriedenstellend gewesen. „Spätestens da haben wir gemerkt, dass es wieder ein zu trockenes Jahr werden würde“, blickte Abbenhaus bei der Generalversammlung des LOV im Saal Grüner zurück.

Mittwoch, 22.01.2020, 12:10 Uhr aktualisiert: 22.01.2020, 12:19 Uhr
Generalversammlung des LOV Osterwick: Kritische Töne und Einsatz für besseres Image der Landwirtschaft: "Uns fehlt die Planungssicherheit"
Nahmen bei der Generalversammlung wichtige Themen in den Fokus: (von links) Hendrik Deitert (Ortslandwirt), Georg Silkenbömer (Kreislandwirt), Michael Uckelmann (Kreisverbandsvorsitzender), Berthold Abbenhaus (Vorsitzender des LOV Osterwick), Anneliese Haselkamp (stellvertretende Landrätin), Bürgermeister Christoph Gottheil und Margret Wiechert-Kersting (LOV). Foto: Leon Seyock

Sorge bereitete ihm nicht nur der zweite Dürresommer in Folge, sondern auch die Afrikanische Schweinepest (ASP), „die nur 20 Kilometer in Polen vor der deutschen Grenze steht.“ Die ASP war eines der zahlreichen Themen, die bei der gut besuchten Versammlung ins Auge gefasst wurden. Auch der anwesende Kreislandwirt Georg Silkenbömer griff in seiner Ansprache dieses Thema auf. „Die ASP wird uns noch länger begleiten. Uns stimmt aber positiv, dass wir im Fall der Fälle gut vorbereitet sind“, sagte der Kreislandwirt. So habe der Bund etwa ein Krisenmanagement entworfen, in dem zügig Schutzzäune errichtet und die ASP gezielt bekämpft werden könne. Des Weiteren stünden auch Jäger als schnelle Eingriffstruppen bereit.
„Auch auf politischer Ebene gibt es Diskussionsbedarf“, führte Abbenhaus weiter aus. „Man hat uns erst 2017 eine Düngeverordnung aufgedrückt und man möchte sie jetzt schon wieder verschärfen“, kritisierte der Vorsitzende des LOV. Allgemeines Ziel der Vorschriften ist es, die hohen Nitratgehalte im Grundwasser zu verringern. Erste Erfolge könnten dabei schon verzeichnet werden, indem an vielen Stellen die Anzahl der sogenannten „Roten Grundwasserkörper“ deutlich reduziert wurde, wie Kreislandwirt Silkenbömer berichtete. NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser habe in diesem Falle eine Überprüfung der Messstellen zugesagt und wolle 200 neue Stellen anlegen, um gezielter die Düngeverordnung anzupassen. „Wir Landwirte sind gerne bereit, an konstruktiven Lösungen mitzuarbeiten. Man sollte dabei aber mit uns und nicht über uns reden“, machte Abbenhaus deutlich.
Wie groß teilweise die Zukunftsangst der hiesigen Landwirte ist, zeigten sie in den vergangenen Monaten, indem sie in geballter Kraft bei verschiedenen Aktionen auf sich aufmerksam machten. So gründete sich die Vereinigung „Land schafft Verbindung“. Bei Demonstrationen, die in diesem Rahmen stattfanden und stattfinden, gehe es nicht um Proteste gegen Umweltschutz oder Tierwohl, „sondern um die nackte Existenzangst“, die nicht zuletzt durch immer strengere Auflagen und eine deutliche Zunahme der Bürokratie verstärkt werde. „Uns fehlt einfach die Planungssicherheit für die nächsten zwanzig Jahre“, brachte Abbenhaus es auf den Punkt. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, haben sich die örtlichen Landwirte an Demonstrationen in Berlin und Telgte beteiligt und im Dezember einen stillen Protest an der Hauptstraße in Osterwick ins Leben gerufen.
Die Wichtigkeit des Themas sah auch Kreisverbandsvorsitzender Michael Uckelmann: „Wir leben in turbulenten Zeiten. Es ist sinnvoll, dass wir unsere Sorgen deutlich vertreten.“ Kreislandwirt Georg Silkenbömer lobte besonders den Einsatz der jungen Landwirte.
Um mehr Akzeptanz in der Politik und allgemeinen Bevölkerung zu erreichen, hat der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) die Plattform „Landwirt schafft Leben“ mit dem Slogan „Mag doch jeder“ ins Leben gerufen. Damit soll ab sofort aktiv Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden – „denn eines ist sicher: Wir müssen für ein gutes Gefühl beim Verbraucher sorgen. Wenn wir es nicht tun, überlassen wir anderen kampflos das Feld“, so Abbenhaus. Mit starkem Applaus stimmten die Anwesenden ihm zu.

Vortrag zum Thema "Landwirtschaft 4.0": Liegt die Zukunft in digitaler Technik?

Wie die Digitalisierung auch in der Landwirtschaft Einzug halten kann – darüber referierte bei der Versammlung des LOV Tobias Bartling vom Unternehmen KWS Saat.
„Die Vision ist, dass auf einem Hof alles miteinander vernetzt ist und es eine Zentrale gibt, von wo aus alle betrieblichen Prozesse gesteuert werden können“, erläuterte Bartling, der sich auch beruflich diesem Thema widmet. Dazu müssten zunächst die aktuellen Anforderungen in den Blick genommen werden, etwa die steigende Weltbevölkerung, „die von tendenziell immer weniger Landwirten satt gemacht werden muss“, so Bartling. An dieser Stelle könne die Digitalisierung eingreifen: Die Arbeit der Landwirte könne durch Künstliche Intelligenz erleichtert werden, da beispielsweise gezielter gedüngt oder gemolken werden könne. „Nachdem die Technik vor vielen Jahren auf den Höfen Einzug gehalten hat, ist es nun die Zukunftsversion, die Höfe vollständig zu digitalisieren“, machte Bartling deutlich.
Dazu müssten die einzelnen Maschinen miteinander kommunizieren – so könne eine höhere Effizienz und als Nebeneffekt auch ein kleinerer ökologischer Fußabdruck erzielt werden, zeigte der Referent positiv auf. Schwierigkeiten gebe es aber bei fachlichen Anforderungen und auch die Datensicherung werfe Frage auf.
Und ja, trotzdem liege für Bartling die Zukunft in der digitalen Technik: „Denn die großen Hersteller stecken immer mehr Geld in die Digitalisierung. Auch sie sehen darin die Zukunft.“

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LOV-Vorstand einstimmig entlastet

Ein tadelloses Führen der Kasse des Landwirtschaftlichen Ortsvereins mit einem positiven Saldo präsentierte Margret Wiechert-Kersting bei der gestrigen Generalversammlung – geprüft durch Anna Korbeck und Hendrik Schulze Baek. Die Entlastung des Vorstandes erfolgte im Anschluss einstimmig. Für Korbeck wird ab sofort Josef Hölscher die Kassenprüfung des LOV gemeinsam mit Schulze Baek übernehmen; auch dazu fiel das Votum einstimmig aus.

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Berichte von Bürgermeister Gottheil über aktuelle Projekte

Wie schon beim Neujahrsempfang informierte Bürgermeister Christoph Gottheil auch bei der Generalversammlung des LOV über aktuelle Projekte der Gemeinde. Als Beispiele nannte er die Situation der Kindergärten, die Sanierung der Schulen oder die Aufwertung der Sportanlagen. Die Gewerbesteuer-Erträge seien außerdem positiv, „auch wenn wir in vernünftigem Fahrwasser unterwegs sind, wollen wir den kritischen Blick nicht verlieren“, so Gottheil.

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