Erfolgreiche Gesellenprüfung: Alexis Kpoghomou aus Guinea arbeitet bei Firma Wigger als Tischler
Rückschlag verhilft zu großem Glück

Osterwick. Beliebt sei er bei seinen Kollegen. Er komme schnell mit ihnen ins Gespräch, habe Spaß bei der Arbeit und sich gut ins Team integriert. „Wir sind froh, dass wir Alexis haben“, sagt Bernd Feldmann, der als Betriebsleiter im Unternehmen Wigger Fenster + Fassaden für die Tischler-Auszubildenden zuständig ist, und schaut zu ihm herüber. Aus Guinea stammt Alexis Kpoghomou gebürtig – und arbeitet heute nach erfolgreichem Ablegen seiner Gesellenprüfung in dem Osterwicker Unternehmen.

Samstag, 15.02.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 15.02.2020, 11:02 Uhr
Erfolgreiche Gesellenprüfung: Alexis Kpoghomou aus Guinea arbeitet bei Firma Wigger als Tischler: Rückschlag verhilft zu großem Glück
Alexis Kpoghomou stammt gebürtig aus Guinea. Über Italien kam er nach Deutschland – und hat jetzt seine Ausbildung zum Tischler erfolgreich beendet. Foto: Leon Seyock

2002 war es, als Kpoghomou von Guinea nach Europa kam. „Zuerst war ich in Italien“, kann sich der 38-Jährige noch gut erinnern. Doch dort Fuß zu fassen sei schwierig gewesen. „Mein Asylantrag wurde in Italien abgelehnt“, berichtet er. Der Rückschlag könnte ihm im Nachhinein aber zu seinem großen Glück verholfen haben: „Danach dachte ich, dass ich vielleicht in Deutschland eine Chance bekomme – obwohl es eigentlich nie mein direktes Ziel war.“

Von Italien zog Alexis Kpoghomou weiter nach Deutschland – und kam nach Dortmund, wo er seinen Hauptschulabschluss erlangte. „Danach wollte ich unbedingt eine Ausbildung machen“, erzählt Kpoghomou. Lange habe er in der Ruhrgebietsstadt nach einer geeigneten Ausbildungsstelle gesucht – vergebens. Ein Bekannter habe ihn schließlich auf das Unternehmen Wigger in Osterwick aufmerksam gemacht. Nach einem erfolgreichen Praktikum hat er sich schließlich für eine Ausbildung zum Tischler beworben – und das mit Erfolg.

„Nach den vier Jahren ist Alexis uns richtig ans Herz gewachsen“, sagt Personalerin Jutta Arends. Ganz einfach sei die Einstellung des gebürtigen Westafrikaners allerdings nicht gewesen, erinnert sie sich. Jede Menge Bürokratie und Behördengänge hätten dazugehört. Aber das Ziel war alle Mühe wert: Gemeinsam mit Simon Drüner und Daline Wenker begann Alexis Kpoghmou, der heute in Coesfeld lebt, vor drei Jahren seine Ausbildung zum Tischler. „Ich wusste nicht, ob ich die schriftliche Prüfung bestehen werde“, erinnert sich Kpoghomou. „Ganz einfach war es für ihn am Anfang nicht. Die ganzen Fachbegriffe und das Lesen von Zeichnungen war besonders schwierig“, blickt Feldmann zurück. Doch das sei jetzt kein Problem mehr, seit zwei Jahren arbeitet Alexis Kpoghomou in der Holzfertigung, wo er sich pudelwohl fühlt. Nach ihm stellte das Unternehmen weitere Auszubildende mit Migrationshintergrund ein und er lernt mittlerweile Kollegen in „seiner“ Abteilung an, was ihm viel Freude bereitet.

Die Auszubildenden durchliefen in den vergangenen drei Jahren alle Abteilungen. Oberflächen-Bearbeitung, Zuschnitte anfertigen, Fenster verleimen und Gläser einsetzen: „Ich habe überall Spaß gehabt und ich hatte überhaupt keine Schwierigkeiten, mit Leuten ins Gespräch zu kommen“, sagt Alexis Kpoghomou. Für seine Kollegen Simon Drüner und Daline Wenker waren das Arbeiten mit dem Material und das Anpacken die Motivation, in das Handwerk einzusteigen. Als Gesellenstück hat Drüner einen Barschrank, Daline Wenker einen Schminktisch und Alexis Kpoghomou eine Kommode angefertigt. Alle drei ehemaligen „Azubis“ arbeiten weiterhin bei Wigger.

Ein weiteres Ziel will Alexis Kpoghomou jetzt noch erreichen: „Ich möchte gerne nach Rosendahl ziehen“, sagt er – momentan nimmt er bei Wind und Wetter den Weg von Coesfeld nach Osterwick mit dem Fahrrad auf sich. Bei dem Tatendrang und der Motivation des 38-Jährigen dürfte das allerdings nicht mehr allzu lange der Fall sein.

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